Medizintechnik

Sonderausstellung „Herzblut“ in Mannheim: Vom Aderlass zum Computertomografen

Bei Zuckerkranken ist durch die Stoffwechselstörung der Blutzuckerspiegel erhöht, Diabetiker müssen deshalb ihre Werte regelmäßig prüfen. Schnell und einfach geht das mit Blutzuckermessgeräten, etwa von Roche Diagnostics in Mannheim: Teststreifen einlegen, einen Bluttropfen auftragen, Ergebnis ablesen. Aus Mannheim kommen auch vollautomatische Blut-Analysegeräte für Labors. Zur Regulierung des Blutzuckerspiegels dient übrigens das Hormon Insulin. Je nach Form der Erkrankung muss sich der Patient das Hormon mehrmals täglich unter die Haut spritzen. Oder er kann eine sogenannte Insulinpumpe tragen: Dieses Gerät ist kaum größer als ein Handy und gibt über ein Infusionsset ständig eine genau definierte Menge Insulin in das Unterhautfettgewebe ab.

Chipgesteuerte Handprothesen und Pflegeroboter in Robbenform

Mannheim. Du-dumm, du-dumm, du-dumm: Das dumpfe Pochen eines regelmäßigen Herzschlags erfüllt den dunklen Raum der Sonderausstellung „Herzblut“ im Mannheimer Technoseum (bis 7. Juni 2015). Man kann das Organ nicht nur hören, sondern auch sehen – mittels einer dreidimensionalen Rekonstruktion aus Plastik.

Fällt das Organ aus, übernimmt ein Kunststoffherz die Funktion, sichtbar als Pumpe in einem durchsichtigen Kunststofftorso. „Der Blick in den Körper, Eingriffe, Implantate: Wir zeigen, wie sich die Medizintechnik vom Mittelalter bis heute entwickelt hat“, erklärt Kurator Alexander Sigelen.

Im 19. Jahrhundert revolutionierten naturwissenschaftliche Erkenntnisse die Behandlungsmethoden: Forscher entdeckten die Röntgenstrahlung, identifizierten Bakterien als Ursache für Infektionen und erhielten durch Mikroskope ganz neue Einblicke. Das veränderte die medizinische Ausrüstung: „Während alte Amputationssägen noch kunstvoll gearbeitete Holzgriffe haben, bestehen spätere Modelle komplett aus Metall und lassen sich sterilisieren“, erklärt Sigelen.

Die ersten Röntgenaufnahmen waren unscharf und schummrig, heute erlaubt die Computertomografie einen präzisen Querschnitt des kompletten Körpers. Und was kommt demnächst? Der Kurator wagt einen Blick in Zukunft. Bald schon soll es etwa chipgesteuerte Handprothesen geben oder ein Knochenersatz-Material aus Calciumverbindungen.

Zum Greifen nahe ist auch der Therapieroboter Paro, der einen beruhigenden Einfluss auf Demenzkranke haben soll: Streichelt man das weiche Fell, reagiert die Robbe mit Bewegungen. Möglich machen dies unzählige Sensoren im Inneren des Kuscheltiers.

In Mannheim warten 700 medizinische Gerätschaften auf die Besucher. Wie eine furchteinflößende Zahnarzt-Zange aus der Zeit um 1780, eine komplette Hausarztpraxis aus den 60er-Jahren, hochmodernes Einweg-Operationsbesteck aus mattschwarzem Kunststoff oder ein Hightech-Dialyse-Apparat.

Spannend: Im „Anatomischen Theater“ leuchten auf Knopfdruck die Organe einer gläsernen Frau. Die Netzhaut an einem Modell untersuchen die Besucher selbst – wie ein Augenarzt. Chirurgisches Feingefühl beweist man beim Auffädeln von Perlen mit Operationsbesteck. Siegelen: „Wir wollen im wahrsten Sinne des Wortes begreifbar machen, was Medizintechnik heute leistet!“

Weiter Infos: technoseum.de


Übrigens

Foto: dpa
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Das Herz der Branche

Einer der größten deutschen Standorte der Medizintechnik ist Baden-Württemberg: Hier erwirtschaften 31 000 Mitarbeiter in 2 500 Unternehmen pro Jahr gut 4,2 Milliarden Euro Umsatz – und damit rund 23 Prozent des Branchenumsatzes in Deutschland. Besonders wichtig ist das Auslandsgeschäft: Die Exportquoten liegen bei über 60 Prozent. Die Medizintechnik trägt erheblich zur Verbesserung der Lebensqualität bei, das Spektrum reicht von Einmalprodukten wie Verbandsmaterialien bis zu mobilen Herz-Lungen-Maschinen. Bundesweit gibt es 11 000 Medizintechnik-Unternehmen.

Foto: Freudenberg
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Wunden besser heilen

Verletzungen oder Operationen können Wunden hinterlassen, die nur schwer heilen. Dann helfen Spezial-Vliese von Freudenberg in Weinheim. In die feinen Gespinste sind Medikamente, Enzyme oder Wachstumshormone eingearbeitet. Diese werden nach und nach in den Körper abgegeben. Das Vlies selbst besteht aus Rohstoffen, die der Körper abbaut: „Es ist keine zweite Operation vonnöten, um das Produkt zu entfernen“, erklärt Projektleiter Denis Reibel. Wir kennen Vliesstoffe eher in Bekleidung, Luftfiltern, Reinigungstüchern oder Autohimmeln. Doch das Material kann viel mehr. Sein großer Vorteil: Im trockenen wie im nassen Zustand ist es flexibel, reißfest und stabil, behält seine Struktur und klumpt nicht.

Foto: Gambro
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Organe ersetzen

Wenn die Niere nicht mehr richtig arbeitet, können Dialyseapparate die Funktion übernehmen: Sie filtern Schad- und Giftstoffe sowie überschüssiges Wasser und Salze aus dem Blut. Für die Blutwäsche, auf die allein in Deutschland 57 000 Patienten angewiesen sind, benötigt man spezielle Filter (Dialysatoren). Die entwickeln und produzieren 1 400 Mitarbeiter bei Gambro in Hechingen. In den Filtern stecken bis zu 15 000 feine, poröse Kunststoffröhrchen. Zur Reinigung fließt das Blut durch diese Membran, wobei die Röhrchen eine Elektrolytlösung (Dialysat) umspült. Die Schadstoffe wandern entsprechend dem Konzentrationsgefälle durch die halbdurchlässige Membran aus dem Blut in das Dialysat. Das gereinigte Blut wird dem Körper über ein Schlauchsystem umgehend wieder zugeführt.

Foto: dpa
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Sofort-Diagnosen

Bei Zuckerkranken ist durch die Stoffwechselstörung der Blutzuckerspiegel erhöht, ­Diabetiker müssen deshalb ihre Werte regelmäßig prüfen. Schnell und einfach geht das mit Blutzuckermessgeräten, etwa von Roche ­Diagnostics in Mannheim: Teststreifen einlegen, einen Bluttropfen auftragen, Ergebnis ablesen. Aus Mannheim kommen auch vollautomatische Blut-Analysegeräte für Labors. Zur Regulierung des Blutzuckerspiegels dient übrigens das Hormon Insulin. Je nach Form der Erkrankung muss sich der Patient das Hormon mehrmals täglich unter die Haut spritzen. Oder er kann eine sogenannte Insulinpumpe tragen: Dieses Gerät ist kaum ­größer als ein Handy und gibt über ein Infusionsset ständig eine genau definierte Menge Insulin in das Unterhautfett­gewebe ab. 

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