Luxus pur vor der Leinwand

Mit neuen Komfort-Angeboten steigern Kinos ihre Umsätze


Berlin. Ein freundlicher Herr fährt den Wagen ins Parkhaus. An der Garderobe nimmt eine junge Dame den Mantel ab. Ist man am Platz angekommen, reicht jemand eine Karte mit Snacks und Getränken. Man streckt die Beine aus und macht es sich im breiten Sessel so richtig bequem.

Premium-Kino heißt das Konzept, mit dem Filmtheater sich der Zukunft stellen. „Das Publikum wird im Durchschnitt älter und will mehr Komfort“, sagt Hans-Joachim Flebbe. Der Gründer der Cinemaxx-Kette hat jüngst das Prunkstück seiner Premium-Häuser eröffnet – im legendären Berliner Zoo-Palast.

Nach mehr als 50 Jahren war der Klassiker unter den Filmtempeln Ende 2010 geschlossen worden. Flebbe hat ihn für über 5 Millionen Euro renoviert. Sieben Säle gibt es jetzt, mit insgesamt 1.650 Ledersesseln, die alle verstellbare Rückenlehnen haben. Dazu Logen und eine Cocktailbar.

Sofas statt Sessel, ganz wie im heimischen Wohnzimmer

Hinter dem Konzept steckt akuter Handlungsbedarf. Das Durchschnittsalter der Besucher stieg zwischen 2007 und 2012 von 32,7 auf 36,5 Jahre, so die Deutsche Filmförderungsanstalt. 42 Prozent sind über 39 Jahre alt. Zugleich ging die Zahl der unter 30-Jährigen stark zurück. Doch die höheren Altersgruppen sind bereit, mehr Geld im Kino zu lassen.

Das weiß auch Flebbe, dessen Firma bereits vier kleinere Komfort-Kinos in Berlin, Frankfurt, München und Köln betreibt. In der Kölner Residenz etwa zahlt man fürs Parkett abends 13,50 Euro, in der Loge 16 Euro, 3 bis 4 Euro mehr als im Standardkino.

Das jüngere Publikum geht verloren, und doch setzten die Filmtheater 2012 erstmals über 1 Milliarde Euro um – 8 Prozent mehr als im Vorjahr. Für das erste Halbjahr 2013 meldeten sie erneut 7 Prozent Wachstum. Und der Pro-Kopf-Umsatz wuchs innerhalb von nur fünf Jahren um ein Viertel.

Flebbe setzt daher auf Expansion im Premiummarkt. Weitere Filmtheater in Braunschweig und Hamburg sollen dazukommen. Flaggschiff bleibt der Zoo-Palast – im Februar steigt dort wieder die Berlinale, mit Staraufgebot, ganz wie in den alten Zeiten mit Sophia Loren oder Gina Lollobrigida. Wer will, kann einen Platz in der ersten Reihe buchen. Da stehen in einigen Sälen nicht Sessel, sondern Sofas. Ganz wie zu Hause.

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