Cold call: Welche Regeln gelten da genau?

Nervige Werbeanrufe muss man nicht klaglos erdulden

Foto: Fotolia

Bonn. Werbung per Telefon – das ist auch im Zeitalter des Internets durchaus noch gängige Praxis. Die Bundesnetzagentur in Bonn zählte allein im Vorjahr mehr als 26.000 Beschwerden wegen unerlaubter Werbeanrufe. Die Dunkelziffer ist wohl deutlich höher; nicht jeder, der mal einen sogenannten Cold Call bekommt, startet gleich eine offizielle Beschwerde. Was auch daran liegen mag, dass viele nicht um ihre Rechte wissen.

„Grundsätzlich ist für Werbeanrufe aller Art eine vorherige Einwilligung des Verbrauchers erforderlich“, erklärt Michael Reifenberg, Sprecher der Bundesnetzagentur. Oft genug rufen Anbieter aber einfach ohne diese Genehmigung an. Manchmal hat man die Einwilligung aber auch erteilt, ohne es zu bemerken – beispielsweise, weil man irgendwann an einem Gewinnspiel mit viel Kleingedrucktem teilgenommen hat. „Ob die Einwilligung vorliegt oder nicht, ist nicht immer einfach zu erkennen – und muss im Zweifel vom Gericht entschieden werden“, sagt Reifenberg.

Hat man dagegen schon einen laufenden Vertrag mit einer Firma, darf diese den Kunden auch ohne ausdrückliche Einwilligung anrufen. „In diesem Fall darf es in dem Telefonat aber nur um den bestehenden Vertrag gehen“, betont der Experte. Ein Telefonanbieter beispielsweise darf also anrufen, um dem Kunden einen neuen Telefontarif schmackhaft zu machen – nicht jedoch, um ihm eine Versicherung zu verkaufen.

Die Rufnummer muss erkennbar sein – hilft aber manchmal nicht weiter

So oder so muss der Anbieter seine Rufnummer mitsenden, Anrufe mit unterdrückter Nummer sind nicht erlaubt. Allerdings ist es heutzutage technisch kein Problem mehr, die angezeigte Telefonnummer zu manipulieren: Wenn beispielsweise ein Ortsgespräch angezeigt wird, kann es durchaus sein, dass der Anrufer irgendwo im Ausland sitzt.

Auch deshalb sollte man auf keinen Fall irgendwelche Telefonnummern zurückrufen, um dort beispielsweise Informationen zu bekommen oder einen angeblichen Gewinn einlösen zu können. Womöglich wird man nur auf eine superteure kostenpflichtige Nummer geleitet, was dann für eine böse Überraschung auf der nächsten Telefonrechnung sorgt.

Grundsätzlich ist es nicht verboten, Produkte oder Dienstleistungen am Telefon zu verkaufen. „Ein telefonischer Kaufvertrag kann wirksam sein, eine schriftliche Bestätigung ist nicht unbedingt notwendig“, sagt Reifenberg. Und so gibt es immer wieder unseriöse Abzocker, die dem Kunden etwas unterjubeln, was er weder braucht noch will.

Wer sich dann auf den Standpunkt stellt, dass im Telefonat kein Vertrag geschlossen worden sei, hat oft schlechte Karten: Häufig zeichnen die Anrufer die Telefongespräche auf und können so den Vertragsabschluss beweisen. Der angerufene Kunde wiederum zeichnet Telefonate ja normalerweise nicht auf – kann also auch nicht überprüfen, ob die Aufnahme vielleicht sogar manipuliert wurde.

Im Zweifel kann man einfach das Widerrufsrecht nutzen

Es gibt aber eine andere Lösung, die der Angelegenheit elegant ein Ende bereitet: „Bei telefonisch abgeschlossenen Verträgen greift das 14-tägige Widerrufsrecht“, erklärt Reifenberg. Wer also nicht sicher ist, ob ein Werbeanruf möglicherweise unerwünschte Konsequenzen hat, sollte die Post aufmerksamer kontrollieren als üblich. „Häufig werden Schreiben verschickt, die aussehen wie ein Informationsschreiben – in Wirklichkeit aber eine Vertragsbestätigung sind“, so die Erfahrung des Experten. Manchmal kommen auch Begrüßungsgeschenke, gerne gleich mit einer Rechnung.

Man sollte entsprechende Sendungen auf keinen Fall ignorieren, sondern sofort schriftlich widersprechen und gegebenenfalls die Ware zurückschicken. Um bei so einem Widerspruch keine Fehler zu machen, kann man sich beraten lassen, beispielsweise bei der örtlichen Verbraucherzentrale.

Keinerlei Bankdaten am Telefon verraten!

Fachliche Beratung ist absolut unverzichtbar, wenn schon Geld vom Konto abgebucht wurde. „In diesen Fällen reicht es nicht aus, den Betrag von der Bank wieder zurückbuchen zu lassen. Man sollte zusätzlich schriftlich beim Anbieter widersprechen“, warnt Reifenberg. Ansonsten riskiert man ein Hin und Her von Rückbuchungen und erneuten Abbuchungen – und muss am Ende vielleicht sogar bezahlen, weil man nicht widersprochen hat. Sein Tipp: Am Telefon auf gar keinen Fall eine Bankverbindung, eine Kreditkartennummer oder ähnlich sensible Daten mitteilen.

Wer Werbeanrufe generell abblocken will, kann sich kostenlos in die „Robinsonliste“ eintragen. Dann ist die eigene Nummer zumindest für seriöse Callcenter tabu. Allerdings gleichen nicht alle Anbieter ihre Datensätze mit dieser Liste ab – und Abzocker werden sich so auch kaum abschrecken lassen.

Nervt ein Telefonverkäufer, sollte man dem Anrufer klar sagen, dass man nichts kaufen will und keine weiteren Anrufe wünscht. Sicherheitshalber sollte man sich die Telefonnummer, den Namen des Anrufers und des Unternehmens sowie Datum und Uhrzeit des Anrufs notieren. Seriöse Unternehmen rufen dann normalerweise nicht wieder an.

Beschwerde bei der Bundesnetzagentur

Bei unseriösen Anbietern, die es trotzdem immer wieder versuchen, ist es nicht sinnvoll, sich auf Debatten einzulassen. Hier sollte man einfach den Hörer auflegen. Bei modernen Telefonen kann man die Nummer auch auf die sogenannte Blacklist setzen, dann klingelt es nicht mehr.

Außerdem kann man sich über die Firma beschweren. Unerlaubte Werbeanrufe sind eine Ordnungswidrigkeit, die sehr teuer werden kann: Je nach Einzelfall sind Geldbußen von bis zu 300.000 Euro drin. Beschweren kann man sich ganz einfach direkt bei der Bundesnetzagentur.


Artikelfunktionen


Diese Beiträge könnten Sie auch interessieren:

'' Zum Anfang