Ruhig Blut!

Online-Bewertungen: So formuliert man sie hilfreich und rechtlich sicher

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Köln. Das teure Luxushotel war in Wirklichkeit laut und schmuddelig. Und die brandneue Designer-Küchenmaschine hat schon nach drei Wochen den Geist aufgegeben. Oder das angesagte Gourmet-Restaurant servierte lauwarmes Dosenfutter: All so was nervt, und mancher macht seiner Enttäuschung im Internet Luft. Kein Einzelfall: Eine aktuelle Umfrage des Branchenverbands Bitkom ergab, dass 43 Prozent der Onlineshopper im Internet Bewertungen abgeben und knapp drei Viertel solche Bewertungen anderer vor dem Kauf lesen.

„Grundsätzlich hat jeder das Recht, seine Erfahrungen im Internet zu veröffentlichen, denn es gilt das Grundrecht auf freie Meinungsäußerung“, sagt der auf Medienrecht spezialisierte Rechtsanwalt Christian Solmecke von der Kölner Kanzlei Wilde Beuger Solmecke. Doch egal, wie übel die Erfahrung war: „Das Internet ist kein rechtsfreier Raum, in dem man beliebig über andere herziehen darf“, warnt der Jurist. Abgesehen davon: Wenn man sich schon die Mühe macht, eine Bewertung zu schreiben, will man ja schließlich, dass andere Kunden auch wirklich etwas damit anfangen können.

Bei der Wahrheit bleiben

Tatsachen müssen Tatsachen bleiben. Egal, wie sauer man ist. Ein Haar im Waschbecken ist noch lange kein völlig verdrecktes Badezimmer. Und wer 30 Minuten beim Arzt im Wartezimmer gesessen hat, darf sich nicht über stundenlange Wartezeiten beschweren. „In jeder Bewertung muss man selbstverständlich bei der Wahrheit bleiben und darf keine Dinge behaupten, die einfach nicht stimmen“, sagt Christian Solmecke. Damit es im Zweifelsfall keinen Ärger gibt, sollte man die fraglichen Sachverhalte möglichst dokumentieren können, beispielsweise durch Fotos.

Konkret werden

Pauschale Aussagen wie „Alles bestens“ bringen dem Leser gar nichts. Im Gegenteil: Viele vermuten dann wohl eher, dass es sich um eine Fake-Bewertung handelt, die von bezahlten Kräften im Akkord geschrieben wurde. Besser also die Dinge möglichst detailliert beschreiben. Statt „nerviges Hotel“ besser „Hotel ist ziemlich laut“ oder noch besser: „Vor dem Hotel befand sich eine Großbaustelle, die ab sieben Uhr morgens sehr laut war.“ Je konkreter man das Ärgernis beschreibt, desto mehr nützt es auch den Lesern der Bewertung. Denn für einen Frühaufsteher, der um sieben Uhr morgens bereits beim Frühstück sitzt, muss der Weckruf der röhrenden Flex nicht unbedingt ein Problem sein.

Meinungen richtig äußern

„Natürlich darf man im Internet nicht nur Tatsachen beschreiben, sondern auch seine Meinung äußern“, sagt Jurist Christian Solmecke. Eine Formulierung wie „Mir persönlich war die Gäste-Animation zu aufdringlich“ ist also völlig in Ordnung. Es ist aber ein Riesenunterschied, ob jemand seine ganz private Meinung äußert oder ob er seine Sicht der Dinge als allgemeingültige Wahrheit präsentiert. Rundumschläge wie „Überall aufdringliche Animateure, die die Gäste den ganzen Tag nerven und niemanden auch nur eine Minute in Ruhe lassen“ also besser vermeiden. Pauschale Herabsetzungen, im Juristendeutsch Schmähkritik genannt, sind nämlich sowohl im echten Leben als auch im Internet nicht erlaubt. Und die Grenze zur persönlichen Meinungsäußerung zieht jeder Richter ein wenig anders.

Sachlich bleiben

Auch wenn man wirklich wütend ist, sollte man halbwegs sachlich bleiben. „Ein Scheiß-Restaurant mit einem unfähigen Idioten als Kellner und dem miesesten Essen aller Zeiten“: Solche Wutausbrüche oder gar persönliche Rachefeldzüge nimmt kaum jemand ernst, man erreicht also eher das Gegenteil.

Mit Pech droht sogar echter Ärger: Wer so richtig deftig ablästert und damit beispielsweise ein Restaurant regelrecht fertigmacht, muss mit Schadenersatzforderungen rechnen. Im Extremfall drohen Geldstrafen oder sogar Gefängnis. Schließlich können sich üble Hasstiraden im Internet massiv auf den Umsatz auswirken, und das lässt sich nicht jedes Unternehmen klaglos gefallen.

„Beleidigungen und Schmähkritik sind auch im Internet strafbar. Es ist selbst bei einem anonymen Posting kein Problem, den Urheber über die IP-Adresse des Computers zu identifizieren“, warnt Christian Solmecke. Und Hand aufs Herz: So würde man von Angesicht zu Angesicht ja schließlich auch nicht herumpöbeln – warum also im Internet?


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