RSS Feed abonnieren
Feedback senden

Verkehrsregeln für Funfahrzeuge

Skates, Segway & Co.: Wo Erwachsene mit Kleinstfahrzeugen fahren dürfen

Spaßige Fortbewegungsmittel für Erwachsene wie Pocket-Bikes, Segways oder Kickboards haben längst Deutschlands Straßen, Radwege und Gehwege erobert. Jetzt kommen weitere hinzu wie E-Roller oder Hoverboards. Doch was darf eigentlich wo gefahren werden? Das haben wir einen Rechtsexperten gefragt. Im Folgenden geben wir Ihnen einen Überblick über die speziellen Fahrge- und -verbote.


Hoverboards

Foto: Adobe Stock
Foto: Adobe Stock

Das sind trendige Elektro-Boards auch „Hoverboard“ oder „Hyper Board“ genannt. Die selbststabilisierenden zweirädrigen Fahrzeuge sehen aus wie ein Segway ohne Lenkstange. Allerdings werden sie rechtlich anders behandelt: „Die Mobilitätshilfeverordnung, die den gesetzlichen Rahmen für die Segways vorgibt, gilt nicht für diese Boards“, warnt der ADAC. „Da diese Fahrzeuge konstruktionsbedingt die Zulassungsvorschriften über Sitz, Lenkung, Bremsen, Beleuchtung oder Spiegel nicht erfüllen können, dürfen diese Boards nur im abgegrenzten nichtöffentlichen Verkehr bewegt werden. Hinzu kommt: Hoverboards haben eine bauartbedingte Höchstgeschwindigkeit von über sechs Stundenkilometern und müssten eigentlich pflichtversichert werden. Eine solche Versicherung wird jedoch noch nicht angeboten.

„Wer dennoch im öffentlichen Verkehr fährt, macht sich strafbar nach Paragraf 6 PflVersG“, so der ADAC. Eine Fahrerlaubnis ist nötig. Allerdings kannte der Gesetzgeber diese neuen Boards bei der Definition der Führerscheinklassen noch nicht. Deshalb ist unklar, welcher Führerschein nötig wäre. Aufgrund dieser Unklarheiten ist eine Benutzung im Straßenverkehr nicht zulässig. Wichtig ist auch: Schäden, die beim Fahren eines Elektro-Boards verursacht werden, sind laut ADAC nicht von der privaten Haftpflichtversicherung gedeckt!

E-Roller

Foto: Adobe Stock
Foto: Adobe Stock

Und wie sieht es mit E-Rollern aus? Auch sie sind noch nicht für den Straßenverkehr zugelassen, aber die Bundesregierung möchte sämtliche Elektrokleinstfahrzeuge einheitlich genehmigen lassen. Die Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) erarbeitet Vorschläge für eine Klassifizierung von Elektrokleinstfahrzeugen. Bald soll es dann die Fahrzeugklasse der Elektrokleinstfahrzeuge geben. Die Verordnung soll noch 2018 in Kraft treten, wann genau, steht aber noch nicht fest.

Skates und Waveboards

Foto: Fotolia
Foto: Fotolia

Inline-Skater gehören auf den Gehweg, nicht auf die Straße. „Der Gesetzgeber behandelt sie nämlich genau wie Fußgänger“, sagt Mathias Schiffmann von der Verkehrswacht NRW. Doch dort dürfen sie nicht einfach losbrettern. „Auf dem Gehweg müssen die Inline-Fahrer darauf achten, dass sie Fußgänger nicht behindern oder gefährden.“ Heißt: Wenn es voll ist auf dem Fußweg, dann langsam und immer bremsbereit fahren. Skater, die zu schnell sind und einen Unfall verursachen, müssen für die Folgen einstehen.

