Gesundheit

So bekämpfen Sie den Kopfschmerz


Die Medizin kann Migräne heute viel besser behandeln – aber nur die wenigsten Kranken wissen das

Für Migräne-Kranke ist der Tag manchmal schon in den frühen Morgenstunden gelaufen. Hämmernde Kopfschmerzen malträtieren eine Kopfhälfte. Übelkeit und Brechreiz kommen hinzu. Solche Attacken machen Aufstehen und Arbeiten unmöglich. Vorhänge zuziehen und im Bett bleiben, lautet die Devise.

Zehn Millionen leiden an Migräne

Kein Einzelfall. Täglich trifft es hierzulande 350.000 Menschen, hat die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft errechnet. Etwa zehn Millionen Bundesbürger leiden unter dem bohrenden Kopfschmerz, meist Frauen.

„Aber viele Kranke haben die Suche nach guter Behandlung längst aufgegeben“, berichtet Gerhard Müller-Schwefe, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Schmerztherapie. „Sie glauben nicht mehr, dass ihnen ein Arzt helfen kann. Dabei gibt es heute gute Therapien. Da ist Aufklärung nötig.“

Daran erinnert einmal im Jahr der Kopfschmerz-Tag am 5. September. „Schmerz wird in Deutschland nicht richtig wahr genommen“, bemängelt Spezialist Müller-Schwefe. Nicht einmal bei Ärzten. Erst von 2016 an ist Schmerzbehandlung ein eigenständiges Prüfungsfach für angehende Ärzte.

Dabei gehören Kopfschmerzen zu den häufigsten Krankheiten. „Mehr als die Hälfte aller Deutschen hat sie hin und wieder“, weiß Dietmar Krause, Vorsitzender der Stiftung Kopfschmerz. Nahezu vier Milliarden Mal im Jahr greifen Bundesbürger nach seinen Angaben zu Aspirin, Thomapyrin, Paracetamol & Co., um dem Pochen, Hämmern oder Bohren im Kopf ein Ende zu bereiten. Nach schlechtem Schlaf oder bei Zahnschmerzen etwa.

Arznei speziell für die akute Attacke

Schmerzmedikamente sind gefragt. Unter den 20 meist verkauften Arzneien Deutschlands finden sich acht Schmerzmittel von Herstellern wie dem Leverkusener Bayer-Konzern, Ratiopharm in Ulm oder Boehringer Ingelheim.
Allein Bayer produziert in seinem Werk Bitterfeld (800 Beschäftigte) jedes Jahr neun Milliarden Tabletten. Mehr als die Hälfte davon ist Aspirin, das der Konzern in mehr als 50 Länder exportiert.

Bei Spannungskopfschmerz und leichter bis mittelschwerer Migräne helfen solche rezeptfreien Arzneien. Wenn die Kopfschmerz-Attacken jedoch intensiv sind und häufig kommen, nutzen sie nichts mehr. „In solchen Fällen verabreicht man heute sogenannte Triptane“, sagt Charly Gaul, ärztlicher Leiter der Kopfschmerzklinik Königstein. „Das sind speziell gegen Migräne entwickelte Medikamente.“ Glaxo­SmithKline in München stellt sie etwa her.

Auch zum Vorbeugen gibt es Medizin. Dazu könne der Kranke selbst einiges beitragen, so Schmerz-Spezialist Müller-Schwefe. „Etwa, indem er Entspannungstechniken wie Yoga oder autogenes Training lernt. Sowie mit einer speziellen Methode, dem sogenannten Bio-Feedback.“ Mit ihrer Hilfe kann der Kranke lernen, den Anfall zu unterbrechen.

Chronische Migräne behandele man heute zudem durch Spritzen von Botulinum-Toxin, sagt Klinikarzt Gaul. Das ist ein Eiweißstoff, den Bakterien produzieren. Botox werde in die Kopf- und Nackenmuskulatur injiziert. „Das verringert die Zahl der Anfälle im Monat deutlich.“

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