Zehn Experten-Tipps

So kann man Wohnungsbrände verhindern – und bekämpfen

Foto: Fotolia

Über 200.000 Mal brennt es pro Jahr in deutschen Haushalten. Eigenes Fehlverhalten – wie etwa das unbeaufsichtigt angelassene Bügeleisen oder das Einschlafen mit Zigarette – ist aber nicht die häufigste Ursache: „Elektrotechnische Geräte sind in 32 Prozent der Fälle schuld, wenn es brennt“, sagt Dr. Hans-Hermann Drews, Geschäftsführer des Kieler Instituts für Schadenverhütung und Schadenforschung der öffentlichen Versicherer. Im Folgenden lesen Sie zehn Experten-Tipps, wie man das Brandrisiko zu Hause erheblich verringern kann.

Elektrogeräte richtig aufstellen

Elektrische Geräte entwickeln beim Betrieb Wärme – und die muss abziehen können. „Vor der Inbetriebnahme sollte immer die Bedienungsanleitung genau gelesen werden“, sagt Silvia Darmstädter vom Deutschen Feuerwehrverband. „Darin steht, wie viel Abstand eingehalten werden muss und daran sollte man sich auch auf jeden Fall halten.“ Wer sich unsicher ist oder keine Bedienungsanleitung zur Hand hat, sollte nach einiger Betriebszeit prüfen, ob Gegenstände in der Umgebung des Geräts heiß werden. „Wenn das Prüfen mit der Hand unangenehm wird, sollte man den Abstand von Gerät und Möbelstück deutlich vergrößern.“ Besondere Vorsicht ist zum Beispiel bei TV-Geräten geboten, die in Schrankwänden ihren Platz finden sollen. „Prüfen Sie immer vorab in der Bedienungsanleitung, ob das Gerät für einen solchen Standort überhaupt geeignet ist“, rät die Brandschutz-Expertin. Generell gilt: „Alle elektrischen Geräte nur unter Aufsicht betreiben. Und wenn sie nicht in Gebrauch sind, möglichst auch die Standby-Funktion abschalten.“

Regelmäßige Kontrollen

Staub auf Elektrogeräten kann zur echten Gefahr werden. Daher sollten die Geräte regelmäßig gepflegt werden. „Die Entlüftungsschlitze regelmäßig vom Staub befreien und beim Fön regelmäßig das Sieb von Haaren reinigen“, rät Silvia Darmstädter. Hinter Elektrogeräten sollte sich kein Staub sammeln, also beim Aufstellen darauf achten, dass regelmäßig dahinter und drumherum gesaugt oder geputzt werden kann. Kontrollieren Sie alle Haushaltsgeräte auf Funktionstüchtigkeit. Ist etwas kaputt, sollte ausschließlich ein Fachmann zur Reparatur ran. „Defekte Kabel oder Schalter einfach mit einem Klebeband zu flicken, kann verheerende Folgen haben“, warnt die Expertin der Feuerwehr.

Lampen richtig montieren

Lampen und Deckenfluter können sehr heiß werden und so Brände entfachen. Deshalb ist es wichtig, dass sie mit genügend Abstand zu brennbaren Materialien wie Vorhängen oder Bildern installiert oder aufgestellt werden. „Lampen sollten nie so tief hängen, dass sie Hitze an Möbelstücke abgeben“, sagt Silvia Darmstädter. Fluter sollten unbedingt regelmäßig abgewischt werden, damit sich darauf liegender Staub nicht entzündet. „Lampen dürfen zudem niemals mit Tüchern oder Ähnlichem abgedeckt werden.“ Beim Auswechseln von Glühlampen immer auf die richtige Wattzahl achten, bei zu großer Wattzahl wird der Lampenkörper zu heiß.

Mehrfachsteckdosen nicht überlasten

Bei der großen Anzahl an Elektrogeräten im Haushalt brauchen wir viele Steckdosen. Doch zu viele Mehrfachstecker an einer Wanddose bergen ein hohes Brandrisiko. „Mehrfachstecker in Mehrfachstecker zu stecken ist keine gute Idee – vor allem nicht, wenn viele leistungsstarke Geräte gleichzeitig betrieben werden sollen“, sagt Silvia Darmstädter. „Am besten nur eine Mehrfachsteckdose pro Wandsteckdose anschließen und nicht zu viele Geräte daranhängen.“ Wichtig ist auch, dass die Mehrfachstecker von guter Qualität sind: „Achten Sie beim Kauf auf das CE-Zeichen, dann handelt es sich um geprüfte Qualität.“

Kabel schonen

Defekte Kabel fangen leicht an zu schmoren. Daher sollte man mit Kabeln immer sorgsam umgehen. „Führen Sie sie nicht unter Türen oder Teppichen her, quetschen Sie sie nicht ein und vermeiden Sie, an Ihnen zu ziehen. Stecker immer am Stecker aus der Dose entfernen und nicht am Kabel reißen“, rät die Brandexpertin. Geräte mit defekten Kabeln sollten vom Fachmann ausgetauscht oder gleich entsorgt werden.

