Alte Optik, neue Technik

Motorräder im Retro-Look sind der Renner

Berlin. Seit 90 Jahren baut BMW Motorräder – und das neueste Modell erinnert an alte Zeiten: Die „R nineT“ (Wortspiel für das englische „ninety“, also 90) ist ein Bike im Retro-Look. Rundes Scheinwerfergehäuse aus Metall, handgenietetes Typenschild. Doch die Technik ist brandneu. In 3,6 Sekunden beschleunigt die Maschine auf 100 km/h.

Zu kaufen gibt es sie seit Mitte März. Die Nachfrage ist groß. „Wir bauen täglich 40 bis 45 Stück“, sagt BMW-Sprecher Rudolf-Andreas Probst: „Trotzdem müssen sich Interessenten auf mehrere Monate Wartezeit einstellen.“ Und das bei einem Preis von 14.500 Euro.

Alter Look und neue Technik: Mit diesem Konzept kurbeln die Motorradhersteller den Umsatz an. Die Zahlen sprechen für sich. So wurden 2010 hierzulande rund 80.000 Motorräder mit über 125 Kubik Hubraum verkauft. 2013 waren es schon 87.000. Das dritte Jahr in Folge mit einem Zuwachs.

Wie Retro Nachfrage weckt, hat bereits die Autobranche vorgemacht: So erinnert der neue Mini an das britische Ur-Modell. Und der moderne Fiat 500 ist so knuffig wie das legendäre Vorbild.

Die Jungen finden es cool, bei den Älteren weckt es Erinnerungen

Mindestens eine nostalgisch aufgemachte Maschine bieten inzwischen auch die meisten Motorradproduzenten an: Beispiele sind die Honda CB 1.000, die Kawasaki W 800, Moto Guzzi V7 sowie die beiden Yamahas XV 950 R und SR 400. Und auch Harley-Davidson fährt drei Modelle auf, die in den Stil passen.

Es gebe zu diesem Bereich zwar keine detaillierten Verkaufszahlen, sagt Reiner Brendicke, Hauptgeschäftsführer vom Industrie-Verband Motorrad Deutschland: „Aber wer einen Blick für Bikes hat, der sieht, dass immer mehr Retro-Maschinen unterwegs sind.“

Die verstecken nichts hinter Kunststoffverkleidungen. „Bei Retro-Maschinen fasziniert die Nachvollziehbarkeit der Technik“, weiß Design-Professor Lutz Fügener von der Hochschule Pforzheim. „Man kann sehen, wie das Motorrad funktioniert.“

Dass der Trend von den Autos auf die Motorräder abfärbt, überrascht Fügener nicht: „Retro-Produkte gelten bei vielen jüngeren Menschen als cool. Und bei Älteren wecken sie Erinnerungen an die eigene Jugend.“

Dafür spricht auch der Erfolg der R nineT. Gebaut wird sie in Berlin – und dürfte den Absatz der schweren BMW-Maschinen noch mehr auf Touren bringen. An die Bayern kommt eh keiner ran: Mit jährlich gut 20.000 Neuzulassungen in Deutschland und einem Marktanteil von 26 Prozent fahren sie ganz vorne weg.


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