Unter freiem Himmel

So klingt der Sommer: Konzerte für Klassikfans in Bayern

Ingolstadt/Ansbach/Kreuth/Oberstdorf. Der rohe Boden von Halle N 58 ist unter Parkett versteckt, Wände und Decke sind verhängt, Bühnen-Scheinwerfer zaubern Atmosphäre. Wo sonst Karosserieteile montiert werden, spielt das Londoner Sinfonieorchester.

Das Festival in Ingolstadt feierte kürzlich sein 25-jähriges Bestehen. Dahinter steht der Autohersteller Audi, der gleich zu 20 Konzerten Tausende Besucher empfing.

Wer das verpasst hat, hat noch Alternativen. Rund 30 Klassikfestivals gibt es jährlich in Bayern, bundesweit sogar mehr als 300. Die Sommerfestivals haben Event-Charakter, wuchern mit touristischen Vorzügen, einmaliger Umgebung oder fröhlicher Experimentierfreude. Veranstalter sind oft Stiftungen oder Vereine, unterstützt von Kommunen und privaten Gönnern.

Mit Musik eine Marke schaffen

Der Zug in die Provinz ist nicht neu. Wo strukturschwache Gebiete viele kulturell bedeutsame Orte zur Verfügung haben, verwundert es nicht, wenn sie mit Musik daraus eine Marke schaffen, sagt Björn Woll, Chefredakteur der Musikzeitschrift „Fono Forum“.

Die Bachwoche Ansbach (31. Juli bis 9. August 2015) ist eine Nachkriegsgründung. Münchner Musiker erhofften sich 1947 für das Publikum eine therapeutische Wirkung nach dem Unheil; ein Graf stellte sein Schloss in Pommersfelden zur Verfügung. Ein Jahr später zog das Festival nach Ansbach um; 1966 übernahm die Stadt die Trägerschaft. Heute kann man hier neben Bach auch zeitgenössische Komponisten hören. Passanten dürfen sich über Mitsingkonzerte in den Straßen freuen, Kinder an Workshops.

Feiner und russisch geht es beim Musikfest Kreuth zu (11. bis 22. August). Im Festsaal in Wildbad Kreuth erklingt im August exquisite klassische Musik unter der Schirmherrschaft der Herzogin Helene in Bayern. Der russische Geiger Oleg Kagan hat das Festival 1990 gegründet. Schon todkrank spielte er dort im ersten Jahr zwei Mozart-Konzerte und starb kurz darauf – 43 Jahre jung. Seine Witwe, die Cellistin Natalja Gutmann, führte seinen Auftrag fort. Die Stiftung ihres Ehemanns und ein Verein der Freunde sorgen für die nötigen Mittel.

Meisterkurse für den Nachwuchs

Mittelknappheit hatte den Oberstdorfer Musiksommer vorübergehend zum Erliegen gebracht. Nun gibt es ihn wieder (30. Juli bis 15. August) – allerdings in abgespeckter Form. Meisterkurse für den Nachwuchs stehen im Vordergrund. Dafür spielen die Künstler an teilweise spektakulären Orten – etwa oben auf dem Fellhorn an der Seilbahnstation oder auch mal auf der Sprungschanze.

Apropos Künstler: Nicht jeder wird so fürstlich entlohnt wie der inzwischen verstorbene Dirigent Carlos Kleiber: Er erhielt für seinen Auftritt bei den Audi Sommerkonzerten einen Audi A8.


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