Abrocken im Freien

So spielen Open-Air-Festivals jährlich Hunderte Millionen Euro ein

Adenau/Hamburg. In der Eifel bebt die Luft: Über 80.000 Besucher verbringen dieses Wochenende bei „Rock am Ring“, Deutschlands größtem Musik-Open-Air. Rund 100 Bands spielen am Nürburgring im rheinland-pfälzischen Adenau – darunter Metallica, Linkin Park und Iron Maiden.

Die Deutschen lieben Festivals: Kein anderes Land stemmt pro Kopf so viele mehrtägige Großveranstaltungen unter freiem Himmel. Mehr als 220 Events im Jahr zählt der Bundesverband der Veranstaltungswirtschaft in Hamburg. „Die Zahl wird wohl weiter steigen“, sagt Präsident Professor Jens Michow.

Bis zur Hälfte des Umsatzes geht für die Gagen drauf

Der Umsatz von Musikveranstaltungen aller Art betrug 2012 gut 2,3 Milliarden Euro. Musikfestivals erwirtschafteten davon 324 Millionen Euro. „Es gibt Auf- und Abwärtsbewegungen. Insgesamt aber hält sich der Markt erstaunlich stabil“, sagt Michow und verrät vor Veröffentlichung der neuen Studie: „Die Zahlen sind 2013 gestiegen.“

Der Erfolg eines Festivals ist nicht selbstverständlich. Bei Dauerregen droht besonders kleineren Veranstaltern ein Fiasko. Sie schießen große Summen vor. Sven Varsek, Projektleiter von „Das Fest“ in Karlsruhe, rechnet beispielsweise mit einem Budget von 1,8 Millionen Euro. Neben Sponsoren sichert vor allem der Verkauf von Speisen und Getränken die Finanzierung. „Dieser Umsatz kann wetterbedingt deutlich schlechter ausfallen“, sagt Varsek.

Zudem zieht der Wettbewerb um Top-Bands an. „Gagen und Produktionskosten belaufen sich auf 30 bis zu 50 Prozent vom Umsatz“, weiß Thomas Jensen, Chef von ICS Festival Service. Er gründete mit einem Kumpel 1990 das legendäre Heavy-Metal-Festival „Wacken Open Air“ in Schleswig-Holstein. 1990 kamen 800 Besucher, 1993 machte es noch 350.000 Mark Miese.

Doch Jensen hat es geschafft. Die 75.000 Tickets für 2014 waren binnen 44 Stunden weg. Das Geheimnis? Sich einzigartig machen. „Bei uns zählt das Gesamterlebnis“, sagt er. „Ein Festival nur der Gewinnmaximierung wegen zu veranstalten, wäre falsch. Es geht um Kultur!“ Newcomer- und Nischenbands sind ihm wichtig. „Nach Wacken fährt man nicht wegen der großen Namen, sondern weil die Szene ruft.“

Dafür rollen Ende Juli 100 Sattelzüge und 1.500 Lkws mit Material und Technik an. Rund 1.000 Toiletten und 450 Duschen werden installiert. 5.000 Mitarbeiter packen an. Ein Aufwand, der sich lohnt: Schon mit dem Eintritt und Verkauf von Merchandising-Artikeln macht der Veranstalter über 12 Millionen Euro Umsatz.


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