Bau-Visionen

So wohnen wir 2050


Berlin/Madrid. Wer soll das bezahlen? Schon ab übernächstem Jahr sollen die Energiestandards für neue Wohn- und Gewerbebauten schrittweise verschärft werden.

Die Regierung bastelt in diesen Wochen an einer Novelle des Energieeinspeisungsgesetzes – mit dem „Niedrigst-Energiehaus“ als künftigem Standard. So soll das im offiziellen Energiekonzept propagierte Ziel erreicht werden, bis 2050 den „Primärenergieverbrauch“ im gesamten Gebäudebestand um 80 Prozent zu verringern.

Kühlschrank trocknet Handtücher

Was finanziell möglich ist, darüber wird noch kräftig gestritten; der Gesetzentwurf beziffert die Zusatzkosten etwa für 2016 mit 2,5 Milliarden Euro. Was technisch drin ist, konnte man unlängst bei einem Wettbewerb in Madrid bestaunen: 18 Studenten-Teams – angehende Architekten, Ingenieure, Informatiker und Kaufleute – waren aus der ganzen Welt angereist, um zu zeigen, wie öko Wohnen sein kann.

Und sehr konkret. Sie zogen Lehmwände hoch, legten Solarpanele an, pflanzten Beete und bauten IT-Technik ein – um sich danach zu messen: Wer hat das perfekte Haus, das ausschließlich mit Sonnen-Energie auskommt?

Wie wichtig das Thema ist, zeigt sich an den vielen Sponsoren. Darunter Firmen wie der französische Steuerungs- und Automatisierungstechnik-Spezialist Schneider Electric und der Dortmunder Pumpenproduzent Wilo.

Den ersten Preis erhielt ein mit Solarpanelen bedeckter zehnstöckiger Wohnturm, ausgetüftelt von dem Studenten Benjamin Le Naour und seinen Kommilitonen aus Grenoble: für die Jury wegweisend dafür, wie man künftig in Großstädten leben könnte.

Die Innenwände sind aus Lehm, unten finden sich Ladestationen für Elektro-Autos, auf dem Dach ein clever konstruierter Wintergarten und in den Fluren Kräuter- und Gemüsebeete. Das Gebäude (in Madrid hat man nur die beiden obersten Etagen aufgebaut) ist bis ins Detail durchdacht. So trocknet die Abwärme des Kühlschranks die Handtücher. Und im ganzen Haus überwachen Sensoren die Temperatur von 24 Grad, die die Veranstalter des Wettbewerbs vorgegeben hatten.

Schwankungen sind schlecht für die Öko-Bilanz: „Allein mit Energie-Management lässt sich der Verbrauch um ein Drittel senken“, erklärt Thomas Hammermeister, Marketing-Manager von Schneider Electric Deutschland.

Elektro-Motorrad als Stromspeicher

Zukunftsweisend erscheint auch das Elektro-Motorrad der Stuttgarter Marke Elmoto – im Bungalow von Florian Eggert, Student an der Hochschule Konstanz. „Es lässt sich aufladen und kann überschüssige Energie ans Haus abgeben“, erzählt er. „An der Rückspeisung arbeiten wir noch.“ In der spanischen Sonne ist sein Haus sogar überversorgt: Die Solarpanele auf dem Dach liefern so viel Strom, dass das Hochschulteam die an den Fassaden gar nicht eingeschaltet hat.

Allein dieses Projekt wird von 60 Sponsoren unterstützt. Wilo etwa hat vier Pumpen für die Klimaanlage gespendet. „Mit ihnen lassen sich an dieser Stelle 80 Prozent des Stroms einsparen“, sagt Wilo-Mitarbeiterin Anne Frentrup.

Was alles möglich ist, zeigt auch das Hightech-Haus, das der angehende Ingenieur Hendrik Leiwe von der Technischen Hochschule Aachen präsentiert. Alle Lampen und Geräte werden über eine App gesteuert. Und die Klimaanlage in seinem Haus arbeitet mit Sole: Das mit Regenwasser verflüssigte Salz dient je nach Bedarf der Bewohner entweder zum Befeuchten und Kühlen der Räume oder zum Trocknen und Wärmen. Die Energie kommt von der Sonne.

Die Studenten haben die Anlage zusammen mit der Firma Menerga in Mülheim an der Ruhr entwickelt. „Die Technik wird in Schwimmbädern genutzt“, so Leiwe. „Sie wurde für uns verkleinert und angepasst.“

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Info: Das Energie-Ziel der Regierung

Bis zum Jahr 2050 sollen Heizungen, Warmwasserbereiter und Pumpen in Gebäuden 80 Prozent weniger Energie verbrauchen als noch im Jahr 2008. Dieses Ziel ist mit dem „Niedrigst-Energiehaus“, das ab 2021 zum Standard für Neubauten wird, allein nicht zu schaffen. Auch beim Bestand muss nachgebessert werden. Deshalb hat der Bund die Mittel für die KfW-Programme zum energieeffizienten Bauen und Sanieren 2012 bis 2014 auf jeweils 1,5 Milliarden Euro erhöht.

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