Richtig oder falsch?

Mythen und Wahrheiten rund um den Müll

Fast eine halbe Tonne Müll produziert jeder Bürger pro Jahr: Verpackungen, Glasflaschen, alte Zeitungen, Restmüll, Küchenabfälle. Lohnt sich die Mühe überhaupt, alles zu trennen? Und falls ja, wie? AKTIV sprach unter anderem mit Jörg Lacher, Pressesprecher des Bundesverbandes Sekundärrohstoffe und Entsorgung in Bonn, über populäre Irrtümer.


Foto: Adobe Stock
Foto: Adobe Stock

Joghurtbecher sollte man auswaschen, bevor man sie wegschmeißt

Nein. Das muss man nicht. „Sie müssen nur löffelrein sein“, sagt Jörg Lacher vom Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung dazu. Auswaschen ist weder erforderlich noch ökologisch sinnvoll. „Dennoch können wir keine Behälter oder Verpackungen gebrauchen, die noch zur Hälfte mit Flüssigkeit oder Joghurt gefüllt sind“, so der Experte. Denn die laufen aus, verschmutzen die anderen Verpackungen, sodass das Sortieren später aufwendiger wird.

Glas muss man nicht trennen, das wird bei der Abfuhr sowieso wieder zusammengeworfen

Das stimmt nicht. Experte Lacher: „Auch wenn es von außen nicht so aussieht: jeder Lkw, der diese Container leert, hat drei Kammern. Eine für Weiß-, eine für Braun- und eine für Grünglas.“ Dabei ist das weiße Glas besonders begehrt, weil da die Anwendungsmöglichkeiten viel höher sind. Im Gegensatz zu braunem oder grünem Glas kann man es noch einfärben. Deckel können übrigens auch draufbleiben. „Es ist technisch kein Problem, die herauszusortieren“, so Lacher.

Papier kann man auch in der Restmülltonne entsorgen

Nein. „Das ist reine Verschwendung. Der Altpapierkreislauf ist hervorragend geschlossen“, erklärt Lacher. Und die Papierfabriken sind darauf angewiesen. Denn wenn dort aus Altpapier neues Papier hergestellt wird, ist das energiesparender, als wenn es aus Holzfaser produziert wird.

In die gelbe Tonne dürfen nur Verpackungen, die mit einem grünen Punkt versehen sind

Nur Materialien, die lizensiert sind, also mit einem grünen Punkt oder dem Logo eines anderen dualen Systems versehen sind, dürfen in die gelbe Tonne“, sagt der Experte. Theoretisch könnte auch sogenannter stoffgleicher Abfall in die gelbe Tonne, wie zum Beispiel Kochlöffel oder Spielzeug. Noch ist das aber nicht erlaubt. Das würde nur mit einer Wertstofftonne funktionieren, mit der zurzeit Pilotprojekte in deutschen Städten und Gemeinden laufen. „Dann könnte man auch viel mehr recyceln. Technisch wäre das möglich“, so Lacher.

Abgelaufene Medikamente darf man über die Toilette entsorgen

Ist auch so ein Mythos. Weil viele Medikamente biologisch nur schwer oder gar nicht abbaubar sind, finden sich im Abwasser immer mehr Arznei-Wirkstoffe. Experten haben sie mittlerweile sogar nahezu flächendeckend in Fließgewässern sowie Boden- und Grundwasserproben gefunden. Wenn der Hausmüll in der jeweiligen Stadt komplett verbrannt wird, kann man alte Tabletten über die Restmülltonne entsorgen. Auskünfte dazu erteilt der regional zuständige Entsorger sowie auch die Seite arzneimittelentsorgung.de. Alternativ kann man die Pillen über Schadstoffsammelstellen oder manche Apotheken loswerden.

Wenn der Hausmüll verbrannt wird, kann man auch Batterien in die Mülltonne schmeißen

Bloß nicht. Die kleinen Energiewunder enthalten Schwermetalle und diverse weitere Schadstoffe. Daran ändert auch eine thermische Behandlung nichts. Daher sollten leere Batterien unbedingt bei Sammelstellen oder im Laden wieder abgegeben werden. „Sammelboxen müssen überall dort vorhanden sein, wo Batterien verkauft werden. Auch Kommunen nehmen Altbatterien zurück, beispielsweise über Schadstoffmobile oder auf Wertstoffhöfen“, heißt es dazu beim Umweltbundesamt. Das erspart dem Boden nicht nur Belastung, sondern nutzt der Umwelt sogar. Bei der fachgerechten Entsorgung von Altbatterien wird nämlich beispielsweise auch das Metall zurückgewonnen.

