Checkliste

Schlau im Stau

Foto: dpa

Egal ob im Berufsverkehr oder auf großer Tour in den Urlaub – ein Stau nervt extrem. Die Blechlawine belastet Mensch und Material. Doch wie verhält man sich richtig, wenn auf der Autobahn nichts oder nicht mehr viel geht? Diese Tipps verraten Ihnen, wie Sie Staus (ver-)meiden, sich die Wartezeit angenehmer gestalten, keine Verkehrsverstöße begehen und wie Sie dazu beitragen, dass sich das Verkehrschaos möglichst schnell wieder auflöst.

Informiert sein

Unbedingt die Verkehrsfunk-Funktion des Radios aktivieren. So kann man selbst entscheiden, ob man in den Stau fahren oder lieber einen Umweg über Land in Kauf nehmen will. Berücksichtigen Sie aber: Wenn der Staubericht vom Radiosprecher verlesen wird, ist die Meldung im Schnitt schon 40 bis 45 Minuten alt. Auch wer schon im Stau steht, sollte das Radio anlassen. „Die Verkehrsmeldungen mildern das Gefühl der Unsicherheit und des Ausgeliefertseins“, sagt Verkehrspsychologe Michael Haeser.

Ausrüstung bereitlegen

Da man nie weiß, wann einen der Stau erwischt, möglichst immer eine Notration an Bord haben. Dazu gehören Mineralwasser und ein paar trockene Kekse, warme Zusatzkleidung oder eine Decke und eine Packung Feuchttücher, falls man austreten muss. Gerade bei Urlaubsfahrten mit Kindern sollte auch immer Unterhaltungsstoff wie Bücher und Spiele mit an Bord sein.

Rechtzeitig tanken

Schon wenn es langsam voller wird, einen Blick auf die Tankanzeige werfen. Reserven nie ganz ausreizen. Da Autos im Stop-and-go-Verkehr deutlich mehr Sprit benötigen, sitzt man sonst schnell auf dem Trockenen.

Richtig einfädeln

An Auffahrten oder bei Spurverengungen ist das Chaos besonders groß. Viele Autofahrer ziehen sofort rüber. „Diese Menschen treibt die nackte Angst“, sagt Verkehrspsychologe Michael Haeser aus Duisburg. „Die Angst kommt daher, weil genau diese Menschen am Auffahrende selbst nie einfädeln lassen.“ Dabei gilt: Stets die Spur bis zum Ende fahren und dann nach dem Reißverschluss-Prinzip einfädeln.

Vorausschauend fahren

„Stauwellen lassen sich tatsächlich fast immer auf eine Einzelperson zurückführen“, sagt Stauforscher Michael Schreckenberg von der Universität Duisburg-Essen. „Verursacht ein Fahrer – durch Unaufmerksamkeit oder gefährliche Manöver – eine Verzögerung, setzt ein Ziehharmonika-Effekt ein.“ Also: Immer aufmerksam fahren, Abstand halten, nicht abrupt bremsen.

Rechts überholen

Bei Kolonnenbildung ist es erlaubt, rechts langsam zu überholen. Aber nur, wenn die linke Spur steht oder mit maximal 60 Stundenkilometern rollt. 

Standspur ist tabu

„Keinesfalls auf der Standspur zurück oder nach vorn ‘schummeln’, um die nächste Ausfahrt zu erreichen“, sagt Cathrin von der Heide vom Automobilclub von Deutschland (AvD). Das gilt auch, wenn die nächste Ausfahrt nur wenige Meter entfernt ist. Wer es doch tut, riskiert ein Bußgeld von 75 Euro und zwei Punkte. Ausnahme: Die Polizei oder die Beschilderung geben den Standstreifen frei. Wer rückwärts zur letzten Ausfahrt zurückfährt, zahlt 130 Euro und kassiert vier Punkte.

