Auf leichten Sohlen

Sportliche Sneakers sind gesünder als klassische Schuhe

Heute tragen auch Leute mit Anzug und Krawatte Sneakers. Selbst Firmen-Bosse zeigen sich locker und lässig. Warum Sneakers beim Handel auch in diesem Jahr so gut laufen, erklärt Claudia Schulz, Trendexpertin des Deutschen Schuhinstituts.

Renner: Letztes Jahr kauften die Deutschen 47 Millionen Sneakers für Sport und Alltag. Foto: Getty

Renner: Letztes Jahr kauften die Deutschen 47 Millionen Sneakers für Sport und Alltag. Foto: Getty

Offenbach. Früher waren die bunten Schuhe nur was für die Straße – Rapper, Hip-Hopper oder Basketballer standen drauf. Heute tragen auch Leute mit Anzug und Krawatte Sneakers. Selbst Firmen-Bosse zeigen sich locker und lässig – wie etwa Allianz-Chef Oliver Bäte oder Daimler-Chef Dieter Zetsche, die sich bei öffentlichen Auftritten auch schon mal mit den sportlichen Schuhen präsentieren.

„Der Sneaker ist generations- und geschlechtsübergreifend salonfähig geworden“, sagt Claudia Schulz, Trendexpertin des Deutschen Schuhinstituts (DSI) in Offenbach. Das sei gut für die heimischen Schuhhersteller: Um fast 7 Prozent auf 2,8 Milliarden Euro legten sie im vergangenen Jahr beim Umsatz zu – Grund für das starke Plus waren fast ausschließlich Sneakers.

„Und die laufen jetzt auch gut im Business-Bereich“, so die Expertin Schulz. Gefragt sind da vor allem sogenannte Hybride: Treter, die oben aussehen wie normale feine Schnürschuhe mit Lochmuster, aber untenherum eine Sneaker-Sohle aus Kunststoff haben.

Die sportlichen Schuhe sind inzwischen Kult. So besitzt der Berliner Schauspieler Oliver Korittke, der in Filmen wie „Bag Boom Bang“ oder „Die Musterknaben“ mitgespielt hat, über 2.500 Paar. Für manche Modelle legen Liebhaber locker ein paar Tausender hin. Dabei sind die weichen, flexiblen und leichten Sneakers mehr als nur eine schnöde Modeerscheinung.

„Modelle mit atmungsaktiven Materialien und auswechselbarem Fußbett sind gut für die Füße“, sagt die DSI-Expertin. „Und sie schonen, im Gegensatz zu Tretern mit harten Sohlen, auch Wirbelsäule und Rücken.“ Das sei besonders wichtig für Menschen mit Fußproblemen.

Der Durchschnittsmensch geht in seinem Leben 180.000 Kilometer – eine Strecke, die fast fast viermal um die Erde reicht. Dabei werden im Fuß jeden Tag 26 Knochen, 33 Gelenke, 100 stabilisierende Bänder und 20 Muskeln beansprucht. Problem: Jeder dritte Deutsche hat Fehlstellungen, einen Platt- oder Hohlfuß etwa. Diese Menschen sind häufig auf orthopädische Spezialschuhe angewiesen.

Auch solche Kunden profitieren von der Sneaker-Mode, indirekt. Weil die Schuhhersteller zunehmend „modische und orthopädische Aspekte zusammenbringen“, so Schulz: „Mit schönen Mustern und Farben. Klobig war gestern.“ Damit reagieren die Hersteller im In- und Ausland auch auf den demografischen Wandel.

Hersteller setzen auf den 3-D-Druck

Im Idealfall lässt man wie beim Orthopäden seine Schuhe maßschneidern. Das ist aber noch sehr aufwendig. Pro Paar Schuhe sind 100 Fertigungsschritte erforderlich. In Zukunft allerdings könnte das viel schneller – und kostengünstiger – gehen. Möglich macht das der Einsatz von 3-D-Druckern.

Adidas hat bereits letztes Jahr das erste Paar Schuhe aus dem Drucker präsentiert. Und will diese Technik in Zukunft in großem Stil für Sportschuhe und Alltags-Sneakers einsetzen. Bislang vergingen beim Treter 18 Monate zwischen Entwurf und Markteinführung, künftig soll die Spanne auf wenige Stunden zusammenschmelzen.

Auch die Konkurrenz drückt aufs Tempo. Und der Wettlauf um den schnellsten Schuh könnte sich nach Einschätzung von Justus Bobke, dem Vorsitzenden des Berliner Verbands „3DDruck“, für die beteiligten Unternehmen auszahlen. Sie testeten aus, inwieweit sich der Trend zum Individualismus in Kleinserien umsetzen lässt: „Am Ende könnte es einen Markt für den maßgeschneiderten Schuh geben, der Sport und Orthopädie miteinander verbindet.“


Fußläufige Fakten

Auch Büroleute mögen’s bequem: Sie greifen meist zu dezenten Modellen. Foto: Getty
Auch Büroleute mögen’s bequem: Sie greifen meist zu dezenten Modellen. Foto: Getty
  • Die deutsche Schuh-Industrie setzte letztes Jahr 2,8 Milliarden Euro um, davon 2,2 Milliarden Euro im Inland (HDSL).
  • Die 29 Produzenten (ab 50 Beschäftigte) haben 13.840 Mitarbeiter (HDSL).
  • Die Deutschen kauften 2016 Schuhe im Gesamtwert von 11,7 Milliarden Euro (BDSE).
  • Hierzulande wurden letztes Jahr 47 Millionen Sportschuhe und Sneakers gekauft (DSI).
  • Jede Frau legt sich pro Jahr im Schnitt sechs bis acht Paar zu, Männer zwei bis drei Paar (DSI).
  • Deutsche Frauen besitzen im Schnitt 17 Paar Schuhe, Männer 8 Paar (YouGov).

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