Auch Männer profitieren von der umstrittenen Reform

So funktioniert die Mütterrente

Nachschlag: Für die Betreuung eigener Kinder – hier 1970 in Ost-Berlin – gibt es jetzt mehr Rente. Foto: akg

Berlin. Vor 1992 geborene Kinder sind unserem Land seit Juli 2014 mehr wert: Ihre Mütter erhalten pro Kind ein Extra-Jahr Erziehungszeit für die Rente angerechnet. Das heißt in vielen Fällen: Ran an die Akten, Anträge stellen – und womöglich zum Anwalt gehen. AKTIV erklärt, wer jetzt was tun sollte.

Rentnerinnen

Frauen, die schon eine Rente beziehen, bei der die Erziehungszeiten berücksichtigt sind, müssen nichts tun. Sie bekommen automatisch mehr Rente – rückwirkend zum 1. Juli. Pro Kind und Monat gibt es im Westen pauschal 28,61 Euro dazu, im Osten 26,39 Euro. Allerdings brutto, also vor Sozialbeiträgen und Steuern.

Seniorinnen ohne Rente

Für einen eigenen Rentenanspruch benötigt man fünf Beitragsjahre. Diese Voraussetzung erfüllen jetzt auch Frauen, die nie gearbeitet, aber früher drei Kinder großgezogen haben – und damit nun auf sechs Beitragsjahre kommen. Sie sollten also schleunigst einen Rentenantrag stellen.

Einer altgedienten Hausfrau und zweifachen Mutter wiederum fehlt nun nur noch ein Beitragsjahr. Das kann sie sich aber kaufen – durch Nachzahlung von Beiträgen. Mit einer Überweisung von nur etwas über 1.000 Euro erwirbt unsere Beispielmutter Anspruch auf eine Rente von fast 120 Euro im Monat! „Die Einmalzahlung rentiert sich so bereits im ersten Jahr“, teilt die Deutsche Rentenversicherung Bund dazu mit.

Arbeitnehmerinnen

Mütter, die im Beruf stehen und ihre Kindererziehungszeiten schon geltend gemacht haben, müssen nichts tun. Alle anderen Mitarbeiterinnen mit Kindern sollten sich bei Gelegenheit mal um die „Kontenklärung“ kümmern. Kostenlose Auskunft darüber gibt die Rentenversicherung unter der Rufnummer 0800-10004800.

Fallen die Erziehungszeiten mit Beitragszeiten aus einer Beschäftigung zusammen, übersteigt das rechnerisch oft die Beitragsbemessungsgrenze: Daher bringt die Mütterrente vielen Frauen, die jetzt noch arbeiten, weniger Geld als den Müttern, die heute schon in Rente sind.

Männer

Auch Väter können direkt von der Mütterrente profitieren. Sind sie bis Sommer 2009 von der Mutter ihrer Kinder geschieden worden, lohnt es sich eventuell, den Versorgungsausgleich neu berechnen zu lassen. Das sollte aber in jedem Einzelfall vorab von einem Experten geprüft werden.


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