Lust auf Mord und Totschlag

Regionalkrimis: Das Geschäft mit dem Verbrechen in der Provinz boomt

München. Es klingt nach biederer Hausmannskost: „Winterkartoffelknödel“. Die vielen Fans des gleichnamigen Regionalkrimis aus der niederbayerischen Provinz aber schauen schon voller Vorfreude auf den Herbst. Mitte Oktober kommt die Verfilmung des Buch-Bestsellers in die Kinos.

Dies ist bereits der zweite Film nach Vorlage der Münchner Autorin Rita Falk. Von ihrer Reihe über die Fälle des Dorfpolizisten Franz Eberhofer wurden bereits mehr als zwei Millionen Bücher verkauft.

Dass Regionalkrimis den Weg ins Kino sowie ins Massenmedium Fernsehen finden, ist kein Wunder. Denn auch in den deutschen Buchhandlungen haben die Geschichten über die Verbrecherjagd in der Provinz und menschliche Abgründe auf dem Land bereits ihren festen Platz erobert.

Verkaufszahlen in zwei Jahren verdoppelt

Laut den aktuellsten Zahlen des Nürnberger Marktforschungsunternehmens GfK haben 2012 mehr als drei Millionen Deutsche Regionalkrimis gekauft. Und noch wichtiger: Sie gaben rund 83 Millionen Euro für knapp acht Millionen Bücher aus. Alle drei Werte haben sich gegenüber 2010 verdoppelt.

Bayern scheint dabei das perfekte Umfeld für Mord und Totschlag zu sein. Neben Bestsellern haben auch viele kleine Krimi-Reihen ihre Schauplätze in irgendeinem kleinen Ort zwischen Spessart und Karwendel.

„Verbrechen passen nicht in ein ländliches Idyll, weil man sie dort nicht erwartet“, sagt Melanie Wigbers von der Pädagogischen Hochschule Heidelberg, die über Krimi-Schauplätze geforscht hat. „Deshalb bringt ein Mord schnell alles aus dem Gleichgewicht, und genau das macht den Reiz aus“, erklärt die Expertin. Das ländliche Bayern biete deshalb für Regionalkrimis eine hervorragende Kulisse.

Wichtig für den Erfolg eines Regionalkrimis sei der passende Titelheld, sagt Wigbers. „Er darf ruhig weniger stark oder weniger perfekt sein als ein Großstadt-Ermittler. Der Leser kann sich dann sogar besser mit der Figur aus der Nachbarschaft identifizieren.“ Ein Schuss Komik fördere die Sympathie zusätzlich.

In Kempten gibt es sogar „Klufti“-Führungen

Wie gut diese Kombination aus Landleben, sympathischem Ermittler und Humor gelingen kann, zeigen die sehr erfolgreichen Allgäu-Krimis mit dem kauzigen Kommissar Kluftinger. Mehr als drei Millionen Bücher mit seinen Fällen gingen bereits über den Ladentisch. Dank der ARD war der Kult-Ermittler auch schon im Fernsehen zu sehen.

Die Begeisterung der treuen Fangemeinde ist mittlerweile so groß, dass die Städte Füssen und Kempten sogar spezielle „Klufti“-Führungen zu den Schauplätzen seiner Fälle anbieten.


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