Schlagersänger und Rapper machen die Charts zum Heimspiel

Musikmarkt: Deutsche Töne sind angesagt

München/Berlin. Es ist nicht nur Helene Fischer. Im Gefolge der 31-jährigen Schlagersängerin, die Fußballstadien füllt, profitiert inzwischen eine ganze Branche. Kürzlich stammten vorübergehend die zehn bundesweit am besten verkauften Alben allesamt von deutschsprachigen Musikern. Das gab es seit Anfang der 60er-Jahre nicht mehr.

„Das ist repräsentativ“, sagt Stefan Zarges, Chefredakteur der Zeitschrift „Musikmarkt“ in München. Dass Helene Fischer „alles abräumte“ und mit ihrem Album „Farbenspiel“ und dem Hit „Atemlos“ zwei Jahre lang ganz vorne in den Charts lag, habe generell „die Neugier auf Deutschsprachiges geweckt. Von ihrer Strahlkraft profitieren auch andere Interpreten.“

Darunter sind Popsänger wie Andreas Bourani oder Sarah Connor, volkstümelnde Barden wie Hansi Hinterseer, aber auch Rapper wie KC Rebell und das Duo Celo & Abdi, der Rap-Musiker Cro oder die Ska-Punk-Band Sondaschule.

Immerhin um 17 Prozent stieg in diesem breiten Spektrum allein im vergangenen Jahr der Umsatz deutschsprachiger Musiker – auf 556 Millionen Euro. Dagegen ist der Marktanteil ausländischer Interpreten entsprechend geschrumpft. Die Erlöse im Bereich Pop International brachen bundesweit um 18 Prozent auf 399 Millionen Euro ein.

Anders als in Frankreich, wo einheimische Interpreten von Quoten im Hörfunk profitieren, schafften es die deutschen Künstler ohne politische Schützenhilfe nach vorn. Florian Drücke, der Geschäftsführer des Bundesverbands Musikindustrie in Berlin, hofft jetzt auf langfristigen Rückenwind. „Vielleicht auch in Richtung einer besseren Radiopräsenz von Künstlern mit deutschen Texten.“

Die Charts werden im Auftrag des Verbands vom Baden-Badener Marktforschungsinstitut GfK Entertainment erstellt. Neben den Verkäufen von CDs, DVDs und den wieder verstärkt gefragten Vinyl-Schallplatten berücksichtigt man auch digitale Downloads – und demnächst auch Verkäufe in Streaming-Diensten wie Spotify.

Zwar wachsen die Verkaufserlöse im digitalen Geschäft dynamisch – letztes Jahr um insgesamt 13 Prozent auf 371 Millionen Euro. Doch zu den 1,5 Milliarden Euro Gesamtumsatz der Branche tragen die Verkäufe von Tonträgern noch immer drei Viertel bei. Hierzulande wolle die Mehrheit der Nutzer nicht auf neue Technologien umsteigen, heißt es beim Verband.

In anderen Ländern ist dieser Anteil viel geringer. Dort ticken die Musikfreunde eben anders. Helene Fischer verkauft sich außerhalb des deutschsprachigen Raumes gerade noch in Dänemark oder in den Niederlanden.


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