Dunstabzugshaube reinigen

Die Küche ist laut Institut für Schadenverhütung und Schadenforschung der Brandherd Nummer eins in deutschen Wohnungen – nicht nur, weil viele Leute den Herd unbeaufsichtigt lassen. Auch in der Dunstabzugshaube lauert eine potenzielle Gefahr: Dort sammelt sich Fett, das sich bei zu großer Hitze entzünden kann. „Wer dann versucht, mit Wasser zu löschen, verursacht eine Fettexplosion“, sagt Silvia Darmstädter. Die Filter regelmäßig reinigen oder in die Spülmaschine geben. Bei älteren Modellen muss der Filter regelmäßig ersetzt werden – bitte auch dabei die Gebrauchsanweisung beachten. Brennt es doch mal durch zu heißes Fett, dann niemals Wasser zum Einsatz bringen, sondern lieber versuchen, die Flammen zu ersticken. „Aber nur, wenn man sich selbst dabei nicht in Gefahr bringt“, so die Expertin.

Vorsicht bei Öfen und Heizstrahlern

Bei Kaminen, Öfen und Heizstrahlern wird die in die Umgebung abgestrahlte Hitze oft unterschätzt. „Wird ein Möbelstück in der Nähe solcher Heizquellen deutlich heißer als handwarm, muss der Abstand vergrößert werden“, so Silvia Darmstädter.

Leicht Entflammbares sicher lagern

Leicht entzündliche und flüchtige Produkte wie Reinigungsalkohol, Brennspiritus, Farben und Lacke müssen stets gut verschlossen und weit entfernt von offenen Feuerstellen, Heizquellen und Elektrogeräten aufbewahrt werden. Keller, in denen derartige Dinge lagern, sollten regelmäßig gelüftet werden. „Brandbeschleuniger und Campinggasflaschen dürfen grundsätzlich nicht auf Speichern und in Kellern gelagert werden“, sagt die Expertin.

Rauchmelder installieren

Bei Bränden geht die Gefahr nicht nur von den Flammen aus, sondern auch vom entstehenden Rauch, der in wenigen Minuten bewusstlos machen kann. Gerade im Schlaf nehmen wir Rauch kaum wahr. Deshalb sind Rauchmelder wahre Lebensretter. In Neubauten ist deren Installation bereits Pflicht, für Bestandsbauten gelten für jedes Bundesland unterschiedliche Nachrüstfristen. Warten sollte man aber nicht. „Am besten, man installiert in seiner Wohnung gleich mehrere Rauchmelder“, sagt Silvia Darmstädter. In Einfamilienhäusern sollte mindestens einer pro Etage vorhanden sein, in Mietshäusern mindestens einer pro Wohnung. „Am wichtigsten sind sie auf Fluchtwegen wie Fluren und in den Schlafräumen.“ Die Geräte immer in der Raummitte und waagerecht platzieren.

Beim Kauf der Rauchmelder sollte man darauf achten, dass die Melder die DIN-Norm EN 14604 erfüllen. „Das bedeutet, dass ihr Alarmton mindestens 85 Dezibel beträgt, sie mindestens 30 Tage, bevor die Batterie ausgetauscht werden muss, ein wiederkehrendes Warnsignal von sich geben, über einen Testknopf die Funktionsbereitschaft überprüft werden kann und der Rauch von allen Seiten in die Messkammer eindringen kann“, sagt die Feuerwehr-Expertin. Für Gehörlose sind Rauchmelder mit optischem Alarm erhältlich. Das Gehäuse der Rauchmelder sollte nicht bloß an die Decke geklebt, sondern daran stärker befestigt – zum Beispiel angeschraubt – werden. Sonst kann der Melder bei Temperaturschwankungen wie etwa durch einen Brand abfallen. Weitere Tipps zu Kauf und Installation sowie zu den Nachrüstfristen findet man unter rauchmelder-lebensretter.de.

Feuerlöscher immer griffbereit haben

Feuerlöscher können Leben retten. „Bei größeren Haushalten empfiehlt sich die Anschaffung eines Feuerlöschers“, sagt Silvia Darmstädter. Wichtig sind ein Fettlöscher für die Küche und ein Feuerlöscher mit Schaum für Wohnräume. Die Löscher müssen regelmäßig überprüft werden. Und auch hier gilt es, die Gebrauchsanweisung gründlich zu studieren. „Man sollte die Löscher auch bedienen können. Es gibt mittlerweile gute Produkte in Sprayform, die sehr leicht zu handhaben sind. Diese sind besonders zu empfehlen“, so Darmstädter.


Artikelfunktionen


Diese Beiträge könnten Sie auch interessieren:

'' Zum Anfang