Erst prüfen, dann abheften

Steuerbescheid: Wie man darin Fehler findet und Einspruch einlegt

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Das Finanzamt wird schon wissen, was es tut – wer so denkt, verschenkt manchmal bares Geld. Schließlich können sich auch Beamte mal irren. Wenn man sich dann wehrt, sind die Erfolgsaussichten gut. Nach der Einspruchsstatistik des Bundesfinanzministeriums wird bei knapp zwei Drittel aller Einsprüche der Steuerbescheid geändert. Irgendwas war also tatsächlich nicht richtig. Wer schlau ist, kontrolliert deshalb den Bescheid, bevor ihn auf Nimmerwiedersehen im Aktenordner begräbt.

Zahlen checken

Tippfehler, Zahlendreher: So was kann jedem passieren. Nicht nur dem Finanzbeamten, sondern auch einem selbst, beim Ausfüllen der Steuererklärung. „Viele Daten werden zudem von Dritten übermittelt, beispielsweise vom Arbeitgeber oder der Krankenkasse“, erklärt Uwe Rauhöft, Geschäftsführer vom Neuen Verband der Lohnsteuerhilfevereine (NVL). Und auch dabei kann natürlich mal was schiefgehen.

Auch wenn solche Fehler nach Einschätzung des Experten insgesamt sehr selten sind, kommen sie vor. Deshalb sollte man alle Daten sicherheitshalber nochmals genau kontrollieren. Schließlich macht es schon einen Unterschied, ob das Amt ein Gehalt von 45.000 oder von 54.000 Euro pro Jahr ansetzt ...

Was ist gestrichen worden?

Natürlich versucht jeder, so viel wie möglich von der Steuer abzusetzen, zum Beispiel Fahrtkosten oder Weiterbildungen. Hier sollte man genau prüfen, ob das Amt wirklich alles anerkannt hat.

„Ganz besonders gründlich sollte man Bereiche kontrollieren, bei denen sich im Vergleich zum Vorjahr etwas geändert hat“, empfiehlt Rauhöft. Das wäre beispielsweise der Fall, wenn man zum ersten Mal bestimmte Kosten abgesetzt hat, beispielsweise Unterhalt, Krankheitskosten oder eine Haushaltshilfe. Schließlich schleichen sich ja gerade bei neuen Dingen bekanntlich sehr leicht Fehler ein, die dann dazu führen können, dass das Amt gnadenlos streicht.

„Besonders fehlerträchtig ist es auch, wenn sich im Steuerrecht etwas geändert hat“, so die Erfahrung des Experten. Und das kommt ständig vor, fast jedes Jahr überlegen sich die Politiker ein paar neue Regelungen. „Bei neuen Vorschriften kommt es besonders leicht zu unterschiedlichen Interpretationen, die manchmal auch erst vor Gericht geklärt werden müssen“, erklärt Rauhöft. Folglich ist es sinnvoll, gegebenenfalls auch in diesem Bereich der Steuererklärung besonders aufmerksam zu kontrollieren, ob alles durchgegangen ist.

Hat der Finanzbeamte etwas gestrichen, sollte man das Kleingedruckte des Bescheids genauer unter die Lupe nehmen. Oft steht hier schon, warum die Kosten nicht akzeptiert wurden. Wenn nicht, hilft häufig bereits ein Anruf beim zuständigen Sachbearbeiter – die Telefonnummer steht auf dem Bescheid. Manchmal klärt sich die Angelegenheit dann schon auf und man kann sich das weitere Procedere ersparen.

Einspruch einlegen

Wer glaubt, dass das Finanzamt zu Unrecht gestrichen hat, muss schriftlich Einspruch einlegen. Dafür hat man einen Monat und drei Tage (wegen der Postlaufzeit) Zeit. Ist der Steuerbescheid beispielsweise auf den 15. September datiert, muss der Einspruch am 18. Oktober beim Finanzamt sein.

„Wie der Brief auszusehen hat, dazu gibt es keine genauen Vorschriften“, erklärt Experte Rauhöft. Klar, dass die eigene Steuernummer in das Schreiben gehört, damit die Angelegenheit richtig zugeordnet werden kann. Es sollte außerdem eindeutig erkennbar sein, dass es sich um einen Einspruch handelt, beispielsweise durch eine Formulierung wie „Hiermit lege ich Einspruch ein“.

„Sinnvollerweise sollte man den Einspruch begründen, damit der Beamte versteht, wo das Problem liegt“, empfiehlt Rauhöft. Am besten legt man auch gleich die entsprechenden Belege bei und bittet um die Änderung des Steuerbescheids. Wer allerdings gerade keine Zeit hat, kann die Begründung und eventuell fehlende Belege auch später nachreichen.

Auf einen Einspruch muss das Amt natürlich reagieren. Entweder korrigiert der Beamte gleich seinen Fehler oder er muss zumindest erklären, warum er bestimmte Kosten gestrichen hat.

Ist man danach immer noch der Meinung, dass das Amt etwas falsch gemacht hat, geht die Angelegenheit in die nächste Runde: Ein anderer Finanzbeamter prüft die Sache noch einmal. Danach bekommt man ein Schreiben mit der endgültigen Entscheidung des Finanzamts. „Dieses Einspruchsverfahren ist für den Bürger kostenlos“, erklärt Rauhöft.

Wer mit dem zweiten, endgültigen Bescheid immer noch nicht einverstanden ist, könnte das Finanzamt verklagen.


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aktualisiert am 29.09.2017

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