Ernährung

Stevia: Wie gut ist der Zucker-Ersatz?


Süßes aus der Pflanze erobert die Regale in den Supermärkten

 

 

Potsdam/Bonn. Süßes, das nicht dick macht und den Zähnen nicht schadet. Joghurt, Müsli, Marmelade, alkoholfreie Getränke und Süßigkeiten dürfen seit kurzem eine solche Alternative zum Zucker enthalten. Verbraucher erkennen den Stoff, der aus der Stevia-Pflanze stammt, am Aufdruck „E 960“ auf der Zutatenliste der Verpackung.

 

 

 

In Japan seit 40 Jahren eingesetzt

 

 

 

Die Zahl der Stevia-Produkte in den Supermarktregalen wird schnell ansteigen. Allein Coca-Cola hat 24 Patente damit angemeldet.

 

 

 

Was die Wunderpflanze bringt, hat Anne Brockhoff untersucht. „Die Stevia-Blätter sind 13-mal süßer als Zucker, das daraus gewonnene Pulver ist 300-mal süßer“, erklärt die Wissenschaftlerin vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung in Potsdam.

 

 

 

Der Gesundheit schadet Stevia nicht. Das haben Studien der EU bewiesen. Mediziner sehen in dem Süßungsmittel, das in Japan seit mehr als 40 Jahren eingesetzt wird, sogar eine Möglichkeit, den Zuckerkonsum zu senken.

 

 

 

 

 

 

 

Allerdings mit Einschränkungen. „Das aus der Pflanze gewonnene Steviosid schmeckt nicht genau wie Zucker“, so Brockhoff. Ein leichter Lakritz-Nachgeschmack oder Bitterkeit sei feststellbar, je nach Herstellungsverfahren.

 

 

 

Wie stark der Beigeschmack empfunden wird, hängt von der genetischen Veranlagung ab. Brockhoff: „Manche süß schmeckenden Substanzen stimulieren auf der Zunge neben den Sensoren für ,süß‘ auch die Sensoren für ,bitter‘“.

 

 

 

In einigen Produkten, zum Beispiel Bonbons oder Limonade, kommt dieser Effekt kaum vor. Beim Süßen von Kaffee dagegen schon. Komplett ersetzen wird Stevia den Zucker also nicht. Da ist sich Marcus Otto von der Wirtschaftlichen Vereinigung Zucker in Bonn sicher: „Man kann damit nicht alles machen. Um zum Beispiel einen Kuchen zu backen, fehlen die Füllstoffe.“

 

 

 

Über den Erfolg entscheiden die Kunden

 

 

 

Große Erwartungen gibt es dennoch an das Süßkraut, das im Grenzgebiet zwischen Brasilien und Paraguay beheimatet ist. Nicht nur, weil es sich für Diabetiker eignet.

 

 

 

Es soll auch den Blutdruck senken, Karies sogar verhindern und lindernd bei entzündlichen Krankheiten wirken. Endgültige Klarheit darüber aber müssen Studien erst noch erbringen.

 

 

 

Deshalb hat die EU vorerst auch noch einen Höchstwert für den Süßstoff Steviosid festgesetzt. Bis zu zehn Milligramm je Kilogramm Körpergewicht darf man konsumieren.

 

 

 

Das setzt den Möglichkeiten der Lebensmittel-Hersteller zwar Grenzen. Dennoch werden bald viele Produkte mit dem Zusatz „natürliche Süße“ ins Auge springen. Ob sie tatsächlich ein Erfolg werden, entscheiden am Ende ganz allein die Kunden.

 

 

 

 

 

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