Lebenslanges Lernen

Ohne Köpfchen keine Zukunft


Trendforscher Matthias Horx zur Arbeitswelt von morgen

Lebenslanges Lernen gewinnt an Bedeutung, heißt es. Ist das unsere Zukunft? Wie sieht in 20, 30 Jahren die Arbeit aus? Werden wir ständig lernen?

AKTIV fragte den renommierten  Zukunftsforscher Matthias Horx aus Kelkheim. Seine Antwort: „Wenn wir Wachstum und Wohlstand wollen, ja. Denn wir wandeln uns immer mehr zur Wissensgesellschaft.

„Wissen, Know-how und Technik entwickeln sich weltweit immer schneller weiter“, schildert Horx. „Zudem sind die Märkte bei vielen Produkten gesättigt und die Konkurrenz  wächst.  Erfolg  hat  man nur mit den besten Ideen, dem raffiniertesten Know-how und der neuesten Technik.“ Im Wettbewerb mit Firmen in Asien und den USA werden nur die Betriebe mit den besten Technikern, Ingenieuren und Designern die Nase vorn haben.

Lernphase „mit 40“ wird normal sein

Die Arbeitswelt unserer Kinder und Enkel wird anders aussehen als die heutige, betont Horx: „Die Hälfte der Deutschen wird zur Uni gehen. Die Jungen werden drei-, viermal in ihrem Leben den Beruf wechseln. Sie werden dabei immer wieder Neues hinzulernen. Und mit 40 Jahren noch mal eine Lernphase einzulegen, das wird normal sein.“

Der Trend von der Hand- zur Kopfarbeit zeigt sich ja schon lange: Waren noch im Jahr 1900 weltweit 83 Prozent der Beschäftigten Arbeiter, so waren es 1960 schon nur noch 51 Prozent und im Jahr 2000 lediglich 38 Prozent. Der Anteil der Wissens-, Büro-, Handels- und Dienstleistungsjobs nahm in der gleichen Zeit von 14 auf 51 Prozent zu. Tendenz weiter steigend.

Doch geht das überhaupt, lebenslang lernen? Viele zweifeln daran. Die deutschen Sprichwörter sagen uns da nämlich etwas anderes: „Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr.“ Und: „Einem alten Esel bringt man keine Handstände bei.“

Hinzu kommt: „Wir denken, dass wir irgendwann fertig sind mit Lernen“, kritisiert Horx. „Die Sprache verleitet dazu. Wir sagen: Wir sind ausgebildet, wir haben einen Ab-Schluss.“ Und daraus wird im Handumdrehen ein Anspruch: Man ist Facharbeiter oder Meister und hat einen Job für den Rest des Lebens.

„Irrtum!“, warnt Horx. „Das ändert sich.“ Und zwar schon heute. Zum Beispiel, wenn auf einmal eine neue, für die Firma überlebenswichtige Technik in den Betrieb kommt. Da ist das bisherige Know-how plötzlich nicht mehr viel wert. Und die Beschäftigten müssen im Schnellkurs die neue Anlage in den Griff  bekommen.

Auch Ältere können noch lernen

Doch keine Bange: Es geht, sagt Horx. „Die neuere Hirnforschung und die Psychologie sagen, dass auch Ältere noch lernen können. Entscheidend ist, ob einem das Lernen Spaß macht oder nicht. Wer gerne lernt, dem fällt es leichter, sich neues Know-how anzueignen.“ Und das bringt wieder Erfolgserlebnisse.

Wenn auch die Chefs gern hinzulernen, hier also Vorbild sind, dann entsteht schnell so etwas wie eine „Lernkultur“ im Betrieb, schildert Horx. „Die ,alten Hasen’ bringen den Jungen bei, wie der Laden läuft. Und die Jungen geben ihre Computer-Kniffe an die Älteren weiter. Dann läuft das von selbst.“ So ein Betrieb wird mit jeder neuen Technik-Herausforderung fertig.

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