Und: „Auf die Straße dürfen Skater nur dann ausweichen, wenn es gar keinen Gehweg gibt oder wenn am Straßenrand das Zusatzzeichen „Inline-Skater frei“ steht“, so Schiffmann. Auch der Radweg ist tabu. Es sei denn, dort erlaubt ein Zusatzschild ausdrücklich die Nutzung für Inline-Skater. Gleiches gilt auch für Wave- und Skateboard-Fahrer. Verursacht ein Inlineskater Schäden bei Dritten, werden diese normalerweise durch die private Haftpflichtversicherung des Skaters gedeckt, so der ADAC. Vorraussetzung ist aber, dass der Schaden nicht vorsätzlich verursacht wurde.

Tretroller und Kickboards

Foto: dpa
Foto: dpa

Nicht nur Kinder sind auf Rollern unterwegs, auch Erwachsene können mit ihnen ganz schön Tempo machen. Doch sogar dann, wenn die Tretroller wie Fahrräder mit Reflektoren, Klingel und Beleuchtung ausgestattet sind, dürfen sie nicht auf Fahrbahn und Radwegen benutzt werden. „Denn das Rollerfahren ist ausschließlich auf Gehwegen, in Fußgängerzonen sowie im verkehrsberuhigten Wohnbereich zulässig“, erklärt Mathias Schiffmann. Auch auf dem Fußweg sind Regeln einzuhalten: „Sind Fußgänger anwesend oder ist mit ihnen an Haus- und Hofeingängen oder Wegeeinmündungen zu rechnen, darf man nur Schrittgeschwindigkeit fahren.“ Eine Privathaftpflichtversicherung sollte man auf jeden Fall haben, um Schäden an Dritten abzusichern.

Segways

Foto: dpa
Foto: dpa

Lustig sieht es aus – das Zweirad, das sich allein durch Gewichtsverlagerung steuern lässt. In immer mehr Großstädten gibt es Segway-Touren als Alternative zum geführten Stadtrundgang. Doch wo darf ich mich außerhalb solcher Gruppen mit einem solchen Gefährt bewegen? Bürgersteige sind tabu.

„Beim Segway handelt es sich um ein spezielles Fortbewegungsmittel, für das eigens eine Verordnung über die Teilnahme elektronischer Mobilitätshilfen im Straßenverkehr erlassen wurde“, so der Experte der Verkehrswacht NRW. „Mit dem Segway darf man demnach den Radweg benutzen. Steht dieser nicht zur Verfügung, darf auf der Straße gefahren werden. Der Segway-Fahrer benötigt aber eine Berechtigung zum Führen eines Mofas.“ Und eine Haftpflichtversicherung ist ebenfalls ein Muss. Das gilt für Standardmodelle genauso wie für die Weiterentwicklungen, die mittlerweile dank künstlicher Intelligenz auch dem Besitzer folgen, wenn dieser nicht draufsteht.

Liegeräder

Foto: dpa
Foto: dpa

Sie haben weniger Luftwiderstand, die Sitzposition auf ihnen ermüdet weniger und die Wirbelsäule wird im Vergleich zum herkömmlichen Fahrrad auch noch geschont: Liegeräder bieten eine ganz andere Art des Radel-Erlebnisses. Sie sind aber auch im Straßenverkehr mitunter schlechter zu sehen. Schließlich überragt man auf einem solchen Gefährt keine parkenden Autos, wie das bei erwachsenen Radlern auf Standardrädern der Fall ist.

„Dennoch gelten für die Liegeräder die gleichen Regeln wie für normale Radfahrer“, sagt Schiffmann. Gibt es einen Radweg, der durch ein blau-weißes Schild gekennzeichnet ist, gehört das Liegerad (genau wie das Fahrrad) hierher. Es sei denn, der Radweg ist zum Beispiel wegen Straßenschäden unbefahrbar. Gibt es ein solches Schild nicht, gehört auch das Liegerad auf die Fahrbahn. „Um besser von Autofahrern trotz der niedrigen Sitzposition gesehen zu werden, sollte am Liegerad ein Wimpel in Signalfarbe angebracht werden. Das dient der eigenen Sicherheit, Autofahrer erkennen ein Liegerad so einfacher im Straßenverkehr.“

Pocket-Bikes

Foto: Fotolia
Foto: Fotolia

Gerade mal 55 Zentimeter hoch, knapp 20 Kilogramm schwer und trotzdem sind Geschwindigkeiten bis zu 100 Stundenkilometern mit ihnen drin: Pocket-Bikes. Die Mini-Motorräder sehen niedlich aus, haben aber eine Menge Power. Doch im öffentlichen Straßenverkehr sind sie nicht zugelassen.

