Do-it-yourself am Auto?

Mietwerkstätten: Jede siebte Verschleißreparatur läuft inzwischen in Eigenarbeit

Bonn. Als der 28-jährige IT-Fachmann Emal Ghauer mit seinem Nobel-Mercedes im „Auto Center Mietwerkstatt“ vorfährt, wird ein bisschen wieder der Jugendtraum wach. Früher wollte er mal Kfz-Mechaniker werden – stattdessen ging es in Richtung Computer. Nun aber versagt bei seinem Auto hartnäckig ein Frontscheinwerfer.

„Ich habe schon mehrmals die Birne ausgetauscht“, erzählt Ghauer. „Es hat nichts genutzt.“ Also ist er jetzt hier in Bonn, um die Ursache zu finden. Unter Anleitung des Mechatronikers Bilal Abuzer – der in dem Kfz-Meisterbetrieb arbeitet, an den die „Mietwerkstatt“ gekoppelt ist.

Ob aus Spaß am Selbermachen, aus Technik-Begeisterung oder um Geld zu sparen: Freitagsnachmittags und samstags herrscht in der boomenden Branche der Selbsthilfewerkstätten Hochbetrieb: Auto-Liebhaber mieten sich für ein paar Euro pro Stunde eine Hebebühne, leihen sich Werkzeug und legen los. 13 Prozent aller Verschleißreparaturen wurden 2014 nach dem Do-it-yourself-Prinzip erledigt, so die von der Autowirtschaft getragene Marktforschung Deutsche Automobil Treuhand in Ostfildern bei Stuttgart. 2011 waren es noch 8 Prozent.

Der ADAC verweist auf hohe Risiken

Bei Autos mit zehn und mehr Jahren auf dem Buckel lag die Quote zuletzt sogar bei 17 Prozent. Die Feierabend-Bastler wechseln nicht nur Reifen und Öl. Sie tauschen Auspufftöpfe aus, ersetzen alte Stoßdämpfer, erneuern Bremsen und bauen ganze Motoren ein: in der heimischen Garage oder eben in Mietwerkstätten, die es nur in größeren Städten gibt. Man traut sich viel zu. Vielleicht zu viel, mahnt Mechatroniker Abuzer aus Bonn: „Nur mit einem Buch an die Reparatur zu gehen, ist zu wenig. Technik-Know-how sollte man schon mitbringen.“

Beim Automobilklub ADAC sieht man die Selbstbastelei denn auch kritisch: Nicht auszudenken, wenn infolge einer unsachgemäßen Reparatur ein Unfall passiert! Zu den Gefahren für Leib und Leben kommen finanzielle Risiken, wie ADAC-Expertin Marion-Maxi Hartung erklärt: „Zwar übernimmt auch dann die Haftpflicht den Schaden am gegnerischen Fahrzeug – die Kasko aber zahlt nicht.“

Doch in einem Land mit hohen Lohnnebenkosten und 19 Prozent Mehrwertsteuer ist das Selbermachen auch ein Stück Marktwirtschaft. Wer wie die meisten Menschen sein Auto zum Profi bringt, zahlt zwischen 90 und 130 Euro brutto für die Arbeitsstunde. Insgesamt setzen die 38.500 normalen Kfz-Werkstätten mit Reparaturen, Inspektionen und Tüv-Abnahme jährlich 31 Milliarden Euro um.

Wenn man schon selber rangeht, dann bitte in einer qualifizierten Mietwerkstatt, sagt Johannes Hübner, Sprecher des Automobilclubs von Deutschland. Dort gibt es eine Lackierkabine, eine Richtbank für Karosseriearbeiten sowie ein Diagnosegerät für elektronische Eingriffe. „Und vor allem einen Kfz-Meister. Der gibt Tipps, hilft oder führt die Reparatur zu Ende, wenn man nicht weiterweiß.“


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