Innovationen

Schöne flache Fernseh-Welt


Wie sich deutsche Hersteller am Markt behaupten

Daun (Eifel). Sind Sie auch Opfer des Pixel-Kriegs bei Digital-Kameras geworden? Haben sich einen Mega-Pixel-Knipser gekauft und sind enttäuscht über die flauen Bilder? Die Hersteller  werben  mit   10, 11 oder 12 Millionen Pixeln, die den Ka­meras angeblich Schärfe und  den  Bildern  Größe  beibringen. Doch Tests weisen nach: Oft sind  teurere  Fotoapparate  mit 8 Millionen Pixeln besser als ihre billige 11-Millionen-Konkurrenz. Qualitäts-Bauteile ma­chen den Unterschied.

„Einen ähnlichen Werbe-Krieg  werden  wir  jetzt  bei Flachbild-Fernsehern erleben. Es geht um 50, 100, 200 oder 480 Hertz“, sagt Andreas Listner, Produkt-Manager von TechniSat (die Firmenzentrale ist im Eifelstädtchen Daun), neben Loewe und Metz einer von drei verbliebenen Fernseh-Herstellern in Deutschland.

Keine Spur von Quantensprüngen

 

Je höher die Takt-Rate, desto schärfer das Bild – so das Argument der Marketing-Strategen. „Doch wenn überhaupt, sind es beim Flachbild von 50 auf 100 Hertz leichte Verbesserungen bei schnellen Bildern“, verdeutlicht Listner. Von Quantensprüngen,  wie sie die Werbung weismacht, keine Spur.

Ende des Jahres wird TechniSat die ers­ten 100-Hertz-Flachmänner auf den Markt bringen, „weil die technische Entwicklung einfach weitergeht“, erläutert Listner.

 

 

Wie sieht sie aus, die Zukunft der Fernseher? „Ein Markt für Röhren- und Plasmageräte ist praktisch nicht mehr da. Die deutschen Hersteller setzen auf LCD-Technik. Beim „Liquid Crystal Display“ werden Flüssigkristalle  unter  Spannung ge­setzt und damit mehr oder weniger lichtdurchlässig. Diese Strahlen bringen Farbfelder zum Leuchten. Fertig ist das TV-Bild.

Die drei deutschen Fernseh-Hersteller verkaufen ihre Flachen fast durchweg im Hochpreis-Segment, also weit ab von Billig-Importen aus Asien. „Wir bieten eben hochwertige Qualität“, sagt Listner stellvertretend für die drei. „Unsere Kunden wissen aber den Mehrwert, den wir  bieten, zu schätzen.“

Updates in der Nacht

Da ist beispielsweise in den Geräten ein Multi-Tuner eingebaut, mit dem Sendungen über Satellit, Kabel oder terrestrischem Digitalsignal (auch HD-TV) empfangen werden können. Eine Sendung sehen, eine andere aufnehmen? Kein Problem, denn ein Festplatten-Rekorder ist auch eingebaut. Extra-Kästen braucht man nicht.

Bei TechniSat hat man sich noch ein besonderes Schmankerl   ausgedacht:   Nachts   um 4 Uhr laufen Aktualisierungen (Up­dates) über den Astra-Satelliten. „Das läuft völlig un­be­merkt vom Nutzer“, erklärt Listner. „Aber die Geräte beim Kunden sind dann immer auf dem neuesten Stand.“ Auch neue TV-Programme werden abgespeichert.

Am Horizont taucht zudem eine ganz neue Technik auf: OLED. Diese organischen Leuchtdioden gelten als die nächs­te TV-Revolution, weil sie selbst Helligkeit erzeugen und keine Hintergrundbeleuchtung brauchen. Dadurch werden Displays und Geräte noch dünner, sind gleichmäßig ausgeleuchtet  und  vollkommen blickwinkelstabil.

Sind die deutschen Hersteller hier am Ball? Konkurrent Sony ist mit 28-Zentimeter-TVs für 2.500 Euro am Markt. „Wenn die Preise rutschen und technische Mängel ausgeräumt sind, wird OLED für uns ein Thema“, sagt Listner. „Das aber wird mindestens fünf Jahre dauern. Bis dahin bleibt es für uns bei ständig verbesserten LCD-Geräten.“

Giesbert Wiegel

 

Info: Der deutsche Fernseh-Markt

Im vergangenen Jahr haben die Verbraucher in Deutschland fast 5 Milliarden Euro für moderne Flachbild-Fernseher ausgegeben. Das ist ein Plus von rund 5 Prozent gegenüber 2007. In diesem Jahr fehlen spektakuläre Kaufanreize, wie es 2008 die Fußball-EM und die Olympischen Spiele waren. Daher wird das Wachstum niedriger ausfallen. 98 Prozent aller deutschen Haushalte besitzen ein Fernsehgerät (oder mehrere), fast jedes vierte ist be­­reits ein Flachmann.

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