Papier ist Papier – und Taschentücher gehören deshalb in die Altpapiertonne

Klingt erstmal logisch. Ist aber trotzdem quatsch. Papiertaschentücher oder auch Küchenkrepp bestehen aus deutlich kleineren Fasern als etwa Zeitungs- oder Schreibpapier. Benutzte Tempos können also gar nicht wiederverwertet werden. Stattdessen gehört Küchenpapier in die Biomülltonne, gebrauchte Papiertaschentücher wegen möglicher Keim- oder Bakterienbelastung besser in die Restmülltonne.

CDs und DVDs sind aus Kunststoff – also ab in den gelben Sack damit

Die Datenträger sind zwar aus Polycarbonat gemacht. Und dieser kostbare Kunststoff lässt sich auch hervorragend recyceln. Aber in die gelbe Tonne oder den gleichfarbigen Sack gehören „Bravo Kuschelrock“ und „Rambo Teil 1“ trotzdem nicht. „Entsorgen Sie die wertvollen Scheiben über Rücknahmesysteme“, empfiehlt dazu das Umweltbundesamt. In vielen Wertstoffhöfen oder auch Fachgeschäften, beispielsweise für Computerzubehör, stehen dafür spezielle Sammelbehälter bereit.

Mehr zum Thema:

Nimmt man ab, wenn man viel Wasser trinkt? Ist stilles gesünder als Sprudel? Kühlt es kalt getrunken den Körper? Wasser ist in aller Munde – und viele Mythen darüber auch, die nicht immer glasklar zu sein scheinen. Was stimmt, was nicht?

Können die Augen tatsächlich stehen bleiben, wenn man extra schielt? Verbessern Möhren die Sehkraft? Und sehen Hunde wirklich nur schwarz-weiß? AKTIV hat diese und weitere Augen-Mythen von einem Experten unter die Lupe nehmen lassen.

Macht Bier wirklich einen Bierbauch? Hilft erwärmter Gerstensaft gegen Erkältung? Und kann das alkoholische Lieblingsgetränk der Deutschen wirklich nicht verderben? Antworten auf solche weit verbreiteten Fragen gibt ein Experte.

Verursacht ofenfrisches Brot Bauschmerzen? Ist dunkles gesünder? Und kann man Brotschimmel einfach abschneiden? Zu diesen und weiteren Mythen hat AKTIV einen Lebensmittel-Experten befragt, der das Backhandwerk versteht.

Stimmt es, dass gekochte Eier ewig haltbar sind? Lassen sie sich tatsächlich besser pellen, wenn man sie abschreckt? Und kann man Eier wirklich nicht einfrieren? Harte Fakten rund um Weich- und Kocheier sind hier hinterlegt.

Im Jahr 2014 verzehrte jeder Deutsche durchschnittlich 162 Liter Kaffee – gut 800 Tassen. Kein Wunder also, dass sich um unser Lieblingsgetränk jede Menge Mythen ranken. An welchen ist wirklich was dran?

aktualisiert am 27.05.2015

Fördert heiße Milch mit Honig tatsächlich das Einschlafen? Ist Kuhmilch für den Menschen doch ungesünder als lange gedacht? Und macht sie nun dick oder nicht? Das und vieles mehr hat AKTIV zwei Experten gefragt.

Lässt Salz tatsächlich Rotweinflecken verschwinden? Bewahrt ein Silberlöffel in der Sektflasche die Kohlensäure? Und: „Bier auf Wein – das lass sein“? Hier wird Ihnen verraten, in welchen Wein-Mythen die Wahrheit liegt.

Schützt Vitamin C vor Erkältung? Bremst man auf Streusalz schlechter? Haben alle Schneeflocken dieselbe Form? Antworten von Experten auf diese und andere weit verbreitete Fragen zum Winter lesen Sie hier.

Ist Essig eine Allround-Putzwunderwaffe? Lassen sich Blutflecken nur mit kaltem statt warmem Wasser entfernen? Und poliert Zeitungspapier Fenster am besten? Diese und weitere Putzmythen haben wir von einem Experten beurteilen lassen.

Putzen tut der Seele gut. Doch das Zeit-Budget der meisten ist knapp. Deshalb greifen die Deutschen bevorzugt zu Produkten, die die Arbeit müheloser machen. Zu Saugrobotern etwa. Und zu anderen Neuheiten der Putzmittel-Hersteller.

Artikelfunktionen


Diese Beiträge könnten Sie auch interessieren:

'' Zum Anfang