Online-Profil statt Immobilien-Makler

Neue Internetportale für die Wohnungs- und Mietersuche: Taugen die was?

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Berlin. Wer heutzutage eine Wohnung sucht, braucht beim obligatorischen Besichtigungstermin oft viel Zeit und starke Nerven. In einigen Städten sind ewig lange Warteschlangen durch das gesamte Treppenhaus mehr oder weniger normal. Hat man es dann endlich in die Wohnung geschafft, braucht man Ellenbogen aus Stahl, um sich gegen die drängelnden Menschenmassen durchzusetzen. Dementsprechend mickrig sind die Erfolgsaussichten.

Wohnungsgesuche wie beim Online-Dating

Neue Suchportale wie etwa faceyourbase.com, mietercasting.de oder smmove.de wollen diese nervige Situation ändern. Sie versprechen eine passgenaue Vermittlung statt Massenabfertigung. Dazu muss der Mieter sich selbst mit einem Profil präsentieren, ähnlich wie beim Online-Dating. Je nach Anbieter ist das Profil mehr oder weniger detailliert, beispielsweise mit Fotos, Familienstand, Gehaltsnachweisen oder Schufa-Auskunft. Der Vermieter kann sich dann bequem am Computer die passenden Interessenten aussuchen und gezielt Besichtigungstermine vergeben.

Einige Anbieter versprechen eine bestimmte Maximalzahl von Bewerbern beim Besichtigungstermin, etwa nicht mehr als zehn Personen. Es gibt auch Auktionen, bei denen die Interessenten für ihre Traumwohnung Gebote abgeben. Je mehr Miete man bietet, desto eher winkt der Vermieter mit einem Vertrag. Einen Überblick über die wichtigsten Plattformen, der allerdings eher für Vermieter gedacht ist, gibt es bei Stiftung Warentest: test.de

Nicht immer kostenlos

Häufig sind die Angebote für Mieter kostenlos, manchmal wird aber auch eine mehr oder weniger saftige Gebühr für die Vermittlung, die Besichtigung oder irgendwelche Serviceleistungen verlangt. „Meiner Einschätzung nach handelt es sich dabei um unzulässige Provisionen“, sagt Jurist Ulrich Ropertz, Geschäftsführer des Deutschen Mieterbunds. Ob man also wirklich zahlen muss, werden wohl irgendwann die Gerichte entscheiden. Gut zu wissen: Auch für die Wohnungsportale gilt das 14-tägige Widerrufsrecht.

Vier Wände gegen viele Daten

Die neuen Portale, so verspricht es zumindest die Werbung, sollen sowohl Mietern als auch Vermietern viel Zeit und Nerven für unnötige Telefonate und stressige Besichtigungstermine ersparen. Dabei sollen die Chancen auf einen Mietvertrag umso höher sein, je mehr Details Mietinteressenten in ihrem Profil nennen. „Dadurch entsteht in der Praxis eine Art Wettrennen zwischen den Interessenten, möglichst viele persönliche Informationen preiszugeben“, sagt Ulrich Ropertz. Und genau das ist der Haken an der Sache. Schließlich geht es dabei um ganz private Dinge wie das Einkommen, den Arbeitgeber oder den Lebenspartner.

„Man weiß nie, wer letztlich tatsächlich Zugriff auf diese sensiblen Daten bekommt“, warnt Jurist Ropertz. Zwar versprechen die Portale Datenschutz, aber blumige Formulierungen à la „Bei uns sind Ihre Daten sicher“ sind aus juristischer Sicht völlig wertlos. Im Kleingedruckten steht häufig etwas anderes, beispielsweise, dass die Daten an alle registrierten Vermieter weitergegeben werden dürfen oder auch an andere Firmen, mit denen das Portal zusammenarbeitet.

Geringes Wohnungsangebot

Letztlich muss jeder selbst entscheiden, ob er einem solchen Portal wirklich so viele detaillierte Informationen geben will, um seine Chancen auf dem Wohnungsmarkt minimal zu erhöhen. Schließlich haben die Portale derzeit meist nur wenige Wohnungen im Angebot.

Oft gibt es auch nur Wohnungen aus einer bestimmten Stadt, beispielsweise Berlin oder Hamburg. Das liegt zum einen daran, dass die Anbieter noch ziemlich neu auf dem Markt und dementsprechend unbekannt sind. Zum anderen liegt es schlicht und ergreifend daran, dass es in Ballungsgebieten derzeit einfach viel zu wenig Wohnungen gibt. Interessante Objekte werden bekanntlich kaum noch in Anzeigen angeboten, sondern gehen vielfach unter der Hand weg. Und Wohnungen, die einfach nicht auf dem Markt sind, kann auch das tollste Portal niemandem vermitteln.


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Ob etwa bei Kreditanträgen, Wohnungssuche oder Ratenkäufen: Oft hat die Schufa ein Wörtchen mitzureden. Doch sind nicht alle von ihr gespeicherten Daten unbedingt fehlerfrei, was Sie bares Geld oder einen Vertragsabschluss kosten kann.

Im August und September beginnen viele junge Menschen ihre Ausbildung. Für die meisten wird es daher höchste Zeit, auf Wohnungssuche zu gehen. Was man dabei beachten sollte, zeigt diese Checkliste.

Wer für einige Wochen eine Bleibe sucht, wohnt in einer möblierten Unterkunft zur Zwischenmiete oft praktischer und gemütlicher als im Hotel. Wie man per Mitwohnzentrale ein gutes Dach über dem Kopf findet, lesen Sie hier.

Normalerweise ist er die größte Anschaffung des Lebens: der Kauf einer eigenen Immobilie. Es gilt also, sich vor dem Gang zum Notar so gut wie nur irgend möglich zu informieren – sowohl, was das Objekt selbst und seine Lage betrifft, als auch über die Baufinanzierung.

aktualisiert am 27.09.2017

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