Na dann: Prost!

Neue Hopfensorten sollen den sinkenden Bierkonsum in Deutschland ankurbeln


München. Ein Bier mit Zitronen­aroma – ausgerechnet in München, Deutschlands Biermetropole! Das klingt nach einer wahren Geschmacksrevolution.

Angezettelt wurde sie von Mario Hanel und Timm Schnigula. Die beiden Münchener tüfteln seit zwei Jahren an immer neuen Geschmacksrichtungen: „Wir wollen spritzige Aromen statt herbem Einheitssud“, sagt Bierrebell Hanel.

Ob Zitrone, Melone, Mango oder Mandarine: Mit ihrer Geschmacks-offensive bringen Kleinbrauer wie Hanel und Schnigula den deutschen Biermarkt kräftig zum Gären. Das ist auch nötig. Denn die Deutschen haben immer weniger Durst auf Pils, Kölsch, Weizen & Co. Im vergangenen Jahr lag der Pro-Kopf-Verbrauch nur noch bei gut 107 Litern. Das sind fast 10 Liter weniger als 2004.

1.300 Brauereien stellten im vergangenen Jahr 95 Millionen Hektoliter Bier her

Die mehr als 1.300 deutschen Brauereien erzeugten 2012 fast 95 Millionen Hektoliter Gerstensaft und machten damit knapp 8 Milliarden Euro Umsatz. Damit liegt Deutschland weltweit auf Platz fünf der bedeutendsten Bier produzierenden Länder.

Zwar sind die heimischen Brauer noch immer stolz auf ihre 5.000 verschiedenen Biersorten. „Sie haben es aber versäumt, interessante und spannende Biere zu machen“, sagt Georg Schneider. „Das ist etwas zum Einheitsbrei geworden“, so der Präsident der Freien Brauer und Chef der Weißbierbrauerei Schneider im bayerischen Kelheim.

Junge Kreative wie die Münchener Schnigula und Hanel setzen deshalb auf neuartige Hopfensorten für ihr „Pale Ale“. In diesen Aromabieren stecken mindestens fünf Hopfenarten. So entstehen keine Mix-Getränke, sondern echte Biere, streng gebraut nach dem fast 500 Jahre alten Reinheitsgebot.

Der Trick: Die Hopfen-Dolden werden nicht im Sudhaus, sondern erst im Lagerkeller dem fast fertigen Bier hinzugefügt. „Bei diesem Hopfenstopfen bleibt viel Aroma erhalten“, erklärt Braumeister An­dreas Gahr von der Forschungsbrauerei in St. Johann (Kreis Kelheim): „Das Bier wird komplexer, intensiver, spannender.“

Der Trend, unterschiedliche Hopfensorten zu kombinieren, stammt aus den USA. Dort kreieren kleine Handwerksbrauer besonders aromatische Biere. Diese „Craft Brewer“ brauen ihren Gerstensaft aus bis zu 55 verschiedenen Pflanzen. In Deutschland sind es gerade mal die Hälfte. Im Vergleich zu deutschem Pils benötigen solche Biere viermal so viel Hopfen. „Da explodiert der Geschmack auf der Zunge. Solche Nischenbrauereien sind unser Vorbild“, so Kleinbrauer Mario Hanel.

Die neuen Aromen sind nicht jedermanns Geschmack. „Sie zeigen aber, dass hier eine Revolution begonnen hat“, sagt Stephan Barth, Chef der Barth-Gruppe aus Nürnberg, einem weltweit agierenden Hopfenhändler. Er schätzt, dass 30 bis 50 Betriebe hierzulande die neuen Hopfensorten schon nutzen. Ungefähr die doppelte Anzahl experimentiere noch oder stehe kurz vor der Markteinführung.

So betreibt Paulaner eine eigene Kleinbrauerei im Münchener Eiswerk, und die Kölner Privatbrauerei Gaffels bietet ein naturtrübes Hopfenbier an – mit Zitronengeschmack. Der darin verarbeitete Hopfen stammt aus den USA. Dort werden Ende September beim „World Beer Award“ wieder die besten Biere der Welt gekührt.

Dazu gehörte im vergangenen Jahr zumindest in der Kategorie Weizenbier auch ein deutsches. Es stammt aus den Kellern der bayerischen Brauerei Weihenstephan, der ältesten der Welt.

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