Checkliste

Nachhilfe: Darauf sollten Eltern achten

Fotolia

Mehr als eine Million Schüler bekommen in Deutschland nach einer Studie der Bertelsmann-Stiftung Nachhilfe – und die lassen sich die Eltern stattliche 1,5 Milliarden Euro pro Jahr kosten. Doch welche Förderung ist die Richtige? Kann der Oberstufenschüler von nebenan helfen oder führt doch kein Weg an den großen Pauk-Instituten vorbei? Diese Checkliste verrät, wie Nachhilfe sein muss, damit sie auch wirklich hilft.

Die Schule einbeziehen

„Eigentlich müsste eine Nachhilfe in den Schulen organisiert werden, deshalb sollten sich Eltern zunächst in der Schule erkundigen, ob es Lerngruppen oder Ähnliches gibt“, sagt Martina Schmerr vom Vorstandsbereich Schule der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). „Dort werden oft auch private Nachhilfelehrer empfohlen.“ Ganz wichtig: Eltern sollten gemeinsam mit dem Fachlehrer ausloten, wo genau die Schwächen des Nachwuchses liegen. Der Nachhilfelehrer braucht diese Information, um gezielt mit seinem Schützling zu arbeiten.

Privatlehrer oder Nachhilfe-Institut?

„Eltern sollten mit ihrem Kind darüber sprechen, welche Lösung besser passt“, sagt Martina Schmerr vom Vorstandsbereich Schule der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Vorteil des Privatlehrers: Er kümmert sich individuell um seinen Schüler, kann gezielt auf Schwächen eingehen. Im Institut profitieren die Schüler von der gemeinschaftlichen Lernsituation und erkennen, dass sie mit ihren Problemen nicht alleine dastehen.

Mehrere Anbieter kontaktieren

Gerade bei Nachhilfe-Instituten gilt: Unbedingt mehrere Anbieter kontaktieren, sich ausführlich beraten lassen. „Der Markt wird immer größer“, sagt die GEW-Expertin. „Wir bemängeln die Kommerzialisierung. Es gibt unzählige große Institute, die Qualität ist aber nicht immer großartig.“ Eltern sollten Fragen zur Qualifikation der Lehrkräfte und zu den Lehrmethoden stellen. Geht es nur um reines „Stoffpauken“ oder werden auch Strategien zum leichteren Lernen vermittelt? Vorsicht: Im Nachhilfe-Segment tummeln sich auch Sekten.

Preise vergleichen

Nachhilfe kostet bei den großen Instituten zwischen 100 und 150 Euro pro Monat. Dafür gibt es meist zwei Unterrichtseinheiten pro Woche. Hinzu kommen Anmeldegebühren. Unterricht bei Privatlehrern ist günstiger, gerade wenn Schüler oder Studenten ihn erteilen. Zehn bis 25 Euro pro Stunde sind hier die Norm. „Manche Nachhilfeinstitute bieten auch eine Erfolgsgarantie an“, sagt Georg Tryba von der Verbraucherzentrale NRW. Wird das Kind trotz Nachhilfe nicht versetzt, bekommen Eltern ihr Geld zurück.

Gruppengröße beachten

Fünf Schüler auf einmal können schon zu viel für eine effektive Nachhilfe sein. Auch bei Instituten lohnt es sich deshalb nachzufragen, ob es gesonderte Einzelbetreuung (z. B. vor einer Klassenarbeit) gibt.

Vorsicht bei Verträgen

Bei den großen Instituten müssen Eltern einen Vertrag unterzeichnen. „Bloß nicht zu lange an das Institut binden“, rät Expertin Martina Schmerr. Denn wenn die Nachhilfe nichts bringt oder das Kind nicht mehr zu den Stunden gehen mag, müssen Eltern sonst lange weiterzahlen. Die Laufzeit des Vertrages sollte deshalb nicht länger als zwei Monate betragen.

Probestunden vereinbaren

„Ein ganz entscheidendes Kriterium sollte sein, ob die Chemie zwischen Schüler und Lehrer stimmt", sagt Georg Tryba von der Verbraucherzentrale NRW. In einer angespannten Atmosphäre lernt niemand gerne. Deshalb unbedingt eine Probestunde vereinbaren, bei Instituten sollte diese kostenlos sein.

Vorsicht Abofalle

Im Internet gibt es unzählige Webseiten, die günstige Online-Nachhilfe anbieten. Vorsicht: Hier können Abofallen lauern.

Ziele setzen

Was genau soll durch die Nachhilfe erreicht werden (z.B. eine Verbesserung um eine Schulnote, die die Versetzung nicht mehr gefährdet)? Wichtig: Die Ziele müssen realistisch sein, damit Kind und Nachhilfelehrer nicht überfordert werden.

Wirkung überprüfen

Eltern sollten regelmäßig beim Nachwuchs nachfragen, wie es mit der Nachhilfe klappt. Wichtig: Sie sollte immer nur eine vorübergehende Lösung sein. Auf die Dauer stresst das Plus an „Pauken“ zu sehr. „Nachhilfe ist heutzutage nicht mehr nur bei Versetzungsgefahr ein Thema“, weiß GEW-Expertin Martina Schmeer. „Oft geht es nur darum, die Kinder noch wettbewerbsfähiger zu machen. Pädagogisch ist das nicht sinnvoll.“ Also sollten Eltern auch regelmäßig überprüfen, ob die Nachhilfe wirklich (noch) nötig ist.


Artikelfunktionen


Diese Beiträge könnten Sie auch interessieren:

'' Zum Anfang