„Solche Fahrzeuge dürfen nur auf abgesperrten Privatgeländen, wie zum Beispiel Rennstrecken, gefahren werden“, sagt Schiffmann. Selbst auf einem Parkplatz vor einem Einkaufszentrum, das geschlossen hat, darf man nicht mit den Mini-Bikes fahren. So eng ist der Begriff „öffentlicher Straßenverkehr“ gefasst. Tabu sind auch alle Geh- oder Radwege, Wald- und Forstwege, Parkhäuser und Tankstellengelände.

E-Scooter

Foto: Adobe Stock
Foto: Adobe Stock

Sie sind keine klassischen Fun-Fahrzeuge, eher praktische Alltagshelfer: Die akkubetriebenen Fahrzeuge mit einem bequemen Sitz werden gerne von Senioren gefahren. Ohne Betriebserlaubnis dürfen die E-Scooter aber nur auf Privatgelände unterwegs sein. Auf öffentlichen Straßen und Wegen braucht man eine Betriebserlaubnis. Einige Hersteller liefern die gleich mit, darauf sollte man beim Kauf achten. Es gilt: Alles, was bis zu sechs Stundenkilometer Höchstgeschwindigkeit fährt, kann ohne Führerschein und extra Versicherung betrieben werden. Die Seniorenmobile gibt es aber mit unterschiedlichen Höchstgeschwindigkeiten. Wer zwischen 6 und 25 Stundenkilometer schnell unterwegs ist, muss mindestens 15 Jahre alt sein, über einen Mofaführerschein (oder Führerschein Klasse 3) verfügen oder vor dem 1. April 1965 geboren sein. Wer mit einem E-Scooter unterwegs sein will, der über 45 Stundenkilometer schafft, braucht dann den Führerschein Klasse A. Generell gilt: Alle Mobile, die schneller als sechs Stundenkilometer fahren, brauchen außerdem eine Kfz-Haftpflichtversicherung und ein entsprechendes Kennzeichen.

Mehr zum Thema:

Was darf man beim Radfahren mit dem Smartphone machen? Ist Alkohol am Lenker erlaubt? Müssen Radler unbedingt auf dem Radweg fahren, wenn es einen gibt? Hier gibt’s wichtige Regeln – die kaum einer kennt.

Nicht jedes Fahrrad mit Hilfsmotor gilt noch als gewöhnlicher Drahtesel vor dem Gesetz. AKTIV sagt Ihnen hier, was Pedelec- und E-Bike-Besitzer in punkto Helmpflicht, Versicherung und Fahrerlaubnis beachten müssen.

aktualisiert am 30.08.2016

Was müssen Eltern und deren Kinder auf Rädern und Rollern unbedingt wissen? Welche besonderen Regeln gelten für Inliner und Spielfahrzeuge wie Bobbycars, Kettcars und Laufräder? AKTIV hat zwei Experten befragt.

Darf man Kopfhörer beim Fahrrad- und Autofahren tragen? Hat man Schuld, wenn es beim Musikhören zu einem Unfall kommt? Und wie laut dürfen Kopfhörer in Bus und Bahn aufgedreht werden? Hier lesen Sie die Antworten.

Wie sind Radfahrer für andere am besten sichtbar? Kann ein Helm wirklich Unfallfolgen mindern? Und sind Abstandhalter an Kinderfahrrädern wirklich empfehlenswert? Wie sich Radfahrer mit wenig Aufwand vor Unfällen schützen.

Diese Beiträge könnten Sie auch interessieren:

Zum Anfang