25.000 Tonnen Pfeffer werden im Jahr hierzulande verbraucht

So scharf sind die Deutschen auf Gewürze

Gewürzstand in Goa: Vieles davon gibt’s auch in deutschen Supermärkten. Foto: Mauritius

Bonn/Berlin. Urlaubserinnerungen, die auf der Zunge zergehen! „Man kann schmecken, dass die Deutschen Reiseweltmeister sind“, sagt Dirk Rademacher vom Fachverband der Gewürzindustrie in Bonn: „Sie werden experimentierfreudiger und setzen auf Fernöstliches wie Zitronengras, Kardamom oder Sternanis.“

Der Markt für Gewürze wächst rasant. Um 44 Prozent ist die in Deutschland verbrauchte Menge seit der Jahrtausendwende gestiegen. 95.000 Tonnen im Gesamtwert von 383 Millionen Euro wurden zuletzt jährlich importiert.

„Allein an den Importzahlen“, so Rademacher, „lassen sich allerdings keine Trends absehen.“ Denn die Unternehmen decken sich oft mit Gewürzen ein, die aktuell auf dem Weltmarkt günstig zu haben sind. „Das heißt nicht unbedingt, dass ein Gewürz gerade besonders gefragt ist.“

Erstaunlich ist dennoch, dass sich Ingwer in der Statistik mit rund 12.500 Tonnen im Jahr inzwischen vor den Klassiker Paprika (9.000 Tonnen) geschoben hat. Unangefochten an der Spitze jedoch bleibt Pfeffer.

Allerdings verteilen sich die insgesamt 25.000 Tonnen auf immer mehr Sorten, wie Patrick Hahnel berichtet: „Die Deutschen wollen besondere Schärfe. Sie setzen zunehmend auf veredelten oder seltenen Pfeffer“, sagt der Geschäftsführer von Spice for Life in Berlin.

Spezialitäten wie Whisky-Pfeffer sind rar und mit 8,50 Euro für 50 Gramm entsprechend teuer – oder Tasmanischer Bergpfeffer mit 12,90 Euro für 40 Gramm.

Auch wenn die Nachfrage nach solchen Luxusgewürzen steigt, machen sie noch eher eine Nische im Markt aus – im Gegensatz zu den Gewürzmischungen. Im Trend liegen Curry, indisches Tandoori, Garam Masala, das aus 25 Zutaten bestehende marokkanische Ras el Hanout oder Fünf-Gewürze-Pulver aus China.

„Was die Qualität angeht“, so Verbandschef Rademacher, „gibt es kaum Unterschiede zwischen den Herstellern.“ Sie alle arbeiten nach den europaweiten Standards der European Spice Association.

Zu haben ist der exotische Geschmack längst auch in Supermärkten. Dennoch machen Haushaltsgewürze für die Branche nur 30 Prozent des deutschen Markts aus. Der weitaus größere Anteil geht zur Verarbeitung an die Lebensmittel-Industrie – etwa zur Herstellung von Fertiggerichten, an Bäcker und Metzgereien. Denn auch dort wächst der Bedarf an würziger Abwechslung.


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