Klettern auf Hightech

Raumnetze, Schaukelnester, Wasserlandschaften: So sehen die Spielplätze von morgen aus

Ungewöhnliches Design: Raumnetze mit Stahlrahmen. Foto: Seilfabrik

Berlin. Die Frühlingssonne bringt es ans Licht: Viele der bundesweit 60.000 öffentlichen Spielplätze sind marode. Sie müssen dringend saniert werden.

Schon 2012 schlugen die Prüfer des Tüv Rheinland bei ihrem bundesweiten Spielplatztest Alarm: Von den 50 geprüften Anlagen fielen drei Viertel durch. Urteil der Tester: Oft fehlt ein Fallschutz; zudem können Kinder an schadhaften Klettergerüsten mit Kopf, Arm oder Fingern hängen bleiben. Dringender Handlungsbedarf also. Doch mit Reparieren und Sanieren tun sich viele klamme Kommunen schwer.

Unkaputtbar, wartungsarm – darauf kommt es den klammen Kommunen bei Investitionen in neue Spielgeräte an

„Vielen lässt die finanzielle Lage keinen Spielraum für große Vorhaben“, sagt Ursula Krickl vom Städte- und Gemeindebund. Sie müssen sparen, neue Spielgeräte sollen möglichst 30 Jahre halten. Robuste und langlebige Werkstoffe sind deshalb gefragt – vor allem Stahl, Polyester oder recyceltes Gummi.

Laut Bundesverband der Spielplatz- und Freizeitanlagenbauer hat die Branche in den letzten beiden Jahren insgesamt 150 Millionen Euro Umsatz gemacht, etwa ein Viertel davon im Ausland. Bei der Berliner Seilfabrik etwa stellen 50 Mitarbeiter „Raumnetze“ her. In einem Edelstahlrahmen hängt ein Netz aus Stahlseilen, die mit einem Polyestergarn ummantelt sind. Für solche unterschiedlichen Schaukel-, Schwing- und Drehspielgeräte werden bei der Firma jährlich 500.000 Meter abriebarmes Seil produziert.

„Unsere Geräte sind für Generationen gebaut. Sie sind pflegeleicht und wartungsarm. Die Folgekosten sind gering“, sagt Vertriebsleiterin Cornelia Duckert. Mittlerweile gilt der Hersteller, ein ehemaliger Produzent von Aufzugseilen, als Weltmarktführer. 70 Prozent der 1.000 Netze, die 2013 hergestellt wurden, gingen in den Export – nach Asien, Australien oder in die USA.

Damit eine missglückte Kletterpartie auf solchen Netzen möglichst sanft endet, ist ein Fallschutz wichtig. „Dafür gibt es Matten aus einem Kunststoff-Granulat“, erklärt Sylvia Karras, geprüfte Spielplatz-Sachverständige bei Kraiburg relastec. Die Firma produziert im niedersächsischen Salzwedel 300.000 Quadratmeter dieser Matten im Jahr. Exportquote hier: 90 Prozent – nach Dubai, Katar und China.

Sie bestehen aus einem Granulat, das aus recycelten Lkw-Reifen gewonnen wird. Eine besondere Deckschicht macht sie beständig gegen UV-Licht und Abrieb. „Die Matten trotzen mindestens zehn Jahre Wind und Wetter“, sagt Kunststoff-Ingenieurin Karras. Einmal im Jahr können sie mit einem Hochdruckreiniger vom Schmutz befreit werden.

Auf Stahl wird auch bei Wasserlandschaften gesetzt, einem neuen Trend auf Spielplätzen. Mit Ziehwehren, Schaufelrädern, Staukeilen und Pumpen, wie vom Spielgerätehersteller Richter aus dem bayerischen Frasdorf, lässt sich nach Herzenslust Wasser stauen und umleiten.

Einziges Risiko: nasse Hose, dreckiges Hemd. Dagegen kann auch der Tüv nichts sagen.


Übrigens

Foto: Kraiburg
Foto: Kraiburg

Weich landen

Bunter Schutz: Matten dämpfen Stürze von Gerüsten, Schaukeln oder Kletterbäumen. Die Platten bestehen aus recycelten Lkw-Reifen und trotzen Wind und Wetter mehr als zehn Jahre.

Foto: Kukuk
Foto: Kukuk

Fantasie gefragt

Verwandelbar: Mal wird ein Piratenschiff draus, mal ein Hexenhaus, mal eine Drachenhöhle. Der Spielplatz wird zu dem, was den Kindern gerade vor Ort in den Sinn kommt.

Foto: Richter
Foto: Richter

Planschen erwünscht

Abkühlung garantiert: Bei Hitze durchs Nass waten und das Wasser mit Wehren, Schaufelrädern und Pumpen stauen und umleiten – so bauen sich Kinder heute einen Staudamm. Die Geräte sind alle aus hochwertigem Stahl.

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