Verkehr

Rückenwind aus der Steckdose


Elektrofahrräder werden immer beliebter – Alternative auch für Berufs-Pendler?

Über 1,50 Euro für den Liter Sprit – Berufspendlern treibt das die Tränen in die Augen. Erst recht dann, wenn Bus und Bahn keine Alternativen sind. Oder der Arbeitsplatz zu weit entfernt liegt, um jeden Morgen das Fahrrad zu nehmen. Bleibt also doch nur Augen zu und durch?

 

„Von wegen!“, widerspricht Susanne Brüsch, vom Verein „ExtraEnergy“ im thüringischen Tanna. „Steigen Sie doch um auf ein Pedelec! Solche Fahrräder mit Elektro-Hilfsmotor liegen voll im Trend.“

In der Tat: Die Zeiten, in denen Räder mit Elektromo-tor bestenfalls als exotischklobige Senioren-Vehikel galten, gehören wohl der Vergangenheit an.

 

Kein Stress mehr im Stau

Laut Zweirad-Industrie-Verband (ZIV) wurden im vergangenen Jahr hierzulande bereits 65.000 Pedelecs verkauft – drei Mal so viel wie noch 2005.  Für das laufende Jahr erwartet der ZIV schon 100.000 verkaufte Räder mit elektrischem Hilfsmotor.

Die Gründe für das Wachstum sind schnell ausgemacht. „Die Menschen wollen auch auf zwei Rädern Komfort erleben und sich in Großstädten nicht mit Staus, der Parkplatzsuche und den hohen Benzinpreisen plagen“, sagt Vincent Persoon, Manager beim niederländischen Pedelec-Produzenten Sparta.

Dabei müssen Velo-Fans beim Kauf eines Pedelecs erst mal tief in die Tasche greifen. Beim Discounter Aldi gab’s kürzlich ein günstiges Einsteigermodell für knapp 700 Euro. Für Markenfabrikate ist aber ganz schnell das Doppelte und mehr fällig.

Doch für Berufspendler könnte sich hier kühles Rechnen durchaus auszahlen. Laut ADAC nämlich kommt ein Autofahrer mit einem Liter Super durchschnittlich 15 Kilometer weit.

Die Batterieladung beim Pedelec dagegen reicht im Schnitt für 40 Kilometer – und kostet gerade mal 5 Cent.

Und wer noch längere Strecken fahren muss, für den gibt’s derweil schon Modelle mit mehreren Akkus und Reichweiten über 100 Kilometer.

In China sind die Räder der Renner

Überhaupt hat sich technisch einiges getan. Fast unsichtbar im Radrahmen oder in Satteltaschen versteckte Hochleistungs-Akkus  sorgen heute in Verbindung mit einem Radnaben- oder Tretlagermotor für rasanten Vortrieb.

 

Allerdings nur dann, wenn der Fahrer auch selbst noch in die Pedale tritt.

Und das funktioniert so: Ein Sensor misst, mit welchem Kraftaufwand gerade geradelt wird. Fährt man gemütlich, leistet der Motor nur sanfte Unterstützung. Gibt der Fahrer aber richtig Kette, dreht auch der Motor auf. Bei Tempo 25 jedoch ist Schluss, da müssen sich die Antriebe automatisch abschalten. Schließlich ist man immer noch auf einem Fahrrad unterwegs, nicht auf einem Elektroroller.

 

Trotzdem ermöglichen die motorisierten Velos auch untrainierten Fahrern Durchschnittsgeschwindigkeiten jenseits der 20 Stundenkilometer.

Wer’s noch rasanter mag: Im Handel sind auch Gefährte erhältlich, die 45 und mehr Stundenkilometer schaffen. Die aber gelten dann als Mofa, brauchen ein Kennzeichen und kosten Steuern.

Übrigens: In Asien sind Bikes mit eingebautem Rückenwind längst der Renner. In China wurden allein im vergangenen Jahr sagenhafte 20 Millionen davon verkauft.

Rut Katzenmaier

 

Info: Pedelecs

Informationen über Pedelecs (steht für „Pedal Electric Cycle“) bietet der gemeinnützige Verein „ExtraEnergy“ sowie das Internetportal „E-Wheels“.

 

Nahezu jeder namhafte Hersteller hat mittlerweile Pedelecs im Angebot. Egal ob City- oder Mountainbike, Liege- oder Faltrad – sämtliche Gattungen gibt’s mittlerweile mit Hilfsmotor. 

Achtung: Oft werden die Pedelecs auch als „E-Bikes“ bezeichnet, obwohl darunter eigentlich nur schnellere, kennzeichenpflichtige Modelle fallen.

 

 

www.extraenergy.org

www.e-wheels.eu

 

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