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Immer größer, immer mehr

Möbel-Kauf: Warum die Deutschen viel Geld in riesigen Einrichtungshäusern ausgeben

Der Möbel-Kauf unterliegt heute wechselnden Modetrends, die sich in riesigen Geschäften inszenieren lassen. Bei den Kunden kommt das an. 95 Prozent von ihnen wollen sich in den nächsten zwölf Monaten neue Möbel anschaffen.

Viel Platz: In solchen Möbelhäusern macht die Branche die Hälfte ihres Umsatzes. Foto: XXXLutz

Viel Platz: In solchen Möbelhäusern macht die Branche die Hälfte ihres Umsatzes. Foto: XXXLutz

Köln. Hier schlägt das Herz der Kunden höher. In modernen Möbelhäusern bummeln sie durch komplett eingerichtete Musterküchen samt fertig gedecktem Tisch, entspannen eine Abteilung weiter in raumgreifenden Wohnzimmerlandschaften und spazieren nebenan durch begehbare Schlafzimmerschränke. Shoppen im XXL-Format – so geht Möbelkauf heute.

„Die Menschen wollen sich inspirieren lassen und suchen bewusst einen Impuls zum Kauf“, sagt Marco Atzberger vom EHI-Handelsinstitut in Köln. Um den auszulösen, braucht man viel Platz. Rund 23 Millionen Quadratmeter sind hierzulande mit zu verkaufenden Möbeln gefüllt, so Zahlen des Bundesverbands des Deutschen Möbel-, Küchen- und Einrichtungshandels (BVDM) – die Fläche entspricht mehr als 3.200 Fußballfeldern.


Illustrationen: freepik.com
Illustrationen: freepik.com

Riesige Möbelpaläste geben dabei in der Branche mittlerweile den Ton an. Waren es vor zehn Jahren noch 135 Häuser, die über eine Fläche von mehr als 25.000 Quadratmetern verfügten, sind es mittlerweile mehr als 170.

Kurzfristige Modetrends entscheiden Möbelkauf

„Bei großen Möbelhäusern ist Deutschland Vorreiter in Europa“, sagt Atzberger. Ihr Vorteil: Sie decken das gesamte Sortiment ab. Genau das mache sie beim Kunden so beliebt. Der kann etwa zum ausgesuchten Boxspringbett die passende Bettwäsche kaufen oder mit der neuen Küche gleich die Kochtöpfe und Pfannen mitnehmen und sein altes Geschirr aufhübschen.

Für ihr Koch-Ambiente greifen die Deutschen besonders tief in die Tasche: Für eine neue Küche geben sie im Schnitt 3.977 Euro aus – mehr als dreimal so viel wie fürs Schlafzimmer, so die jüngsten Daten des Marktforschungsunternehmens Splendid-Research von 2016.

Gleichzeitg profitiert die Branche von einer Entwicklung, die ihr regelmäßig die Kassen füllt: „Der Möbelkauf wird modischer. Kunden orientieren sich zunehmend an kurzfristigen Trends“, so der EHI-Experte.

Die lassen sich Mitte Januar wieder auf der Internationalen Möbelmesse IMM in Köln verfolgen: Sofas mit Sitztiefenverstellung, Schrankfronten aus Metall, Tische mit Steinoberfläche.

Um solchen Trends folgen zu können, werden Möbel immer schneller durch Neue ersetzt. Schaffte man früher Sofa oder Bett neu an, wenn sie durchgesessen oder -gelegen waren, reicht heute mit wachsendem Wohlstand die aus der Mode gekommene Farbe oder das überholte Design, um das Möbel neu zu kaufen.

Geschwungene Gehwege statt Rolltreppen

Für Handelsexperte Atzberger gehört zudem eine gehörige Portion Psychologie zur Kaufentscheidung: „Die meisten Deutschen haben ein besonderes Verhältnis zu ihren vier Wänden. Gemütlich und stimmungsvoll eingerichtet, vermitteln sie ihnen Sicherheit in unsicheren Zeiten.“

Für dieses Gefühl trugen die Deutschen zuletzt über 33 Milliarden Euro in die knapp 9.000 deutschen Möbelhäuser – Tendenz steigend. Wegen der guten Konjunktur und des robusten Arbeitsmarkts sitzt wohl auch weiterhin das Geld locker. So planen laut einer aktuellen Studie der Creditplus Bank 95 Prozent der deutschen Haushalte, sich in den kommenden zwölf Monaten neue Möbel anzuschaffen.

Die Möbelpalast-Planer rüsten derweil architektonisch auf. Zur wachsenden Verkaufsfläche gesellen sich neuerdings breite Gehwege. Sie schwingen sich statt Rolltreppen in die Höhe und verbinden die Abteilungen. Das Kalkül: Wandert der Kunde darauf empor, hat er noch mehr Gelegenheit, den Blick schweifen zu lassen – um dann seinem Kaufimpuls nach Herzenslust nachzugeben.

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Der Konsumklima-Index der GfK erreichte im September den höchsten Wert seit 16 Jahren. Dank Beschäftigungsaufschwung und guter Konjunktur sitzt das Geld bei vielen locker. Besonders gefragt sind Möbel und Haushaltsgeräte.

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