Raststätten

Saubere Sache


Privatisierung hat die Betriebe auf  Vordermann gebracht

Bonn. Es ist eine kleine Wohlfühl-Welt, für ein paar Minuten. Direkt an der Autobahn. Die Ohren vernehmen seichte Hintergrund-Musik. Das Auge sieht keinen Grund zum Unbehagen: alles sauber. Und die Nase? Durch sie darf man auch hier tief durchatmen. Die typische Toilette an deutschen Raststätten präsentiert sich in Top-Form.

„Die Hygiene hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verbessert“, bestätigt Simone Saalmann, die Leiterin des Raststättentests beim ADAC. Und mittlerweile ist auch auf die Gas­tronomie Verlass: „Heute gibt es meist standardisiertes Essen“, erklärt die Expertin. „Einen totalen Reinfall erlebt man deshalb kaum noch.“

„Marken-Strategie geht auf“

Es hat sich also was getan an der Autobahn. Verantwortlich dafür ist der einstige Staatsbetrieb „Tank & Rast“ mit Sitz in Bonn. Er besitzt und verpachtet etwa 90 Prozent der rund 400 Raststätten in Deutschland. Dazu kommen 350 Tankstellen und 50 Hotels.

Seit der Privatisierung im Jahr 1998 hat das Unternehmen 800 Millionen Euro in Toiletten, Restaurants, Shops und Tankstellen investiert.
Parallel setzt Tank & Rast heute auf Marken: „Sanifair“ für Toiletten oder „Serways“ für Raststätten stehen für ein einheitliches und verlässliches Niveau.

Immer öfter sind bekannte Fast-Food-Ketten wie Burger King, McDonald’s oder Nordsee in die Restaurants integriert. Fast überall gibt’s Nudelgerichte von Barilla. „Diese Marken-Strategie geht auf“, sagt Marketing-Experte Martin ­Ahlert, Geschäftsführer des Internationalen Centrums für Franchising & Cooperation an der Universität Münster. „Gerade für Anbieter an der Autobahn ist es sinnvoll, auf vertraute Namen zu setzen“, erklärt der Fachmann. Ein Qualitätssignal sei an Orten mit viel Laufkundschaft enorm wichtig: „Ein Kunde weiß dann, woran er ist.“

Entsprechend gut läuft das Geschäft von Tank & Rast: Der operative Gewinn (vor Steuern, Abschreibungen und Zinsen) betrug 2010 rund 200 Millionen Euro. Neuere Zahlen wurden noch nicht veröffentlicht. Allerdings: Den Mutter-Konzern von Tank & Rast, die Deutsche Raststätten Gruppe, plagt auch eine Schuldenlast von 2,2 Milliarden Euro. Grund dafür sind nicht nur die Investitionen.

Toiletten brachten 20 Millionen Euro ein

Als der britische Finanz­investor Terra Firma 2004 Tank & Rast erwarb, wurde ein Teil des Kaufpreises dem gekauften Unternehmen aufgebürdet. Es knabbert daran noch heute – und sucht zusätzliche Einnahmen. Seit zwei Jahren kostet etwa ein Besuch der Sanifair-Toiletten mindestens 20 Cent. Das brachte 2010 knapp 20 Millionen Euro.

Und ab 2013 spült auch das Treibstoff-Geschäft mehr Geld in die Kasse. Denn künftig müssen die Mineralölfirmen für die Belieferungsrechte der Autobahn-Tankstellen um die Wette bieten. Die gute alte Zeit der Quoten-Zuteilung geht dem Ende entgegen.

Artikelfunktionen


Diese Beiträge könnten Sie auch interessieren:

'' Zum Anfang