Handy

SMS ist von gestern

Es war einmal: Die SMS hat ebenso ausgedient wie alte Handy­knochen und schwülstige 160-Zeichen-Lyrik. Fotos: dpa, fotolia

Wie smarte Apps die Kurzmitteilung in Rente schicken

Köln. Es ist Zeit, Abschied zu nehmen! Von der SMS, der Handy-Kurzmitteilung. Lange Zeit war „simsen“ ja so was wie Volkssport. „BIDUNOWA? AKA. BIGLEZUHAU!“, texteten wir von Handy zu Handy. Für Uneingeweihte: Das ist kein Buchstabensalat, auch keine versehentlich in der Hosentasche gelöste Tastensperre. Sondern der kunstvoll verknappte Satz: „Bist du noch wach? Alles klar, bin gleich zu Hause.“ Wie man das halt so macht, wenn 160 Zeichen mal eben 19 Cent kosten.

Tja. Bald vorbei. Denn: Die SMS ist von gestern! Sie stirbt aus! Weil die Mobilfunk-Unternehmen kein Geld mehr mit ihr verdienen. Schuld daran ist: der Siegeszug der Smartphones.

Nachrichten fast zum Nulltarif

In Deutschland ist der Umsatz mit Kurzmitteilungen von 3,8 Milliarden Euro im Jahr 2006 auf nur noch 2,8 Milliarden im vergangenen Jahr eingebrochen. Das schätzt die Münchner Unternehmensberatung Mücke Sturm & Company. Und der Trend ist global: Nach Zahlen der britischen Marktforschungsfirma Ovum gingen die SMS-Umsätze 2011 weltweit um 11 Milliarden Euro zurück. Ein Minus von 9 Prozent!

Verantwortlich für den Sinkflug sind die Smartphones. Auf denen laufen Anwendungen wie „WhatsApp“ oder Facebook, mit denen per Datenleitung nicht nur Textnachrichten, sondern auch Bilder oder Videos verschickt werden können. Und zwar fast zum Nulltarif. „Die Nutzung dieser Dienste geht steil nach oben“, bestätigt Professor Jens Gutsche, Ökonom an der Hochschule Merseburg. Nach eigenen Angaben verarbeitet allein das Start-up „WhatsApp“ weltweit mittlerweile 30.000 Nachrichten – pro Sekunde!

Und: Nachdem sich zuerst junge Menschen, zuvor die fleißigsten SMS-Nutzer, auf die SMS-Alternativen gestürzt hätten, etablierten sie sich nun auch unter Gelegenheitsanwendern, so Wissenschaftler Gutsche.

Netzbetreiber wehren sich mit „Joyn“

Doch jetzt wollen die Netzbetreiber gegenhalten. So wollen die Telekom, die O2-Mutter Telefonica und Vodafone ab Sommer den gemeinsamen Messaging-Dienst „Joyn“ ins Feld führen. Mit ihm sollen sich gleichfalls Bilder, Sprache und Videos tauschen lassen.

Aus der Preisgestaltung machen die Anbieter noch immer ein großes Geheimnis. Experten beurteilen die Joyn-Aussichten daher eher kritisch: „Jeder Preis wird an der Konkurrenz der Umsonst-Anbieter gemessen werden“, sagt Rafaela Möhl, Expertin beim Online-Portal Teltarif.de.


Info: Die SMS-Killer

WhatsApp

SMS-Killer Nummer eins. Verfügbar für die Plattformen iOS, Android, BlackBerry und Windows-Phones. Kostet 99 US-Cent im Jahr, bei Android-Geräten ist das erste Jahr frei.

www.whatsapp.com

Facebook

Mit dem neuen Facebook-Messenger lassen sich Nachrichten komplett kostenlos an Facebook-Freunde versenden. Funktioniert sogar mit älteren Handys.

www.facebook.de

Joyn

Als erster Anbieter will Vodafone den Multi-MessagingDienst im Mai starten. Die Preisgestaltung ist noch offen. Denkbar ist, dass Joyn Teil buchbarer Tarifpakete wird.

www.joynus.com

Skype

Der Klassiker! Die Smartphone-App bietet kostenlose Facetime-Gespräche übers Datennetz, und zwar weltweit. Auch Skype-zu-Skype-Text-Nachrichten sind umsonst.

www.skype.de

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