Oxford für alle

MOOCs: Universitäten bieten im Internet kostenlose Kurse an – und jeder kann mitmachen

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Wie plant man ein ökologisch nachhaltiges Projekt? Wie funktioniert eigentlich eine App? Und wie denkt man mathematisch? Auf diese Fragen, aber auch auf viele andere beispielsweise aus den Bereichen Geschichte, Biologie, Physik, Technik oder Medizin gibt es Antworten – im Internet natürlich, und zwar in sogenannten MOOCs (gesprochen: „Muhks“). Die Abkürzung steht für „massive open online courses“, also für große, offene Internet-Kurse. Diese MOOCs werden von Universitäten gemacht und über unterschiedliche Plattformen angeboten.

„MOOCs kommen aus den USA“, sagt Oliver Janoschka, der beim Stifterverband für die deutsche Wissenschaft den Programmbereich Forschung, Transfer und Wissenschaftsdialog leitet. Der Stifterverband hatte mit der Plattform Iversity einen Förderwettbewerb ausgeschrieben, um die Entwicklung innovativer Konzepte zu fördern.

Bisher sind die Online-Kurse in den USA deutlich verbreiteter als in Deutschland. Aber Janoschka sieht auch für die Bundesrepublik künftig eine weitere Zunahme des Angebots – speziell in einem regionalen Rahmen. „Bei MOOCs geht es letztlich auch um die Frage, wie wir uns in der Zukunft weiterbilden wollen und können“, sagt er. „Darum wird mit großer Wahrscheinlichkeit noch einiges in diesem Bereich passieren.“ Im Zusammenhang nach der Forderung, lebenslang zu lernen, um für die Zukunft fit zu bleiben, können MOOCs also ein weiterer Mosaikstein sein.

So lernt man mit MOOCs

Im Regelfall bestehen MOOCs aus Videos, oft kombiniert mit Foren, Tests und Informationen zu weiterführender Literatur. Die MOOCs starten zwar zu einem bestimmten Zeitpunkt, stehen aber ziemlich lange im Netz. Das heißt: Wer daran teilnehmen möchte, ist nicht an einen Raum und einen Ort gebunden, er kann sich mit dem angebotenen Material dann auseinandersetzen, wenn es ihm passt. Nachteil: Man braucht Disziplin und Motivation, um einen Kurs bis zum Ende durchzuhalten. Denn die Weiterbildung findet am eigenen Rechner statt – und dort lässt man sich gerne ablenken.

Hinzu kommt: „Es sind nicht alle MOOCs gut“, sagt Janoschka. „Aber das Thema ist noch jung und erst 2012 richtig gestartet. Es werden sich nach und nach wahrscheinlich Formen herausbilden, die es dem Lernenden erleichtern, dabei zu bleiben.“ Außerdem sei es nicht schlimm, ein MOOC nicht bis zum Ende durchzuziehen, sagt der Bildungsexperte. „Schließlich investiert man freiwillig seine Zeit. Stellt man fest, dass der Kurs nicht das bietet, was man erwartet hat, sollte man ihn abbrechen. Das ist bei MOOCs einfacher möglich, als wenn man viel Geld für eine Weiterbildung gezahlt hat.“ Und es ist auch eine Chance, sich mit Themen zu beschäftigen, die man zwar beruflich oder privat interessant findet, für die man aber kein Geld aufwenden würde, um sich fortbilden zu lassen.

Offen für alle(s)

Einen bestimmten Schulabschluss benötigt man für die Teilnahme an MOOCs übrigens nicht. Sie sind offen für alle. Wer lernen will, registriert sich auf einer der Plattformen und legt los. Kosten: keine – zumindest solange man kein Zertifikat möchte. Einige Plattformen bieten zwar auch Zertifikate an, die gibt es aber meist nur gegen Geld. Und das ist auch verständlich: Zu einem MOOC melden sich leicht mehrere 10.000 Studenten an. Die Professoren hätten also sehr viel Arbeit, wenn sie allen ein Zertifikat ausstellen wollten – unter Umständen sogar noch mit einer individuellen Bewertung.

Universitäten, die MOOCs meistens auf eigene Kosten produzieren, investieren eine Menge Zeit und Geld. „Geschäftsmodelle gibt es bisher bis auf die kostenpflichtigen Zertifikate jedoch kaum“, sagt Janoschka. Für die Universitäten sei es jedoch auch eine Frage des Marketings, bei diesem Thema mit dabei zu sein.

Und für den Bildungsstandort Deutschland sei es wichtig, den Anschluss an die internationale Bildungselite nicht zu verlieren. Auch darum ist es im Interesse der MOOC-Anbieter, möglichst viele Teilnehmer zu erreichen. Das ist jedoch ein Problem, wenn man seine Kurse auf Deutsch anbietet. Darum gibt es sehr viele englischsprachige Angebote – aber immer wieder sind auch deutsche Kurse darunter, zumindest auf den hiesigen Plattformen. Es lohnt sich also, im Kursangebot zu stöbern oder den Anbietern in den sozialen Medien zu folgen, um über neue Kurse auf dem Laufenden zu bleiben.

Anbieter von MOOCs

Hier gibt es auch deutsche Kurse:
iversity.org
openhpi.de/courses
tele-task.de

Bei diesen Anbietern überwiegen englischsprachige Kurse:
coursera.org
edx.org
udacity.com

Apple-Nutzer haben über die App iTunes U Zugriff auf viele Unterrichtseinheiten deutscher und internationaler Hochschulen.


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