Keine Angst vor Geldeintreibern

So schützen Sie sich gegen Inkasso-Abzocke

Foto: Fotolia

Mobilfunk-Gebühren, Klamotten aus dem Online-Shop, Handwerker-Rechnung und Zahnersatz nicht bezahlt? Eine ganze Branche lebt davon, von säumigen Kunden Geld für nicht beglichene Waren oder Dienste einzutreiben. Inkasso-Firmen verschicken hierzulande knapp 20 Millionen Mahnungen jedes Jahr und sammeln im Auftrag der Gläubiger rund 5 Milliarden Euro ein. Im Schnitt geht es um 646 Euro. Gut die Hälfte der Forderungen ist höher als 900 Euro, ein Viertel übersteigt 10.000 Euro, ermittelte der Bundesverband Deutscher Inkasso-Unternehmen (BDIU).

Nicht alle betreffen überschuldete Menschen, von denen es laut amtlicher Statistik rund sieben Millionen in Deutschland gibt. Manche Kunden haben das Bezahlen der Rechnung auch einfach vergessen. Das kann allerdings schnell teuer werden.

Erste Mahnung ist kostenlos

Ein, zwei Mahnungen verschickt der Gläubiger meist selbst. Die erste ist in der Regel kostenlos. Zahlt der Kunde dann immer noch nicht, wandert die Forderung oft weiter an ein Inkasso-Büro. „Korrekterweise sollte der Gläubiger aber vorher darauf hinweisen“, so Marco Weber, Sprecher des BDIU.

80 Prozent der Fälle werden durch Inkasso geklärt. Das muss nicht heißen, dass der Schuldner alles und sofort bezahlt. Auch Ratenzahlung oder Stundung ist eine Option. „Ziel ist, gemeinsam und außerhalb des Gerichts eine Regelung zu finden“, so Weber.

Rechtlich gesehen darf das Inkasso-Büro in Aktion treten, sobald ein Kunde mit seiner Zahlung in Verzug geraten ist. Voraussetzung ist mindestens eine Mahnung, oder im Vertrag steht ein besonderes Fälligkeitsdatum. Wurde nichts anderes vereinbart, tritt der Verzug automatisch 30 Tage nach Fälligkeit und Zugang der Rechnung ein.

Register verrät schwarze Schafe

Das Inkasso-Verfahren folgt in mehreren Schritten. Schriftlich wird der Schuldner zunächst um Zahlung gebeten. In einem Brief wird er über Höhe und Art der Forderung, die Verzugszinsen und angefallene Gebühren informiert. Reagiert er spät oder gar nicht, folgt bald das zweite Schreiben. Nutzt wiederholter Schriftverkehr nichts, greifen die Mitarbeiter der rund 600 Inkasso-Unternehmen in Deutschland zum Telefon. „Ein Besuch vom Außendienst ist jedoch die Ausnahme“, so der Verband. „Echtes Inkasso ist seriös“, betont Weber. „Es läuft zunächst immer schriftlich ab.“

Inkasso ist eine gesetzlich geregelte Dienstleistung. Weber: „Das darf nicht jeder machen.“ Inhaber von Inkasso-Büros müssen zum Beispiel juristisches Fachwissen vorweisen, strafrechtlich unbescholten sein und in wirtschaftlich geregelten Verhältnissen leben. Nur dann erhalten sie die behördliche Registrierung für ihr Geschäft.

Druck und Drohungen, Nötigung oder gar Selbstjustiz sind verboten. Mitarbeiter von Inkasso-Büros muss man, im Gegensatz zum Gerichtsvollzieher, auch nicht in die Wohnung lassen. Schwarze Schafe gibt es trotzdem immer wieder – breitschultrige Typen, die unangemeldet vor der Tür stehen und den Schuldner „höflich, aber konsequent“ zur Kasse bitten oder sich bei den Nachbarn über ihn „erkundigen“. Ihnen fehlt allerdings der entscheidende Eintrag im Rechtsdienstleistungsregister. Dort kann man schnell feststellen, ob es sich um ein registriertes Unternehmen handelt. Gegen rechtswidrige Praktiken können sich Bedrängte wehren: mit einer Beschwerde am Amts- oder Landgericht oder in krassen Fällen mit einer Anzeige bei der Polizei. Der BDIU hat ebenfalls eine Beschwerdestelle eingerichtet.

