Schnuller, Grabstätten & Co.

Mit welchen Fan-Artikeln Fußballklubs Geld machen


Gelsenkirchen. „Blau und weiß ein Leben lang“ – das schmettern die Fans des Bundesligisten Schalke 04 bei jedem Spiel. Ganz Hartgesottene können dem Ruhrpottklub jetzt aber auch über den Abpfiff des eigenen Lebens hinaus treu bleiben. Und sich auf dem „Fanfeld“, einem Friedhof nur für Schalker, begraben lassen!

Genau 1.904 Gräber fasst die wie ein Stadion gestaltete Ruhestätte in Sichtweite der Veltins-Arena. Die ewige Treue ist teuer: mehr als 5.000 Euro pro Grab. Den Fans scheint’s egal. „Das Interesse ist riesig“, sagt Ender Ulupinar, Betreiber des Friedhofs. Die ersten Urnen sind unterm Rasen, 59 Verträge einen Monat nach der Eröffnung schon unterschrieben.
Wie hübsch: Wenn man schon nicht mehr in der Kurve stehen kann, dann zumindest in ihr liegen.

Vom Kondom bis zum Kristallring

Ein Friedhofsplatz als Fan-Artikel – das mag extrem sein. Aber es illustriert einen Trend: Deutschlands Fußball-Fans geben immer mehr Geld für ihren Klub aus!

In der vergangenen Saison setzten die 36 Profivereine der ersten und zweiten Liga insgesamt 193 Millionen Euro mit Fan-Artikeln um – absoluter Rekord! Gegenüber der Vorsaison stieg der Wert um 16 Prozent. Seit der Spielzeit 2001/2002 hat er sich sogar verdoppelt. Das ergab die aktuelle Studie „Fan-Barometer“ der Beraterfirma „PR Marketing“ in Rheine, die seit Jahren das Kaufverhalten der Fans unter die Lupe nimmt.

Und das Geschäft scheint unaufhaltsam weiter zu wachsen, neben den TV-Einnahmen entwickelt sich kein Einnahmezweig der Vereine so dynamisch wie der Fan-Artikelmarkt. An Spieltagen setzen Erstligisten bis zu 150.000 Euro nur mit Vereins-Devotionalien um.

Wie kommt das? „Das Sommermärchen 2006 hat einen enormen Schub gebracht“, nennt Peter Rohlmann, Geschäftsführer der Agentur, einen Grund für die rasante Entwicklung. Die WM im eigenen Land habe den Fußball noch breiter in der Bevölkerung verankert, erklärt er.

Die Vereine haben dies längst erkannt – und nutzen es mit einem immer üppigeren Warenangebot. Im Schnitt, so Rohlmann, umfasse das Sortiment eines Bundesligisten inzwischen rund 500 Fan-Artikel, bei den Topklubs sind es gar doppelt so viele.

Wurden Fans in den 80ern von ihren Kurven-Kumpanen noch um den Strickschal „made by Oma“ beneidet, gibt es heute kaum noch einen Gegenstand des täglichen Gebrauchs, der ohne Vereinslogo auskommen muss. Babyschnuller oder Strampler mit dem Aufdruck „Neuzugang“, Waffeleisen, die das Klubwappen in den Teig bruzzeln, Kaffetassen, die beim Trinken das Vereinslied plärren, Klodeckel, Dachziegel, die Liste ist endlos.

„Fan-Artikel sind alltagstauglich geworden“, bestätigt  Experte Rohlmann. „Die Vereine sprechen ihre Anhänger heute viel zielgerichteter an.“

Und eines haben sie dabei immer ganz besonders im Blick: das spezielle Image des eigenen Klubs. Während beispielsweise der Hamburger Kiezklub FC St. Pauli fröhlich Kondome im Fanshop vertickt, zielt Lokalrivale HSV eher auf Fans mit Spendierhosen: Auf seiner Website bietet der Klub einen edlen Ring aus Weißgold an, das Wappen bilden Saphire und Brillanten. Preis: schlappe 16.000 Euro!

FC Bayern ist Branchen-Primus

Doch allen Kuriositäten und Spinnereien zum Trotz: Klassiker und größter Umsatzbringer ist nach wie vor das gute alte Spielertrikot. Vergangene Saison gingen knapp zwei Millionen Stück über die Fanshop-Theken, mehr als jedes vierte davon vom FC Bayern München.

Überhaupt spielt der Branchen-Primus auch bei den Fan-Artikeln in einer eigenen Liga: 57 Millionen Euro setzten die Bayern vergangene Saison mit Merchandising um. Die Verfolger Dortmund und Schalke kamen jeweils nur auf deutlich weniger als die Hälfte. „Da gibt’s Klassenunterschiede“, sagt Insider Rohlmann.

Doch bei allem Kommerz: Buchstäblich über Leichen gehen wollen Deutschland Klubs dann doch nicht. Auch Schalke mit dem Fan-Friedhof nicht. „Der Verein verdient mit dem Tod seiner Fans keinen Cent“, versichert Betreiber Ulupinar. Der Geschäftsmann hat zwar eine Lizenz von Schalke erhalten – aber kostenlos.

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Schlagwörter: Sport Innovationen

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Genau hinschauen – trotz Vereinsbrille

Die Liebe zum Verein ist etwas Wunderbares. Aber sie darf nicht blind machen. Das gilt insbesondere bei fußballbezogenen Geldanlagen. Ob sie was taugen, sollte der kühle Kopf entscheiden – nicht das glühende Fan-Herz.

  • Viele Banken bieten in Kooperation mit Vereinen ein Sparkonto an. Auf das Guthaben gibt es meist Zinsen, die auch vom sportlichen Erfolg des Klubs abhängen. Das bringt ein wenig Nervenkitzel. Aber in der Regel weniger Rendite als auf Tagesgeldkonten
  • Richtig viel Zinsen gibt’s derzeit mit der Schalke-Anleihe: fast 7 Prozent. Bei den Schuldscheinen ist jedoch Vorsicht geboten. Geht der Verein pleite, kann das Geld weg sein. Die Anleihe wird sicherer, je mehr sich die wirtschaftliche Situation des Vereins verbessert. Aber dann sinken für Käufer auch die Zinsen.
  • Besonders riskant ist ein Aktien-Kauf. Viele Dortmund-Fans haben das schmerzlich erfahren. Als die BVB-Aktie im Jahr 2000 an die Börse kam, kostete sie 11 Euro. Zwischenzeitlich ging es runter bis auf 81 Cent. Heute steht sie immerhin wieder bei knapp unter 3 Euro.
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