Marken

Schachteln mit Geschichte


Heidelberg. Es ist ein Ausflug in eine längst vergangene Welt – und dennoch erscheint einem vieles irgendwie sofort vertraut: Man sieht Verpackungen etwa von Bahlsen, Erdal, Knorr oder Dr. Oetker. Und man erkennt sie wieder, auch wenn sie oft ganz anders aussehen als heute im Supermarkt. Willkommen im Deutschen Verpackungsmuseum in Heidelberg!

„Es sind die guten alten Namen, Klassiker der Markengeschichte, die hier überall ins Auge fallen“, sagt Hans-Georg Böcher, Direktor und geschäftsführender Vorstand des Museums. Also finden sich zum Beispiel auch Coca-Cola, Maggi, Milka, Nesquik, Odol und Persil. No-Name-Schachteln sind für Böcher weniger interessant: Er möchte zeigen, was und wie viel Verpackungen zur Prägung einer starken Marke beitragen.

Bestenfalls, wie etwa bei Nivea und Tempo, wird aus dem Produktnamen schließlich sogar ein Gattungsbegriff. Übrigens: Nivea-Dosen aus Karton? Doch, die gab es mal: Und zwar ist sie während des Zweiten Weltkriegs gefertigt worden. Als Metall vornehmlich für die Produktion von Waffen verwendet werden durfte, aber nicht für Schachteln, musste eben Ersatz gefunden werden.

Anschaulich wird hier auch die historische Entwicklung von Verpackungen an sich erklärt. „Die begleiten uns ja seit Menschengedenken – anfangs in Form von Blättern, Fellen und Leder“, erklärt Kunsthistoriker Böcher. „Und erst seit rund 300 Jahren gibt es Verpackungen in der Art, wie wir sie heute erleben.“

Andere Exponate zeigen Beispiele für die Verpackung von Flüssigkeiten, vom Steingut-Krug für Mineralwasser über mundgeblasene Kostbarkeiten aus Glas bis zur Tetrapak-Milchtüte.

Auch der Einblick in die Welt der Blechdosen ist faszinierend. So entstanden früher unter anderem im Großraum Dresden von Hand bemalte kleine Behältnisse für Zigaretten: Auffällige orientalische Muster sollten das exotische Flair der Tabakwaren unterstreichen.

Mit solchen Geschichten zieht Museumsführer Hubert Harmann die Besucher schnell in seine Welt. Unter anderem zeigt er die Hülle einer 4,5 Kilo schweren Toblerone (die hierzulande ja als die Schweizer Schokolade überhaupt gilt). Gegen diesen Riesen wirkt die erste Packung aus der Zeit um 1910 noch winziger, sie umhüllte gerade mal 22 Gramm. Aber damals war der Genuss von Schokolade ja auch noch echter Luxus?...

Wer sich in diesem bundesweit einzigartigen Museum umsieht, dem wird schnell klar: Verpackungen sind mehr als nur Transportbehältnisse. „Sie spiegeln eben das Denken, das Leben und die Kultur ihrer Zeit wider – und sie sind das Ergebnis anspruchsvoller, kreativer Prozesse der Unternehmen“, so Direktor Böcher, der pro Jahr rund 100.000 Besucher zählt.

Wechselausstellungen und Sonderschauen beleuchten immer wieder einzelne besondere Aspekte. Für geladene Gäste gibt es Vorträge von Unternehmern oder Managern, die hinter namhaften Marken stehen.

Ohnehin befindet sich das Museum in einem steten Wandel: Ständig kommen neue Objekte hinzu. „Dank der Unterstützung von Unternehmen und Designern ist die Ausstellung immer am Puls der Zeit“, betont Böcher, „denn wie sich der Geschmack der Konsumenten ändert, so ändert sich auch das Bild der Marke.“

verpackungsmuseum.de

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Fakten

Deutsches Verpackungsmuseum

• Das 1997 eröffnete Museum liegt im Herzen der Heidelberger Altstadt. Es zeigt mehr als 1.000 Exponate in der Dauerausstellung, dazu kommen Sonderschauen.

• Träger des privat finanzierten Museums ist ein 1993 gegründeter Förderverein. Unter den frühesten Unterstützern war zum Beispiel der Heidenheimer Verpackungshersteller Edelmann. Inzwischen hat der Verein über 200 Mitglieder, viele davon sind sehr bekannte Unternehmen.

• Die Öffnungszeiten sind Mittwoch bis Freitag von 13 bis 18 Uhr, an den Wochenenden und Feiertagen von 11 bis 18 Uhr. Führungen sind empfehlenswert, müssen aber vorab gebucht werden.

• Der Eintritt kostet 3,50 Euro für Erwachsene und 2,50 Euro für Kinder. Eine Führung kostet 30 Euro.

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