Wenn der Wohlstand überquillt

Selfstorage: Die neue Branche lindert jetzt auch bei uns die Platzprobleme


Hamburg/München. „Die Deutschen horten mehr Besitz als je zuvor.“ Christian Lohmann freut das sehr: Er ist Vizepräsident im Verband deutscher Selfstorage-Unternehmen. Deren junges Geschäft boomt –Selfstorage“, das Selbsteinlagern außerhalb der eigenen vier Wände.

Immer mehr Menschen mieten sich Lagerraum, stapeln dort, was sie zu Hause nicht mehr unterbringen: die Klappbox fürs Autodach, die Plattensammlung, Omas Schaukelstuhl.

Vor allem in Großstädten schießen Lager aus dem Boden. Dort ist der Wohnraum knapp, die Keller sind klein. „Und die Menschen werden mobiler“, erklärt Lohmann, „sie wechseln öfter Wohnort, Job oder Partner.“ Nicht immer soll oder kann dann gleich alles mit.

Bisher gibt es bei uns gut 80 der mehrstöckigen Stauraum-Gebäude. In zehn Jahren sind es fünfmal so viele, sagt Verbandsvize Lohmann, dessen Firma Secur neun Lager in Norddeutschland betreibt.

Gesichert mit Pin-Code, Kamera und Vorhängeschloss

„Deutschland steckt noch in der Pionierphase“, fügt er hinzu. In den USA, wo die Sache mit den professionellen Mietlagern bereits vor vier Jahrzehnten aufgekommen ist, gibt es aktuell rund 50.000 Standorte mit insgesamt 240 Millionen Quadratmetern Fläche.

Größter Anbieter im deutschen Sprachraum ist das Wiener Unternehmen My Place (35 Standorte). Ortstermin in einem seiner Münchner Lager: helle Gänge, leise Musik. „Alles soll freundlich wirken“, sagt Geschäftsführer Martin Gerhardus.

Pin-Code und Vorhängeschloss sichern den Besitz, Videokameras überwachen das Geschehen. Zutritt hat man als Mieter rund um die Uhr – anders als beim Einlagern bei Speditionen. Und der Nachbar kriegt nicht mit, was im Abteil steckt: Trennwände verwehren den Blick – anders als in manchem Keller.

Der Quadratmeter kostet hier ab 28 Euro im Monat, drei Meter hoch darf man stapeln. Pro Bau investiert My Place 5 Millionen Euro, jährlich soll einer hinzukommen.

Zwei Drittel der Mieter sind Privatleute, ein Drittel Gewerbetreibende: Handwerker verstauen ihre Werkzeuge, Anwälte alte Akten. „In der Masse sind es jedoch Möbel“, weiß Geschäftsführer Gerhardus. Und: „Die Kunden sind erleichert, wenn sie ihre Sachen untergebracht haben.“

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