Warnen vor Stauende

Wer in der Schlange hinten steht oder auf das Stauende zurollt, sollte den nachfolgenden Verkehr unbedingt sofort mit dem Warnblinker warnen. „Autofahrer, die dies missachten, riskieren bei einem Auffahrunfall eine Teilschuld von 25 Prozent“, sagt Cathrin von der Heide vom AvD.

Rettungsgasse bilden

Um Polizei, Feuerwehr und Krankenwagen den ungehinderten Durchgang zu gewähren, muss zwischen den Spuren eine Gasse freigelassen werden. „Auf zweistreifigen Autobahnabschnitten wird die Gasse in der Mitte gebildet, auf dreistreifigen Strecken zwischen der linken und der mittleren Spur“, so Rainer Hillgärtner vom Auto Club Europa (ACE). Das gilt übrigens schon bei Staubildung und nicht erst, wenn ein Rettungswagen kommt. Wer keinen Platz schafft, zahlt 20 Euro Verwarnungsgeld.

Runter von der Autobahn?

Wer abfährt, läuft stets Gefahr, auf überfüllte Umleitungen zu treffen. Denn 44 Prozent aller Autofahrer versuchen laut einer Studie der Uni Bonn bei einem absehbaren Stau, die Autobahn zu verlassen. Wer doch sein Glück versuchen will: Die Umleitungsstrecken werden ab jeder Autobahnabfahrt mit einem blauen Schild angekündigt; orientiert man sich an der Nummer des Umleitungsschildes, gelangt man automatisch zur nächsten Auffahrt. Umleitungen in nördlicher oder östlicher Richtung sind mit ungeraden, die in südlicher oder westlicher Richtung mit geraden Nummern versehen. Ausfahren darf man nur auf richtigen Ausfahrten, nicht auf Dienstwegen. Fehlverhalten wird mit 25 Euro bestraft.

Abschnallen

Ist auf keinen Fall erlaubt, solange das Fahrzeug noch in Bewegung ist. Wer ohne Gurt fährt, zahlt 30 Euro. Wer sein Kind nicht angurtet, zahlt 40 Euro, bei mehreren Kindern 50 Euro und bekommt einen Punkt.

Motor ausschalten

Macht Sinn, wenn der Verkehr vollständig zum Erliegen gekommen ist oder sich die Schlange auch in längeren Intervallen nicht mehr vorwärtsbewegt.

Aussteigen

„Nur bei völligem Erliegen des Verkehrs und nicht am hinteren Ende der Schlange“, sagt AvD-Expertin Cathrin von der Heide. „In den Gassen zwischen den Autos sollte man beim Aussteigen und Herumlaufen auf Motorradfahrer achten, die oft versuchen, sich zwischen den Pkws hindurchzuschlängeln.“ 

Der richtige Sound

Ruhige Chill-out- oder Lounge-Musik ist im Stau die bessere Wahl, haben Forscher der Universität Liverpool herausgefunden. Schnelle Beats machen eher aggressiv und ungeduldig, sanfte Töne lassen subjektiv die Wartezeit kürzer erscheinen. Generell gilt aber: Das Radio nicht zu laut aufdrehen, um Rettungsfahrzeuge früh genug wahrzunehmen.

Telefonieren

Das Handy am Ohr ist nur erlaubt, wenn der Wagen steht und der Motor aus ist. Wer rollend mit Handy am Ohr erwischt wird, zahlt 40 Euro und bekommt einen Punkt. Wer die Freisprecheinrichtung nutzt, kann natürlich jederzeit telefonieren, sollte aber bedenken, dass dadurch seine Aufmerksamkeit reduziert wird. „US-Studien haben gezeigt, dass selbst Telefonieren über die Freisprecheinrichtung die gleiche aufmerksamkeitssenkende Wirkung hat wie 0,8 Promille Alkohol“, sagt Verkehrspsychologe Michael Haeser.

Zügig am Stauanfang

Wer das lange Warten hinter sich hat und auf den Stauanfang zufährt, sollte zügig fortfahren. Nur so löst sich der Stau auf. An Unfallstellen nicht „gaffen“, das sorgt für zusätzliche Verzögerungen.


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