Urteil

Krankheitsbedingte Heimkosten von der Steuer absetzbar

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Wer im Alter krank und pflegebedürftig wird und deshalb ins Seniorenheim ziehen muss, kann die Kosten für die Unterbringung von der Steuer absetzen. Sie gelten als außergewöhnliche Belastung und mindern die Einkommensteuer, wie der Bundesfinanzhof in einem jetzt veröffentlichten Urteil entschieden hat. Voraussetzung ist, dass die Kosten angemessen sind (BFH, 14.11.2013, VI R 20/12).

In dem Fall lebte eine behinderte und pflegebedürftige Frau zunächst mit ihrem Mann und nach dessen Tod allein in einem 75-Quadratmeter-Apartment im Wohnstift. Dieses berechnete eine Pauschale, mit der neben Wohnen und Verpflegung auch die Nutzung von Gemeinschaftseinrichtungen sowie eine altengerechte Grundbetreuung über 24 Stunden am Tag abgegolten waren.

Zwangsläufige und absetzbare Aufwendungen

Das Finanzamt sowie das Finanzgericht hatten der Seniorin den vollen Abzug der Kosten nicht zugestanden. Der Bundesfinanzhof hielt die Aufwendungen für die krankheitsbedingte Unterbringung im Heim jedoch für „zwangsläufig“ und absetzbar, sofern sie nicht in einem offensichtlichen Missverhältnis zum medizinisch angezeigten Aufwand stehen.

Abziehbar sind danach neben den konkret angefallenen und in Rechnung gestellten Pflegekosten auch die Kosten für die Unterbringung beziehungsweise die Pauschale für die Nutzung der Wohnung im Wohnstift.

Eine Einschränkung gibt es: Da mit dem Umzug ins Heim die Kosten für den eigenen Haushalt wegfallen, darf das Finanzamt einen festen Betrag, die sogenannte Haushaltsersparnis, abziehen (2014: 8.354 Euro im Jahr).

In welcher Höhe die Seniorin die Unterbringungskosten nun tatsächlich geltend machen kann, muss das Finanzgericht im zweiten Durchgang prüfen. Der Bundesfinanzhof hat die Sache dorthin zurückverwiesen. Die Richter müssen klären, ob es sich bei der Pauschale um Kosten handelt, die – etwa wegen der Größe des Apartments – unangemessen sind.


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