Achtung, Grauzone …

Privat eine Pflegehilfe anheuern? Was man vor der Unterschrift wissen sollte

Betreuen, stützen – pflegen? Für die Kinder oft keine einfache Entscheidung. Foto: Fotolia

Düsseldorf. Wenn Oma schwächelt, tut Hilfe oft Not. Und im Internet sind sie schnell zu finden: Helferinnen etwa aus Osteuropa, die für kleines Geld Rund-um-die-Uhr-Betreuung versprechen. Vorsicht! Ein echter 24-Stunden-Dienst wäre ja unbezahlbar – und: „Viele dieser Beschäftigungsverhältnisse bewegen sich in einer rechtlichen Grauzone“, sagt Thorsten Haberstroh von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen.

„Entsendung“ ist nicht ohne Tücken

Auf der ganz sicheren Seite ist man nur, wenn man die Hilfe direkt einstellt. Allerdings ist das wegen der Lohnnebenkosten besonders teuer und mit Papierkrieg verbunden – dementsprechend selten wird es gemacht. Häufiger und unkompliziert ist eine sogenannte Entsendung: Hier ist die Hilfskraft für den deutschen Haushalt bei einer ausländischen Firma angestellt.

Als Laie kann man freilich kaum kontrollieren, ob der Vertrag korrekt ist. „Man sollte sich immer eine Kopie der sogenannten A 1-Bescheinigung geben lassen“, rät Haberstroh. Die dokumentiert, dass im Heimatland Steuern und Sozialabgaben gezahlt werden.

Das Problem bei solchen Verträgen: „Nur der ausländische Chef darf Anweisungen geben – aber in der Praxis macht das natürlich der deutsche Kunde“, sagt Haberstroh. Der wird dann faktisch zum Arbeitgeber, im Zweifel mit allen juristischen Konsequenzen.

Andere Kräfte wiederum arbeiten als Selbstständige auf eigene Rechnung. „Tatsächlich handelt es sich dabei aber in der Regel um Scheinselbstständigkeit“, warnt der Experte. Fliegt so etwas auf, drohen Strafen – und natürlich die Nachzahlung von Steuern und Sozialversicherungsbeiträgen.

Hilfskräfte sind fürs Pflegen oft gar nicht ausgebildet

Um einen klassischen Pflegedienst wird man in vielen Fällen so oder so nicht herumkommen. Die meisten Helferinnen sollten nämlich lieber nur im Haushalt eingesetzt werden: „Fast immer handelt es sich um Personal ohne jede pflegerische Ausbildung“, so Haberstroh. Pflegt so eine Kraft trotzdem mit, heißt das im Klartext: Man vertraut einen womöglich wehrlosen Menschen einer unqualifizierten Hilfe an, die oft kaum Deutsch spricht und von niemandem kon-trolliert wird.

„Vor der Unterschrift unter den Vertrag sollte man sich klarmachen, dass eine fremde Person ins tägliche Leben integriert werden muss“, so Haberstroh. Die Hilfe braucht ein eigenes Zimmer, benutzt Bad und Küche. Zudem sollte man checken, wie die Helferin versichert ist: Schließlich kann sie mal was kaputt machen – oder einen Arbeitsunfall haben.


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