Ein Milliarden-Markt: Urlaub unter freiem Himmel

So viel Luxus hat Camping-Urlaub von heute zu bieten


Münstertal. Ein 16-Stunden-Tag und seit 40 Jahren keinen Urlaub: Für seine Geschäftsidee hat Wilfried Ortlieb das geopfert, was für seine Kunden das Allerheiligste ist: die Freizeit. Tausende Gäste pro Jahr verbringen ihre Ferien bei ihm – auf dem 5-Sterne-Campingplatz in Münstertal im Schwarzwald.

„Wegfahren können wir uns einfach nicht erlauben“, sagt der 60-Jährige. Er hat sich einen Traum erfüllt und in all den Jahren peu à peu aus dem kleinen Campingplatz seiner Eltern ein Areal der Luxusklasse geschaffen.

Jetzt ist Ortlieb Chef eines mittelständischen Betriebs. 300 Stellplätze auf 80.000 Quadratmetern, 38 festangestellte Mitarbeiter, darunter Platzwarte, Köche, Physiotherapeuten, Kosmetikerinnen, Bürofachkräfte und eine Konditorin wuppen das Familienunternehmen. 365 Tage im Jahr.

Luxus statt Sparversion: Wie in Münstertal „wird der Urlaub unter freiem Himmel in ganz Deutschland immer beliebter“, sagt Dirk Dunkelberg, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des Deutschen Tourismusverbands – „und die Qualität der Campingplätze hat sich in den vergangenen Jahren enorm verbessert.“

Während früher meist eine Wiese und ein einfacher Waschraum ausreichten, bieten Anlagen heute Ferienhäuser, Kinderbetreuung und Yogakurse an. Längst hat sich in der Szene ein Fachbegriff für das Glamour-Camping etabliert: „Glamping“.

26.000.000 Nächte campierten die Deutschen 2012

Im vergangenen Jahr hat die Branche Rekordzahlen verbucht. 7,5 Millionen Gäste bugsierten laut Statistischem Bundesamt ihre Wohnwagen in die Parzellen oder trieben ihre Zeltheringe in die Erde. Insgesamt verbrachten sie dort 26 Millionen Nächte. „Camping und Caravaning sind sehr wichtige Segmente für den deutschen Tourismus und für die touristische Wertschöpfung“, so Dunkelberg.

Allein für die Platzmiete geben die Deutschen jährlich 3,3 Milliarden Euro aus. Hinzu kommen rund 8,2 Milliarden Euro für Fahrtkosten und Ausrüstung.

In riesigen Fachmärkten kaufen sie Solarzellen für das Fahrzeugdach, statten ihre Anhänger mit Induktionskochfeldern und Dunstabzugshauben aus. Eingeparkt wird das mobile Heim mittels Fernbedienung.

Und man kann sogar ganz ohne Equipment kommen. „Die Nachfrage nach festen Wohneinheiten wie Mobile Homes steigt“, so Branchenkenner Dunkelberg. „Es gibt immer mehr Einsteiger, die sich auf diese Weise mit dem Urlaub auf dem Campingplatz vertraut machen.“ Nicht mal Verpflegung muss man einpacken. Schließlich gibt es den Supermarkt.

In Münstertal zum Beispiel steht dort täglich eine hausgemachte Schwarzwälder Kirschtorte in der Auslage. Und das auch im Winter. Denn auch in kalten Monaten bleibt den Ortliebs keine Zeit für eigene Ferien. „Da haben wir auch immer viele Leute hier“, so Wilfried Ortlieb. Seine Familie zieht mit, auch über Weihnachten und Neujahr. „Ohne sie geht gar nichts.“

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