Klingt nach James Bond, wird aber Realität:

Schon bald lassen sich Autos per Smartphone „steuern“


Rietheim-Weilheim. Man sitzt gemütlich im Restaurant, draußen parkt das Cabrio mit offenem Verdeck – und plötzlich fängt’s an zu schütten? Künftig kann man da ganz cool bleiben: Eine sanfter Fingertipp aufs iPhone – und das Faltdach schließt sich.

Möglich macht das die BlueID-Technik, entwickelt von dem Rietheimer Autozulieferer Marquardt zusammen mit der Garchinger Software-Schmiede Baimos. „Das ist die Zukunft“, schwärmt Thomas Vogel, der bei Marquardt die Abteilung Vorentwicklung und Innovationsmanagement leitet. „Wer mit dem Smartphone aufwächst, möchte damit schließlich auch sein Auto bedienen.“

Das Prinzip: Auf der App sind alle Daten gespeichert, neben dem Nutzer sind das vor allem sämt­liche freigeschalteten Funktionen. „Die BlueID-Technik bietet volle Flexibilität“, erklärt Vogel. Und sie kann weit mehr als Autotüren öffnen und schließen.

Hat BlueID das Smartphone als berechtigt erkannt, muss der Fahrer nur die Öffnen-Taste auf dem Bildschirm antippen. Umständ­liche Kramerei nach dem Schlüssel? Vergangenheit! Im Auto kann er dann alle zugelassenen Funktionen nutzen.

„Neben öffnen, schließen und starten lassen sich etliche Zusatzfunktionen programmieren“, sagt Vogel. Sie hängen letztlich davon ab, was der Autohersteller und seine Kunden wollen und was das Gesetz erlaubt. So lassen sich beispielsweise Kilometerstand, Ölstand und Wartungstermin abfragen oder die Standheizung einschalten.

Sogar die Höchstgeschwindigkeit lässt sich begrenzen – damit der Nachwuchs nicht zu schnell fährt

Sogar die Höchstgeschwindigkeit kann man programmieren, wenn etwa der Nachwuchs nach eben erst bestandener Fahrprüfung mit der Familienkutsche auf die erste Spritztour geht.

Auch für Mietwagen-Verleiher und Carsharing-Unternehmen hat die Technik klare Vorteile: Sie senden dem Kunden die Daten einfach auf sein Smartphone, teilen ihm mit, wo das nächste Auto steht und lotsen ihn auf kürzestem Wege dorthin.

Das Smartphone als Schlüssel kann von überall aus das Ticket empfangen und per App das Fahrzeug freischalten. Und: Wenn der Wagen mal im Funkloch steht, werden die Daten eben mittels anderer eingebauter Funktechniken wie Bluetooth 4.0 und NFC (Near-Field-Communication) übertragen. Vogel: „Wenn auch Bluetooth nicht mehr funktioniert, weil der Akku leer ist, lässt sich die Tür immer noch per NFC öffnen. Denn diese Technik bekommt den Strom vom Empfänger im Auto.“

Geht ein digitaler Schlüssel verloren, wird er per Computer gesperrt und die Berechtigung auf ein anderes Handy übertragen. Ab Herbst bietet der erste Autohersteller die BlueID-Technik in der einfacheren Variante „Smartcard“ an. Mit der muss der Fahrer noch den Türgriff des Autos berühren, um die erlaubten Funktionen freizuschalten. Die Karte wird zuvor am PC programmiert.

Marquardt hat unterdessen nicht nur das Auto im Blick, sondern auch den digitalen Schlüsselbund für Haus oder Wohnung und die Parkplatzschranke. „Quasi ein Smart-Home-System, bei dem sich mit einer App alles steuern lässt“, so Innovationsmanager Vogel.

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