Neue Technik revolutioniert den Unterricht

Schüler lernen mit Cyber-Brille


Frankfurt/Stuttgart. Die Schüler beobachten, wie ein Menschenschädel im Klassenzimmer schwebt. Zwei fliegende Tröten zielen auf ein Ohr. Volltreffer: Eine Schallwelle dringt in das Gehör­organ ein – und nimmt die Schüler mit auf eine Reise bis zum Gehirn.

Was nach Science-Fiction klingt, ist eine reale Unterrichtssituation. „Cyber-Classroom“ nennt sich die 3-D-Lernplattform, die von der Stuttgarter Software-Firma Visenso entwickelt wurde. An 14 deutschen Schulen ist sie schon im Einsatz.

„Klassische Lehrmittel wie Bücher, Filme oder Folienpräsentationen“, so Visenso-Geschäftsführer Martin Zimmermann, „reichen oft nicht aus, um komplexe Sachverhalte verständlich zu vermitteln.“

Auf der Frankfurter Buchmesse bis zum 14. Oktober will Zimmermann Schülern, Eltern und Pädagogen außerdem beweisen, dass Lernen mit neuen Techniken mehr Spaß macht. Die Schüler tragen spezielle Cyber-Brillen. Je nach Modell sehen sie dreidimensionale Computersimulationen direkt darin oder auf iPads und großen Bildschirmen.

Geometrie wird schneller begriffen

Per Knopfdruck oder durch Gesten – wie bei einer Spielekonsole – steuern die Schüler zum Beispiel Partikel in einem Windkanal. So machen sie die Luftströmungen an einem Auto sichtbar.

Oder sie lernen trockene Geometrie, die sonst viele verzweifeln lässt, anschaulich: Einen Kegel schneiden sie einfach auf und begreifen viel leichter, wie sie eine Schnittgleichung berechnen.

Zwischen 9.500 und rund 15.000 Euro muss eine Schule in ein solches virtuelles Klassenzimmer investieren. Dabei kann eine Bildungspartnerschaft helfen: So stattete der Chemie-Konzern Evonik Industries bisher schon zehn Schulen mit der entsprechenden Technik aus.

Doch wird der Unterricht damit besser? Der bekannte Hirnforscher Manfred Spitzer ist skeptisch. Seine These: Digitale Medien machten Kinder und Jugendliche nicht klüger, sondern unkonzentrierter und oberflächlicher. Und elek­trisch unterstütztes Lernen – auf Neudeutsch: E-Learning – behindere sogar die kreative Entfaltung.

Offen für die neue Technik ist dagegen Rolf Busch. „Ob ­Videos, das Internet oder 3-D-Anwendungen: Moderne Medien im Unterricht können das Vorstellungsvermögen und den Lernerfolg von Schülern fördern“, sagt der erste stellvertretende Bundesvorsitzende des Verbands Bildung und Erziehung. Aber: „Die Mischung macht’s.“ 3-D allein könne weder Lehrer noch Bücher ersetzen.

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