Bei Zwist im privaten Umfeld können neutrale Experten helfen

Mediation stiftet Frieden – oft besser und billiger als ein Prozess

Streit am Gartenzaun: Ein neutraler Experte kann da oft Frieden stiften. Foto: Getty

Berlin. Weihnachten – ein guter Anlass, sich im Privaten versöhnlich zu zeigen. Etwa bei Stress mit dem Nachbarn, Ärger mit dem Ex oder Erbstreitigkeiten.

Das Zauberwort: Mediation – „ein Streitschlichtungsverfahren, bei dem die Beteiligten selbst eine tragfähige Lösung finden“. So sagt es Michael Preußler, Supervisor am Berliner Institut für Mediation und selbst seit langem Mediator.

Bei einem herkömmlichen Rechtsstreit gibt es meistens Gewinner und Verlierer. Logische Folge: So mancher Verlierer versucht, sich zu rächen. Und zahlt dann zum Beispiel trotz Gerichtsurteil einfach weiterhin keinen Unterhalt.

„Erfahrungsgemäß sind die freiwillig ausgehandelten Ergebnisse einer Mediation wesentlich haltbarer als Gerichtsentscheidungen“, so der Experte. Deshalb schicken auch Richter in vielen Fällen die Streithähne erst mal zur Mediation. Wo nötig, etwa bei Grundstücksfragen, werden die vereinbarten Ergebnisse noch von einem Notar bestätigt – und damit rechtsverbindlich.

Eine Mediation ist außerdem schneller und billiger als ein Gang vors Gericht: Oft reichen drei bis fünf Termine, die jeweils zwischen etwa 60 und 200 Euro kosten. „In der Regel merkt man bereits während der ersten Sitzung, ob eine Lösung möglich ist“, so Preußlers Erfahrung aus mehr als 20 Jahren Praxis. Allerdings sind nicht alle Konflikte für die Mediation geeignet.

„Es muss inhaltlich um Sachfragen gehen“, sagt der Fachmann. Man kann also gut gemeinsam klären, wer wie viel Unterhalt zahlt – aber nicht etwa, wer denn nun die Schuld am Scheitern einer Ehe trägt.

„Voraussetzung für jede Mediation ist, dass beide Seiten den Konflikt wirklich dauerhaft beenden wollen“, betont Preußler. Außerdem müssen alle kompromissbereit sein: Man bekommt nämlich nie in allen Punkten recht – dafür aber eine faire Lösung, bei der man sich später noch in die Augen sehen kann. Und das ist wichtig, wenn man weiter miteinander klarkommen muss oder will, beispielsweise als Nachbarn oder wegen der gemeinsamen Kinder.

Das Verfahren ist aber nicht nur für Zwischenmenschliches geeignet. Sondern auch, wenn der Traum vom Eigenheim wegen Baupfusch zum Albtraum wird: Dann können Baumediatoren helfen. „Es gelingt häufig, zügig eine Lösung zu finden, damit die ruhenden Bauarbeiten weitergehen können“, sagt Preußler. Allemal besser, als mit einem halbfertigen Haus auf ein Gerichtsurteil zu warten.

Übrigens: Für Konflikte mit Firmen stehen oft Schlichtungsstellen der jeweiligen Branche bereit. Ihre Hilfe ist für private Kunden meistens kostenlos.

Mediatoren sind meistens Rechtsanwälte, Psychologen, Pädagogen oder Ähnliches mit einer Zusatzausbildung. Idealerweise sind sie von einem Berufsverband zertifiziert.

Mediatoren finden

bmev.de
dgm-web.de
bafm-mediation.de
verband-der-baumediatoren.de


Eine Liste der Ombudsleute und Schiedsstellen in Deutschland erhalten Sie hier kostenlos auf AKTIVonline:

Von A wie Autoreparatur bis Z wie Zahnarzt: Viele Branchen haben eigene Schlichtungsstellen eingerichtet, die privaten Kunden kostenlos helfen. AKTIVonline gibt Ihnen hier einen aktuellen Überblick.

Mehr zum Thema:

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