Erbrecht: Warum der Letzte Wille so wichtig ist

Ohne Testament gibt es oft böse Überraschungen

Das erste Wort: Mit „Mein“ fängt der Letzte Wille meistens an. Foto: Strassmeier

Köln. Mal eine halbe Stunde an den eigenen Tod denken: Im Wonnemonat Mai fällt das wohl leichter als an trüben Herbsttagen. Und man sollte sich das jetzt ruhig mal antun – und sein Testament machen! Denn ohne gibt es später in vielen Fällen ungeahnten Ärger.

Etliche Beispiele dafür kann Jan Bittler aufzählen, Fachanwalt für Erbrecht und Geschäftsführer der Deutschen Vereinigung für Erbrecht und Vermögensnachfolge. Etwa das Beispiel vom jungen Ehepaar ohne Kinder, das schon in der eigenen Wohnung lebt.

Familiengericht mischt schnell mit

„Stirbt einer der Partner, und es gibt kein Testament, sitzen plötzlich die Schwiegereltern mit in der Eigentümergemeinschaft!“ So erklärt Bittler eine ungewollte Konsequenz, die die gesetzliche Erbfolge vorgibt.

Sind schon Kinder da, ist ein Testament ebenfalls sinnvoll: „Sonst bilden die Kinder eine Erbengemeinschaft mit dem überlebenden Elternteil – dann schaltet sich schnell das Familiengericht ein, um die Interessen der Minderjährigen zu vertreten“, sagt Bittler.

Und selbst ein kinderloser Single sollte seinen Letzten Willen festlegen, rät der Experte – wenn „ein halbwegs werthaltiger Nachlass“ vorhanden ist. „Sonst müsste am Ende ein Erbermittler irgendwelche entfernten Verwandten ausfindig machen, die der Verstorbene nicht einmal gekannt hat.“

Nun ist ein Testament im Prinzip schnell und einfach zu haben. Es muss komplett mit der Hand geschrieben und per Hand unterschrieben werden – fertig. Oft genügen ein paar klare Sätze, Ort und Datum können nicht schaden.

Sollte man eigentlich seinen Kindern erklären, was auf sie zukommt?

Ehepartner machen sinnvollerweise ein gemeinsames Testament: Sie können sich gegenseitig zu Alleinerben und die Kinder als sogenannte Schlusserben einsetzen. Dass die Kinder dann zu gleichen Teilen erben sollen, ist ebenfalls schnell formuliert.

Soll dabei die Herrenuhr an den Sohn oder das Porzellan-Service an die Tochter gehen, nimmt man das ausdrücklich mit in den Text auf, als „Vermächtnis“. Bittler rät dazu, den Inhalt des Testaments „mit den Erben grob zu besprechen, solange sie in etwa gleich behandelt werden“.

In kniffligeren Fällen sollte man aber einen Anwalt zurate ziehen. Etwa, wenn es Kinder aus mehreren Beziehungen gibt. Oder wenn Kinder bewusst ungleich behandelt werden sollen. Oder wenn der Nachwuchs zugunsten des Tierschutzvereins leer ausgehen soll …

Helfen kann dann auch ein Testamentsvollstrecker. In unserem Premium-Angebot erklären wir jetzt, was er alles darf – und was er kostet.


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Setzen sich Paare gegenseitig als Alleinerbe ein, haben sie dafür oft gute Gründe: Sie wollen den Partner absichern. Doch die Entscheidung sollte nie ohne Anwalt getroffen werden – denn das Berliner Testament birgt auch einige Tücken.

Dafür, dass der Letzte Wille später tatsächlich befolgt wird, kann ein Testamentsvollstrecker sorgen. Im Gespräch mit AKTIV erklärt ein Experte, wen man zum Vollstrecker ernennen kann und worauf man dabei achten sollte.

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