Automobilausstellung

Neue Autos für eine bessere Umwelt


Spritfresser sind out – Hersteller setzen auf Öko-Mobile

Bühne frei für die Autos von morgen! In knapp vier Wochen startet die weltgrößte Automobil-Ausstellung IAA in Frankfurt. Im Mittelpunkt stehen weniger die spektakulären Superschlitten und starken Motoren. Denn: Die Autobauer machen Tempo beim Umweltschutz.Ein „Ideenfeuerwerk für sparsame Autos“ kündigt der Präsident des Verbands der Automobil-Industrie (VDA), Matthias Wissmann, an. Auf beinahe jedem Stand findet sich eine Ökozone. Hier haben die Verringerung des klimaschädlichen Kohlendioxids (CO2) und die Senkung des Treibstoffverbrauchs klar Vorfahrt vor Vollgas und PS-Orgien.

Mit neuen Motoren und pfiffigen Ideen wollen Hersteller und Zulieferer beweisen, dass Sparen und Spaß am Fahren keine Gegensätze sein müssen.Beispiel Mercedes: Der jüngste Beitrag der Schwaben zum Klimaschutz heißt „DiesOtto“. Dieser neuartige Antrieb lässt den Verbrauch deutlich sinken.

Sauberer Diesel hat Zukunft

„Unser Ziel ist es, den Benziner so sparsam wie den Diesel zu machen“, sagt der Chef der Konzernforschung des Autobauers, Herbert Kohler. Immerhin verbraucht ein moderner Selbstzünder mit Direkteinspritzung gut 30 Prozent weniger Kraftstoff und pustet gut 25 Prozent weniger CO2 in die Luft als vergleichbare Benzinmotoren.

Auf der IAA will Mercedes einen Prototyp des „DiesOtto“ in einer Limousine der S-Klasse zeigen, der bei einer Leistung von 238 PS aus vier Zylindern mit 1,8 Liter Hubraum weniger als sechs Liter Superbenzin pro 100 Kilometer verbraucht – ein kleines Wunder!

„ Wer weniger tankt, liegt vorn“, ist auch die Überzeugung bei Audi. Die Ingenieure aus Ingolstadt haben hart gearbeitet, um aus Motor und Kraftstoff das Maximum an Leistung herauszuholen. So zeichnet sich der neue Audi A3 1.9 TDI e durch einen Verbrauch von nur 4,5 Litern pro 100 Kilometer und einem CO2-Wert von 119 Gramm pro Kilometer aus (160 sind heute Durchschnitt).

Höhere Leis tung, geringerer Verbrauch – das ist auch bei der BMW Group die Richtschnur für alle neuen Varianten bei Benzin- und Dieselmotoren.Die Münchner Autobauer haben ihren Motoren den Durst abgewöhnt. Das sind die Knauser-Kniffe, die tröpfchenweise Sprit sparen: Leichtbau-Motoren aus Aluminium, Start-Stopp-Automatik, Rückgewinnung von Bremsenergie, reibungsoptimierte Ölpumpen, verschließbare Lüfterklappen im Kühlergrill. In der Summe senkt das den Verbrauch deutlich. Ein BMW 118d mit 143 PS wird so zum Vier-Liter-Auto.

 

Unsere Autoindustrie hat beim Klimaschutz aufgedreht. An den Entwicklungen wird in enger Zusammenarbeit mit den Zulieferern gearbeitet.

Ergebnis: „Ein moderner Dieselmotor braucht den Vergleich mit einem Hybridantrieb nicht zu scheuen“, sagt BMW-Vorstandschef Norbert Reithofer. Unbestritten hätten heutige Hybridautos Vorteile im städtischen Stop-and-go-Verkehr. Reithofer: „Auf langen Strecken aber ist der Diesel doch überlegen.“

 

Große Auswahl an Spar-Modellen

Dennoch: Der Sportwagenbauer Porsche stattet seinen Geländewagen Cayenne demnächst mit einem Hybridantrieb (Benziner kombiniert mit Elektromotor) aus. Es ist Trend der Zeit: Viele Autohersteller bieten, der Nachfrage folgend, neben Benzin- oder Dieselmotoren auch Hybrid-Varianten auf Erdgas- oder Elektrobasis an. Auf Fahrzeuge, die mit Benzin und Erdgas gefahren werden können, setzt Ford. Der Kompakt-Van C-Max CNG, dessen fünf Tanks künftig 107 statt 90 Liter fassen, kommt im September auf den Markt.

