Ist „Facebook Home“ wirklich so schlimm?

So spähen Handy-Apps unseren Standort aus


Menlo Park. Der letzte Scheinwerfer war noch nicht kalt, da tobte draußen schon der Shitstorm. Kaum hatte Facebook-Chef Mark Zuckerberg Anfang April im kalifornischen Hauptquartier seines Unternehmens die neue Smartphone-App „Facebook Home“ vorgestellt, verfielen Datenschützer in aller Welt bereits in kollektive Schnapp-Atmung.

„Die App zerstört jede Vorstellung von Privatsphäre“, schäumte stellvertretend der prominente US-Tech-Blogger Om Malik. Und selbst im eher beschaulichen Bielefeld sah man sich zu einer entrüsteten Reaktion gezwungen: „Damit verschafft sich Facebook die Position der Spinne im Netz“, so Rena Tangens vom „Verein Digitalcourage“.

Oh weia – was war denn bloß passiert? Die Antwort in Kurzform: Die vorerst nur für eine Handvoll Android-Smartphones verfügbare „Facebook Home“-App quetscht sich nach dem Download als alternative Bedienoberfläche über den üblichen Startbildschirm. Alle anderen Apps rücken dafür in den Hintergrund. Startet der User sein Handy, sieht er zuerst: Facebook.

Und da wäre noch eine Kleinigkeit: Kritische Geister wie Blogger Malik halten es zumindest für möglich, dass die neue App noch mehr durchs digitale Schlüsselloch spinkst als jemals zuvor: „Es ist sehr wahrscheinlich, dass Facebook jetzt in der Lage sein wird, jeden Schritt und jede kleinste Aktion zu verfolgen.“

So sei es beispielsweise denkbar, dass der in allen Smartphones verbaute GPS-Sensor die Facebook-Server permanent mit den Aufenthaltsorten der Nutzer füttere.

Facebook selbst dementierte das zwar eilig. Doch Brancheninsider vermuten längst, dass „Facebook Home“ vor allem das Geschäft mit mobiler Werbung ankurbeln soll. Die Vision: Schlendert ein Facebook-Mitglied an einem Geschäft vorbei, serviert ihm die App passgenau die neueste Shop-Werbung auf dem Startbildschirm.

Und? So schlimm? Tobias Arns, App-Experte beim Hightech-Verband Bitkom in Berlin, mag nicht so recht einstimmen in das Geheul der Mahner. Er sagt: „GPS-basierte Apps, die dem Nutzer an seinem aktuellen Standort einen Mehrwert bieten wollen, zählen längst zum Smartphone-Alltag.“

Wer in einer fremden Stadt etwas sucht, dem helfen standortbasierte Apps weiter

Wer beispielsweise in einer fremden Stadt auf der Suche nach einem netten Restaurant, dem Kinoprogramm oder Menschen mit ähnlichen Interessen sei, dem könnten solche Apps schnell weiterhelfen. Arns: „Und wenn man nicht mehr geortet werden will, geht man in die Einstellungen seines Smartphones. Und schaltet die Ortungsfunktion einfach aus.“

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