Geldnot? Nein, Danke!

Schuldenfalle vermeiden: Expertin erklärt, wie’s mit der Haushaltskasse klappt

Wenn die Scheinchen schneller ausgegeben sind, als sie reinkommen, hat man schon ein kleines Problem. Was tun, damit es nicht größer wird? Eine Expertin hat sieben praktische Tipps für die privaten Finanzen.

Vorsicht: Wenn die Scheinchen schneller verschwinden, als sie reinkommen, hat man bald ein ernstes Problem. Foto: Masterfile

Vorsicht: Wenn die Scheinchen schneller verschwinden, als sie reinkommen, hat man bald ein ernstes Problem. Foto: Masterfile

Mainz. 3,4 Millionen Haushalte sind überschuldet. Ursache ist oft ein Schicksalsschlag: Scheidung etwa, Krankheit, Arbeitslosigkeit. Aber viele Zeitgenossen geben einfach immer wieder zu viel Geld aus. Um den Weg in die Schuldenfalle zu vermeiden, hat Sylvia Beckerle, Finanzexpertin bei der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz, praktische Tipps:

Karten, Paypal und Co.

Je mehr Zahlungsmittel man einsetzt, umso schneller geht der Überblick flöten. Besonders gefährlich sind da mehrere Kreditkarten. Also möglichst oft bar bezahlen – zu Geld in der Hand hat man in der Regel ein anderes Verhältnis als zu Plastikgeld. Im Internet sollte man sich auf möglichst wenige Bezahlvarianten beschränken.

Wochenbudget

Ist das Geld gerade sehr knapp, hilft ein strenges Budget: Zunächst zieht man Monatsverbindlichkeiten wie Miete oder Strom von den Einnahmen ab. Was übrig bleibt, wird durch die Zahl der Wochen im betreffenden Monat geteilt. Nur diese Summe hebt man dann Anfang jeder Woche vom Konto ab – mehr geht eben erst mal nicht. Käufe im Web oder per Karte verbieten sich in solchen Phasen.

Haushaltsbuch

Klingt verstaubt, hilft aber tatsächlich: Ein Haushaltsbuch verschafft Übersicht. Dort stellt man Einnahmen und Ausgaben gegenüber. Dabei ist es wichtig, alle Belege zu beachten – zum Beispiel auch Rechnungen, die per E-Mail kommen. Am besten erfasst man die Ausgaben taggenau, entweder klassisch auf Papier oder per App (mehr dazu hier).

Sparen

Wer ein Haushaltsbuch führt, erkennt schnell, wo zu viel ausgegeben wird. Oft lässt sich dann einfach sparen – etwa bei Kosmetik. Grundsätzlich hilft es, beim Discounter einzukaufen, mehr selbst zu kochen und häufiger Fahrrad zu fahren.

Kredite

Darlehen für ein neues Auto oder das Eigenheim gehen meistens in Ordnung. Aber Möbel, Urlaub oder Weihnachtsgeschenke auf Pump? Lieber nicht! Speziell die Miesen für den Urlaub nerven noch lange, während die Erholung schon verflogen ist.

Reserve

Es sollte nicht zum existenziellen Problem werden, wenn Kühlschrank und Waschmaschine über Nacht gleichzeitig den Geist aufgeben: Ein Notgroschen auf einem Tagesgeldkonto (nicht auf dem normalen Giro!) ist also Pflicht. Drei Nettomonatsgehälter sind eine gute Richtgröße für diese eiserne Reserve.

Notbremse

Wer merkt, dass er permanent in den Miesen ist, sollte sich Hilfe holen. Etwa bei einer Schuldnerberatungsstelle, auch einige Verbraucherzentralen bieten Beratung an. Um vor dem Abgrund die Notbremse zu ziehen, wird im Regelfall ein Konsumentenkredit geschlossen, dieses Darlehen wird dann in verbindlichen Raten abgestottert. Bei der Wahl der Bank kann man einfach den Effektivzins vergleichen, sollte aber keine teuren Zusatzleistungen in Kauf nehmen.

Achtung: Kreditvermittler, die mit Darlehen „ohne Schufa“ werben, helfen nicht weiter, sondern verschlimmern die Situation.


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Viele Bankkunden überziehen ihr Konto – und zahlen teure Dispozinsen. Die betragen bei manchen Kreditinstituten um die 12 Prozent. Ein Ratenkredit ist viel günstiger, und auch ein Abrufkredit kann eine Alternative sein.

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