„Nicht aus Scham blind bezahlen“

Auch Verbraucherschützer und Schuldnerberatung helfen. Die Bundesarbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung in Kassel warnt davor, „aus Scham blind zu bezahlen“. Zuerst sollte man die Forderung genau prüfen, um eine detaillierte Aufstellung aller Kostenpunkte bitten und sich im Zweifelsfall die vom Gläubiger unterschriebene Abtretungserklärung an das Inkasso-Unternehmen oder dessen Vollmacht für den Geldempfang vorlegen lassen.

Ist die Forderung nicht rechtmäßig, sollte man den Inkasso-Dienstleister schriftlich darauf hinweisen und die Gründe nennen. „Dann muss dieser dem Einwand nachgehen und die Sache gegebenenfalls an den Auftraggeber zurückgeben“, so der BDIU.

Schuldenberatung hilft

„Ein vorformuliertes Schuldanerkenntnis oder eine Vereinbarung zur Ratenzahlung sollte man grundsätzlich nie ohne gründliche Prüfung unterschreiben“, so die Fachleute der Schuldnerberatung. Betroffene können sich an eine offizielle Schuldnerberatungsstelle wenden – sie ist im Gegensatz zu privaten Angeboten zur Schuldenbereinigung nicht kostenpflichtig –, an Verbraucherzentralen (Adressen unter meine-schulden.de) oder einen Anwalt. Unter meine-schuldnerberatung.de bietet die Bundesarbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung online und mit Passwort geschützt Schuldenberatung an. Mit Musterbriefen, Tipps und Links zum Umgang mit Geld.

Nicht verdrängen, sondern handeln, raten Verbraucherschützer: Schuldet man dem Gläubiger wirklich Geld, hilft Ignorieren nichts. Im Gegenteil, es macht die Sache nur noch schlimmer. Denn der Schuldner muss alle Kosten tragen, die durch das Inkasso-Verfahren verursacht wurden. Weber: „Je länger man wartet und je mehr Schritte der Gläubiger gehen muss, desto teurer wird es.“

Doch es gibt Grenzen. Inkasso-Firmen müssen sich an den Sätzen des Vergütungsgesetzes für Rechtsanwälte orientieren. Das heißt, sie dürfen nicht mehr verlangen, als ein Anwalt für dieselbe Sache ansetzen würde. Das steht seit vergangenem Jahr sogar explizit im Gesetz.

Betrügerische Inkasso-Mails

Achtung: Per E-Mail werden in letzter Zeit immer häufiger betrügerische Inkasso-Schreiben verschickt. Davor warnt die Rechtsschutzversicherung D.A.S. „Meist heißt es, der Empfänger habe Waren bestellt und nicht bezahlt“, so Anne Kronzucker, Juristin der Versicherung. Die Mails sollen Verbraucher einschüchtern, denn im Stress des Alltags kann jeder mal eine Rechnung vergessen, so die Juristin. Deshalb bezahlten viele einfach. Häufig verwenden die Kriminellen Namen bekannter Warenhäuser und drängen ihre Opfer, einen Anhang mit angeblichen Details zu dem Vorgang zu öffnen. Darin lauert dann ein Computervirus.

„Was auf den ersten Blick stutzig macht, gehört direkt in den Papierkorb“, so Kronzuckers Rat. Es empfehle sich auch nicht, der Forderung zu widersprechen. „Denn wenn die Absender eine Antwort erhalten, wissen sie, dass die E-Mail-Adresse in Gebrauch ist.“ Auch weitere Mails mit noch schärferen Drohungen könne man getrost ignorieren: „Nach einigen Versuchen geben die Ganoven meist auf – schließlich haben sie gegen ihre Opfer nichts in der Hand.“

Mehr zum Thema:

Mahnen statt klagen: Was Schuldner und Gläubiger über gerichtliche Mahnverfahren wissen sollten

Ein Verbraucherschützer empfiehlt: 7 Tipps gegen Schuldenfallen


Artikelfunktionen


Diese Beiträge könnten Sie auch interessieren:

'' Zum Anfang