Qualitäts-Siegel

Regionale Lebensmittel: Was Verbraucher über Herkunftsangaben wissen müssen

München. Knackiges Gemüse, frisches Obst, saftiges Fleisch – und das am besten direkt aus der Nachbarschaft. Das Versprechen, heimische Produkte auf den Tisch zu bekommen, lockt immer mehr Verbraucher an.

„Regional erzeugte Lebensmittel sind einer der Megatrends“, sagt Alexander Spickenreuther, Geschäftsführer des Handelsverbands Bayern in München. Im Freistaat wird schon jeder fünfte Euro beim Wocheneinkauf für heimische Lebensmittel ausgegeben – immerhin 5 Milliarden Euro im Jahr.

Der Regio-Trend schlägt mittlerweile sogar die Biowelle – und das nicht nur in Bayern: Bundesweit kaufen über 80 Prozent der Konsumenten mehrmals im Monat regionale Lebensmittel, über 60 Prozent sogar wöchentlich, fand eine aktuelle Studie der Unternehmensberatung A. T. Kearney heraus.

Prangt auf einer Packung ein regionaler Bezug, haben die Verbraucher das Gefühl, Frische und Qualität zu kaufen – und die Produzenten vor Ort zu unterstützen. „Doch das ist oft schlichtweg Verbrauchertäuschung“, sagt Brigitte Hilcher vom Bundesverband der Regionalbewegung im ostwestfälischen Borgentreich. Der koordiniert lokale Vermarktungsinitiativen, in denen sich etwa Landwirte und kleine Einzelhändler wie Bäcker oder Metzger organisieren. Es sei noch nicht einmal definiert, was überhaupt eine Region ist, so Hilcher.

Zwar denkt jeder dritte Verbraucher nach einer Umfrage der Stiftung Warentest, das sei ein begrenzter Raum wie der Spreewald oder die Rhön. Beim 2014 eingeführten Regionalfenster – als hellblauer Button auf rund 2.100 Lebensmittel-Produkten zu finden – kann die Region bis zu fünf Bundesländer umfassen. „Das ist nicht die Vorstellung, die Verbraucher von Regionalität haben“, so Hilcher.

Bei zusammengesetzten Lebensmitteln wie Wurst wird die Kennzeichnung schon vergeben, wenn nur gut die Hälfte der Zutaten aus der angegebenen Region stammt.

Besser schneiden die Siegel der Bundesländer ab, deren Kennzeichen manchmal neben dem Regionalfenster gedruckt sind, wie etwa „Geprüfte Qualität – Bayern“. Hier sollten alle Produkte und Inhaltsstoffe zu 100 Prozent aus dem jeweiligen Bundesland kommen.

Für die Produkte gibt es mehr als 50 unterschiedliche Logos

Es geht noch lokaler: Stammen Lebensmittel komplett aus Teilregionen oder Landkreisen wie dem Bergischen Land oder dem Allgäu, übernehmen oft regionale Vermarktungsinitiativen den Verkauf. Sie präsentieren ihre Produkte mit eigenen Labels. Bundesweit gibt es über 50 davon. Wem das nicht sicher genug ist, dem rät Hilcher: „Kaufen Sie saisonale Lebensmittel beim Bauern oder gehen Sie auf denMarkt und erkundigen Sie sich dort, was aus der Region kommt.“

Für mehr Durchblick soll jetzt die vom Bundesverband der Regionalbewegung zunächst für Mittelfranken in Bayern entwickelte kostenlose RegioAPP sorgen. Hilcher verspricht: „Weitere Regionen und Bundesländer folgen.“


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