Internet-Apotheken

Medizin aus dem Netz kaufen: Was ist sicher und legal?


An diesem EU-Sicherheitslogo erkennen Sie Apotheken, die Medikamente über das Internet verkaufen dürfen

Ein paar Klicks – und wenige Tage später kommen die online bestellten Medikamente per Post ins Haus. Ein riskantes Geschäft? Apothekerin Dr. Ursula Sellerberg, Stellvertretende Pressesprecherin bei der ABDA - Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände erklärt dazu: „Wer bei den rund 3.000 zugelassenen deutschen Versandhandelsapotheken einkauft, handelt legal und muss keine Angst vor Fälschungen haben.“

Seit 2004 nämlich dürfen deutsche Apotheken Medikamente auch übers Internet verkaufen. „Voraussetzung dafür ist eine sogenannte Versandhandelserlaubnis der zuständigen Behörde“, erklärt Sellerberg. Zugelassene Apotheken tragen das EU-Sicherheitslogo. Ob es echt ist, zeigt ein Klick auf das Logo: Ist die Apotheke zugelassen, öffnet sich eine Webseite des DIMDI mit dem Eintrag im Versandapothekenregister. Eine Abbildung des Zeichens sehen Sie hier rechts. Eine Liste mit den registrierten Apotheken finden Sie im Internet unter: www.dimdi.de

Besondere Vorsicht bei ausländischen Internet-Apotheken

Heikler ist der Online-Einkauf von Medikamenten bei ausländischen Versendern. „Grundsätzlich darf der deutsche Verbraucher keine Medikamente aus dem Ausland importieren“, sagt Sellerberg. Wer’s trotzdem tut, handelt illegal. Allerdings gibt es Ausnahmen: Bei Apotheken in bestimmten Ländern, beispielsweise den Niederlanden oder Großbritannien, geht das Bundesgesundheitsministerium davon aus, dass dort genauso hohe Sicherheitsstandards gelten wie bei uns. Deshalb ist der Online-Kauf bei Apotheken aus diesen Ländern völlig legal. Die Länder-Liste können Sie nachlesen unter (kostenloser PDF-Download): www.bmg.bund.de

„Natürlich werden ausländische Apotheken nicht von den deutschen Aufsichtsbehörden kontrolliert“, sagt Sellerberg. Man kann also selbst in den zugelassenen Ländern nicht sicher sein, dass bei jedem einzelnen Versender wirklich alles o. k. ist. Leider sind Arzneimittelfälschungen ein äußerst lukratives Geschäft und dementsprechend verführerisch für illegale Anbieter.

Gigantische Gewinne – gefährdete Gesundheit

Nach Angaben des BKA kostet die Herstellung gefälschter Arzneimittel oft nur wenige Cent. Die Gewinnspannen sind gigantisch, denn ein Medikament wie beispielsweise Viagra kostet derzeit im Internet mehr als zehn Euro – und zwar pro Pille, nicht pro Packung! Kein Wunder also, dass Kriminelle hier kaum Skrupel kennen.

Die Weltgesundheitsorganisation schätzt, dass ungefähr die Hälfte der von illegalen Versendern gelieferten Medikamente gefälscht ist. „Wer gefälschte Medikamente kauft, spielt mit seiner Gesundheit“, warnt Sellerberg. Schließlich weiß man nie, was in den Tabletten und Ampullen wirklich drin ist. Da kann man es fast schon Glück nennen, wenn es sich um wirkungslose Zuckerpillen handelt. Mit Pech ist das Zeug nämlich sogar giftig und verursacht schwere Gesundheitsschäden.

Wann sich der Kauf am meisten lohnt

Ein hoher Preis dafür, dass man durch den Kauf im Internet oft nur wenig spart. „Bei rezeptpflichtigen Medikamenten sind die Zuzahlungen im In- und Ausland gleich hoch, es gibt also keinen Preisunterschied“, sagt Sellerberg. Dies steht im Zweiten Arzneimittelrechtsänderungsgesetz, das seit Herbst 2012 in Kraft ist.

Dies gilt allerdings nicht für Medikamente, die man ohne Rezept bekommt, oder für andere Apothekenprodukte wie beispielsweise Kosmetik. „Hier lohnt sich der Preisvergleich, denn dabei kann jede Apotheke - egal ob stationär oder im Internet - die Preise selbst bestimmen“, so Sellerberg. Stiftung Warentest ermittelte, dass Internet-Apotheken hier in der Regel besonders preiswert sind. Dafür sind bei der Online-Bestellung allerdings oft Versandkosten fällig. Übrigens: Das gesetzliche 14-tägige Rückgaberecht gilt nicht bei Medikamenten.

Manche versuchen, im Internet die deutsche Rezeptpflicht zu umgehen, um beispielsweise an Potenz- oder Dopingmittel zu kommen. „Wenn rezeptpflichtige Medikamente ohne Rezept verkauft werden, macht sich der Verkäufer strafbar“, erklärt Sellerberg. Seriöse Anbieter verlangen deshalb immer das Original-Rezept – so wie es eine stationäre Apotheke auch täte. 

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