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Körper-Scanner und Funk-Etiketten revolutionieren den Bekleidungskauf

Wer hat das nicht schon erlebt: Man steht schwitzend in der Umkleidekabine, ärgert sich: Die Hosen sind zu kurz oder zu eng oder werfen Falten. Und natürlich hat man keine Ahnung, in welchen Größen und Farben die Teile noch zu haben wären. Dafür muss doch mal einer etwas erfinden! Schon passiert: Der Klamottenkauf der Zukunft hat bereits begonnen, lästige Sucherei nach dem passenden Outfit könnte bald Vergangenheit sein.

Beispiel 1: Der günstige Maßanzug für alle. Dafür wird der Körper in einem 3-D-Scanner abgetastet, millimetergenau, per Laserstrahl. Exklusive Kaufhäuser wie Loden-Frey in München oder Engelhorn in Mannheim verwenden diese „Bodyscanner“ schon.

Alle Maße in einer Minute

Geliefert werden die Geräte von der Human Solutions GmbH in Kaiserlautern. „Im Laden werden vom Bodyscanner bis zu 500.000 Messpunkte für 75 verschiedene Körpermaße des Kunden automatisch erfasst“, erklärt Pressesprecherin Alexandra Lang. Das dauert kaum eine Minute.

In der Maßabteilung des Bekleidungshauses Weingarten in Köln werden die Kunden sogar schon seit ein paar Jahren eingescannt. „Zur Sicherheit vermessen wir zwar noch ein zweites Mal von Hand“, betont Michael Leifer, Abteilungsleiter Maßkonfektion, „aber eine große Hilfe ist das Gerät schon.“ Stehen die Daten fest, kann der Kunde zum Beispiel aus rund 1.000 verschiedenen Stoffen wählen, er kann aussuchen, wie viele und welche Knöpfe er möchte, ob es ein Zwei- oder Dreiteiler sein soll, ein- oder zweireihig, mit oder ohne Brusttasche.

Für Frauen gibt es entsprechende Wahlmöglichkeiten zum Beispiel bei Kostümen. Das auf diese Weise ganz persönlich gewünschte Stück wird online direkt beim Hersteller bestellt. Bei Weingarten muss man dann etwa vier Wochen auf die Lieferung warten. Die Körper-Daten bleiben gespeichert, sind beim nächsten Einkauf abrufbar.

Diese Prozedur klingt aufwendig, „Maßanzug“ klingt teuer. Dabei dauert es bis zur Bestellung nur eine gute Stunde, und bei Weingarten gibt es den perfekt passenden Anzug schon ab 359 Euro.

Beispiel 2: Der schlaue Chip, mit dem Handel und Bekleidungsindustrie dem Kunden – und sich selbst – das Leben leichter machen wollen. Das Thema „Radiofrequenzidentifikation“ (Erkennung per Funk) treibt die Branche schon eine Weile um, jetzt haben die ersten großen RFID-Tests  begonnen, zum Beispiel in der Essener Kaufhof-Filiale.

Schlaue Chipsam Wühltisch

Dort sind in der Herren-Abteilung etwa 30.000 Artikel mit RFID-Etiketten ausgestattet. Die sind so groß wie eine Kreditkarte und baumeln neben dem Preisetikett. Auf dem Chip sind allerlei nützliche Informationen gespeichert, die er in seine nächste Umgebung funkt – und davon profitiert der Kunde. Denn probiert man in der speziell ausgerüsteten Umkleidekabine eine Hose oder ein Hemd, zeigt ein Display im Spiegel sofort den Preis der Ware an, das Material, die Pflegehinweise. Und der Spiegel verrät, in welchen anderen Größen das Produkt noch vorrätig ist.

 

Auch für die Mitarbeiter hat das Verfahren Vorteile:  „Die Verkäufer können per Knopfdruck prüfen, wo sich bestimmte Artikel auf der Verkaufsfläche befinden, ob sie noch vorrätig sind, und Ware frühzeitig nachordern“, sagt Peter Halberstadt, Leiter Warenwirtschaftssysteme bei der Kaufhof Warenhaus AG.

Das Unternehmen will sogar an seinen Wühltischen Monitore anbringen: „Darauf steht dann, was auf dem Tisch so alles liegt, und in welchen Farben und Größen“, sagt Halberstadt, „denn nicht jeder wühlt ja so gerne.“

 

Robert Lücke

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