Elektroantrieb statt Hybrid bevorzugt man bei Opel. GM- Europa-Chef Carl-Peter Forster begründet: „Für kleinere Fahrzeuge ist die Hybridtechnik zu teuer.“ In jeder Opel-Modellreihe wird künftig ein besonders verbrauchsgünstiges „Ecoflex“-Modell angeboten. Die Vielfalt der Antriebskonzepte auf der IAA zeigt: Es gibt viele Möglichkeiten, sich mit einem Auto fortzubewegen. Wohin technisch letztlich die Reise geht, entscheiden nicht zuletzt die Autokäufer.

Michaela Geiger

 

 

„Wir haben schon viel erreicht“

Die Zulieferindustrie spielt bei der Entwicklung von Spar-Autos eine große Rolle

AKTIV: Die kommende IAA steht unter dem Leitbegriff „nachhaltige Mobilität“. Wird das jetzt eine Art „Frankfurter Grüne Woche“? Wissmann: „Nachhaltige Mobilität“ umfasst viel mehr als nur Öko. Es geht darum, wie wir die knapper und teurer werdenden fossilen Energien nutzen und welche Alternativen wir – Stichwort Biokraftstoffe – dazu entwickeln.

Vor allem aber steht die Frage der Kraftstoffeffizienz im Mittelpunkt. Fahrdynamik und Wirtschaftlichkeit müssen sich ja nicht ausschließen.

Wie reagiert die Autoindustrie auf die Kundenwünsche?

 

Wir haben bereits viel erreicht und den durchschnittlichen Kraftstoffverbrauch deutscher Neufahrzeuge gegenüber 1990 um 25 Prozent reduziert. Die deutschen Hersteller haben über 330 Modelle im Angebot, die beim Verbrauch unter 6,5 Liter pro 100 Kilometer liegen, davon schlucken mehr als 50 Autos weniger als fünf Liter.

Gleichzeitig vernachlässigen wir aber auch nicht unser Premiumsegment, das diese Industrie auf den Weltmärkten so erfolgreich gemacht hat. Auch hier gilt: Mehr Leistung muss nicht mehr Verbrauch heißen, sondern mehr Effizienz.

 

Wie unterstützt denn die Politik den Umstieg auf klimafreundliche Fahrzeuge?

Das Durchschnittsalter der Pkws im heutigen Bestand liegt bei 8,1 Jahren, so hoch wie nie zuvor. Eine Erneuerung dieses Bestands wäre das beste Umwelt- und Konjunkturprogramm, denn die neuen Autos sind nicht nur sparsamer, sondern auch sauberer. Die CO2-Emissionen werden gesenkt. Das kann auch heißen, dass eine CO2-basierte Kfz-Steuer – und dafür treten wir ein – für die Halter von besonders verbrauchsarmen Fahrzeugen ganz ausgesetzt wird. Steuerliche Anreize wirken meist besser als reine Strafsteuern.

Wie kann die Zulieferindustrie von den Anstrengungen für den Klimaschutz profitieren?

Den Zulieferern kommt bei der Steigerung der nachhaltigen Mobilität eine ganz wesentliche Rolle zu. Schließlich entfällt auf sie rund drei Viertel der Wertschöpfung eines Automobils.

Haben Sie Beispiele?

Ob Motorsteuerung, Abgasnachbehandlung oder Start-Stopp-Automatik – überall kommen Elektronik und Sensorik ins Spiel, die von Zulieferern entwickelt und produziert werden. Ohne den Beitrag der Entwicklungspartner sind die anspruchsvollen Ziele bei der Effizienzverbesserung nicht zu schaffen. Wir stehen also vor einer gewaltigen Kraftanstrengung, die nur gemeinsam zu bewältigen ist.

MIG

AKTIV verlost Eintrittskarten

  • „Sehen, was morgen bewegt“ – so das Motto der IAA vom 13. bis 23. September in Frankfurt. Öffnungszeiten: von 9 bis 19 Uhr.
  • Anreise: Mit dem Pkw bis Autobahnabfahrt Frankfurt West/Messe oder IAA-Schildern bis zu ausgewiesenen Parkplätzen folgen.
  • Tageskarten kosten am Wochenende 15 Euro, werktags 13 Euro. Schüler, Studenten, Auszubildende, Wehr- und Zivildienstleistende zahlen 7,50 Euro, Behinderte 5 Euro. Vom 17. bis 21.September gibt es ab 15 Uhr an den Kassen vor Ort Feierabendtickets für 8 Euro. Weitere Informationen unter www.iaa.de
  • Karten zum Nulltarif: AKTIV verlost fünfmal zwei Eintrittskarten. Schicken Sie einfach eine Postkarte an: Wirtschaftszeitung AKTIV, „IAA“, Postfach 510670, 50942 Köln. Einsendeschluss: 31. August 2007. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

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