Tabu-Thema Hämorrhoiden

Medikamente gegen das Übel kommen von Kreussler Pharma aus Wiesbaden


Wiesbaden. Wer nach dem Stuhlgang Blut am Toilettenpapier bemerkt, hat vermutlich ein unangenehmes Problem: Hämorrhoiden. In Deutschland sind gut 22 Millionen Menschen betroffen.

Jeder zweite Erwachsene über 40 Jahre weiß aus eigener Erfahrung: Sie bluten, jucken, stören beim Sport und in schlimmen Fällen auch beim Sitzen. Die Volkskrankheit ist ein Tabuthema: „Über Probleme am After redet man nicht“, weiß Petra Gliem, Leiterin Medical Marketing bei Kreussler. Das Pharma-Unternehmen in Wiesbaden entwickelt Medikamente dagegen.

Was kaum jemand weiß: Hämorrhoiden hat in Wirklichkeit jeder. Die ringförmig angeordneten Blutgefäßpolster im Darmausgang sorgen für die Feinabdichtung. „Sonst könnten Gase, Schleim und flüssiger Kot unkontrolliert den Körper verlassen“, so die Expertin. Erst wenn sich die Hämorrhoiden krankhaft vergrößern, sind sie ein Problem.

Behandlung dauert nur fünf Minuten

Anfangs helfen noch Salben und Zäpfchen. Doch die Hämorrhoiden vergrößern sich weiter, werden während des Stuhlgangs aus dem After gepresst und liegen im schlimmsten Fall dauerhaft außen.

Deshalb heißt es handeln: Richtig therapiert, verschwinden die Beschwerden auch wieder. Kreussler setzt dabei auf eine spezielle Substanz („Aethoxysklerol“). Die spritzt der Facharzt, ein Proktologe, direkt in die Blutgefäßpolster oder in die sie versorgenden Blutgefäße. „Das tut nicht weh, dort hat man keine Schmerznerven“, sagt Gliem. „Nach fünf Minuten ist die Sache vorbei.“

Der Wirkstoff führt zu einer entzündlichen Reaktion des Gewebes: Es verklebt mit dem Untergrund, die Hämorrhoiden gelangen nicht mehr nach außen. Zusätzlich wird die Blutzufuhr teilweise unterbunden, die Schwellkörper schrumpfen, und Beschwerden nehmen ab.

„Das Veröden eignet sich für Hämorrhoiden im Anfangsstadium und kann mehrmals vorgenommen werden“, erklärt Gliem. Im Endstadium hilft nur noch eine Operation.

Zwangsrabatt kostet 3 Millionen Euro

Kreussler Pharma ist für das verschreibungspflichtige Produkt Weltmarktführer, hat dafür eine Zulassung in 30 Ländern. Produziert wird es direkt am Standort Wiesbaden (80 Mitarbeiter). Hier treiben Wissenschaftler auch die Therapie voran: Schäumt man das flüssige Präparat, könnte es noch effektiver wirken. „Ende 2009 wurde das Mittel bereits als Weiterentwicklung für Krampfadern zugelassen“, berichtet Geschäftsführer Stephan Travers stolz. Ein Meilenstein für die Firma.

Konkurrenz gibt es kaum: „Es ist ein kleiner Markt“, berichtet Travers. Doch er fügt hinzu: „Da locken keine riesigen Gewinne.“ Zumal die jüngste Gesundheitsreform viel Bürokratie und wenig Planungssicherheit bringe. „Allein der Zwangsrabatt hat uns seit 2003 über 3 Millionen Euro gekostet.“

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